07.07.2023

Aktuelle Werkschau des Fachbereichs Gestaltung: Lehren und Lernen als Prozess der Veränderung

Abschlussarbeit von Adriane Guse, Bachelor-Absolventin der Studienrichtung Kommunikationsdesign
Wie fair ist dein Kaffee? Ariane Guse (Kommunikationsdesign) nimmt die Betrachterinnen und Betrachter in ihrem Illustrationswerk mit in die Welt des Kaffees. Am Beispiel einer Bielefelder Kaffeerösterei zeigt sie zudem, wie Kaffeeanbau und -produktion nachhaltig und fair gestaltet werden können. © Adriane Guse
Abschlussarbeit des Fotografie-Absolventen Paul Düstersiek
Wie KI-gestützte generative Bildmechanismen unsere Selbstwahrnehmung auflösen und neu definieren, versucht Paul Düstersiek (Fotografie und Bildmedien) in seinem Werk "Missing Link" zu ertasten. © Paul Düstersiek
Abschlussarbeit von Fotografie-Absolventin Mailine Reicke
"Verlassen werden" ist eine fotografisch dokumentierte Arbeit von Mailine Reicke (Fotografie und Bildmedien). 15 Menschen im Alter zwischen 21 und 30 Jahren porträtierte und interviewte die Absolventin hierfür, um so herauszufinden, welche psychosozialen Folgen eine Trennung der Eltern mit sich bringen kann. © Mailine Reicke
Bildercollage der Abschlussarbeit von Mode-Absolventin Cara Determeyer
Modeabsolventin Cara Determeyer zeigt in ihrer Arbeit "Ene mene Kinderspiel", wie aus Gegenständen der Kindheit Geschichten werden, die eine Nostalgie und Sehnsucht in vergangene Zeiten auslösen. © Cara Determeyer
Abschlussarbeit des DMX-Absolventen Simon Hoffmann
„Life forms“ ist ein Film über das Andere in der Natur. DMX-Absolvent Simon Hoffmann zeichnet darin den scheiternden Versuch nach, unsterblich zu werden, und skizziert darüber hinaus eine Parallelwelt, die neben der menschlichen existiert und die uns Menschen lange überleben wird. © Simon Hoffmann
Werkschau des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Bielefeld (HSBI) vom 7. bis 9. Juli zeigt 61 Abschlussarbeiten aus Mode, Fotografie, Kommunikationsdesign und Digital Media and Experiment.

Bielefeld (hsbi). Schon das Ausstellungsplakat des Fachbereichs Gestaltung fällt mit seinem konstruktivistischen Grundzug auf. Schließlich wird damit ein Leitgedanke des neuen Corporate Designs der gesamten Hochschule adaptiert – Bewegung. Eine passende Idee, denn Lehren und Lernen als kreativer Prozess der Veränderung prägen den Fachbereich seit jeher. Aktuelle Ergebnisse werden nun wieder in einer Werkschau vorgestellt. Ab Freitag, 7. Juli, sind die Werke von 54 Bachelor- und sieben Masterabsolvent*innen der vier Studienrichtungen „Digital Media and Experiment“, „Mode“, „Kommunikationsdesign“ und „Fotografie und Bildmedien“ in den Räumen des Fachbereichs an der Lampingstraße 3 zu sehen. Die Werkschau ist geöffnet am Freitag, 7. Juli ab 18 Uhr, am Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt.

Raum und Zeit für Begegnungen

Porträtbilder Dekan und Prodekanin des Fachbereichs Gestaltung
Dekan Prof. Dirk Fütterer und Prodekanin Prof. Dr. Patricia Stolz.

„Das konstruktivistisch anmutende Gestaltungskonzept der Werkschau greift auf abstrakte Art und Weise das Thema eines Begegnungsraums auf“, sagt Dekan Prof. Dirk Fütterer. „Dabei werden Wechselbeziehungen zwischen Subjekt, Objekt, Raum und Zeit kommuniziert.“ Dieser Gedanke zielt auf eine gut gelebte Tradition der Werkschau: Sie schafft Raum und Zeit für Begegnungen und eine Möglichkeit des Kennenlernens und des Austauschs mit Absolvent*innen sowie Lehrenden. Gleichzeitig bietet sie eine Gelegenheit des Wiedersehens mit Ehemaligen und Angehörigen. „Der begleitende Katalog wird analog zur Werkschau zu einem zeitbasierten Medium, welches das ‚Flanieren‘ durch die Seiten dank eines generativen Gestaltungsansatzes zu einem kurzweiligen Erlebnis werden lässt“, erläutert Fütterer.

Dieses generative Momentum hat das Studium in den vergangenen Semestern in ganz neuer Weise geprägt, wie Prodekanin Prof. Patricia Stolz beschreibt. Mit Künstlicher Intelligenz (KI), die nun allen Menschen zur Verfügung steht, bedürfe es einer Neubewertung ästhetischer und funktionaler Kategorien der Gestaltung. „Viele Aspekte dazu werden in der Hochschule schon länger diskutiert. Schließlich berühren die technischen Möglichkeiten der KI die Grundlagen des kreativen Schaffens überhaupt: Was ist eine originäre neue Gestaltung? Wo verläuft die Grenze zwischen menschlicher und maschineller Kreation?“ Und schließlich: „Wem gehört eine kreative Idee?“ Etliche Abschlussarbeiten erkunden bereits den Horizont dieser neuen Gestaltungsmöglichkeiten.

Im Folgenden einige Erläuterungen zu ausgewählten Abschlussarbeiten des aktuellen Sommersemesters:

Studienrichtung Digital Media and Experiment: „The darkest hour“ von Alina Lutz 
(Bachelor-Abschlussarbeit)

Nahaufnahme eines Stahldrahtes
Mit Sehnsuchtsgefühlen und der Qualität von Erinnerungen setzt sich Alina Lutz in ihrer audiovisuellen Abschlussarbeit auseinander.

„Ich sehne mich nach dem Meeresrauschen, das mich als Kind in den Schlaf gewiegt hat. Ich sehne mich danach, stundenlang auf den Horizont zu blicken und Kirschkerne ins hohe, trockene Gras zu spucken ...“ Mit solchen Sehnsuchtsgefühlen spielt Alina Lutz in ihrer Arbeit The Darkest Hour. Ihre Rauminstallation ist ein multisensorisches Erlebnis. Das Werk besteht aus einer audiovisuellen Installation mit drei Komponenten sowie einem begehbaren Holzunterstand mit Vintage-Fernsehern im Inneren. Dieser bildet einen Kontrast zur kalten blauen Atmosphäre einer großen Videoprojektion außerhalb des Gebäudes. Für diese Arbeit reiste Alina Lutz an die bulgarische Schwarzmeerküste. Dort fertigte sie Videos unter anderem mit abendlichen Stadtaufnahmen an sowie Feldaufnahmen und Zeichnungen.

Studienrichtung Mode: „Anthropogenic – The drowning ocean“ von Johanna Heitz 
(Bachelor-Abschlussarbeit)

Blaues Wasser in Bewegung, das Wachsen vermeintlich starrer Korallen, grün wogende Algenwälder und zwischen Korallen versteckte Meerestiere – gemeinsam bilden sie ein in Balance befindliches Ökosystem. Diese Balance wird aber von Menschen durch Umweltverschmutzung, Klimawandel, Überfischung und weitere Einflüsse gestört. Die Bachelorarbeit Anthropogenic – The drowning ocean macht mit textilen Mitteln auf Missstände aufmerksam: Die Textilien setzen sich auf der einen Seite aus sehr feinem, zartem, fragilem Strick und auf der anderen Seite aus schweren, festen und bedruckten Stoffen zusammen. Sie sind kontrastreich und bilden dennoch eine harmonische Symbiose. Durch das gemeinsame Farbkonzept wird ein Gleichgewicht erschaffen. Inspirationen für die Kollektion waren die ohne technische Hilfsmittel arbeitenden Haenyo-Taucherinnen aus Südkorea, in Geisternetzen gestorbene Meereslebewesen und Korallen.

Bildercollage der Abschlussarbeit von der Mode-Absolventin Johanna Heitz
Kontrastreich und harmonisch zugleich: In ihrer Kollektion verband Modeabsolventin Johanna Heitz sehr feine, zarte Stricktextilien mit schweren, festen Stoffen. Ein gemeinsames Farbkonzept sorgt dabei für ein Gleichgewicht. © Johanna Heitz

Studienrichtung Kommunikationsdesign: „Ich ging kaputt und fiel vom Stuhl“ von Julia Sarah Derksen (Bachelor-Abschlussarbeit)

Diagnose: Colitis ulcerosa. Julia Sarah Derksen bekam sie, als sie 14 Jahre alt war. Was das bedeutete? Das wusste sie nicht. Wahrscheinlich ein paar Tage Bettruhe und – wenn es hochkommen sollte – auch eine Medizin. Weit gefehlt. Das Biest in ihrem Körper war erwacht und gekommen, um zu bleiben. Und zwar für den Rest ihres Lebens. Mit unkontrollierbarem Dauerdurchfall und allen Unannehmlichkeiten, die damit zusammenhängen. Genau darum geht es in dem erfahrungsbasierten Buch Ich ging kaputt und fiel vom Stuhl. Nach eigener Aussage hat Julia Sarah Derksen das Buch geschrieben für alle Interessierten und ganz besonders für die, die darunter leiden. Das sind in Deutschland vier bis sechs Personen pro 100.000 Einwohner. Wohl deshalb ist es ein Thema, über das kaum gesprochen wird. Über das laut Derksen aber dringend gesprochen werden sollte. Sie tut es mit Worten und Bildern.

Studienrichtung Fotografie und Bildmedien: „Transhumanta“ von Jan Düfelsiek (Master-Abschlussarbeit)

Rumänien ist eines der Hauptherkunftsländer der derzeitigen Zuwanderung nach Deutschland. Mehr als 850.000 Rumäninnen und Rumänen leben aktuell in der Bundesrepublik. Durch die EU-Osterweiterung locken höhere Löhne abwanderungswillige Menschen in den Westen. Gleichzeitig entstehen in Rumänien lukrative Absatzmärkte für deutsche Handelsketten. Damit stellt sich die Frage, wer eigentlich von der EU-Mitgliedschaft Rumäniens profitiert. Was bedeutet es, seine Heimat für eine Arbeitsstelle zu verlassen? Und welchen Einfluss haben die verschiedenen Prozesse auf die Kultur und die Identität eines Landes? Der fotografische Essay Transhumanta von Jan Düfelsiek beschäftigt sich mit den komplexen Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien. Er porträtiert dabei ein Land voller Kontraste und Herausforderungen. (rm)

Abschlussarbeit des Fotografie-Absolventen Jan Düfelsiek
Was bedeutet es, sein Heimatland für eine Arbeitsstelle zu verlassen? Diesen und anderen Fragen geht Jan Düfelsiek in seinem fotografischen Essay „Transhumanta“ nach, in dem er sich mit den komplexen Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien beschäftigt. © Jan Düfelsiek
Werkschau Sommersemester 2023

Die Eröffnung der Werkschau und die Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Bielefeld findet am Freitag, 7. Juli um 18.00 Uhr bis ca. 24 Uhr, statt. Im Gebäude an der Lampingstraße werden 55 B.A.- und sieben M.A.-Abschlussarbeiten gezeigt. Am Samstag, 8. Juli, sowie am Sonntag, 9. Juli, ist die Werkschau von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Außerdem sind die Arbeiten integriert in die Werkschau-Website, die Semester für Semester weiter bestückt wird: https://werkschau.gestaltung-bielefeld.de/

Weitere Informationen

Fachbereich Gestaltung
Studienrichtungen „Digital Media and Experiment“
Studienrichtung „Mode“
Studienrichtung „Kommunikationsdesign“
Studienrichtung „Fotografie und Bildmedien“