23.05.2018

„Japan denkt weiter“

Fachbereich IuM: 3. Veranstaltung der Reihe „Durch die Lupe betrachtet“ im MARTa Museum Herford.

Zum „Blick durch die Lupe“ lud der Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) der FH Bielefeld gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Herford e.V. bereits zum dritten Mal ein. In den eindrucksvollen Räumlichkeiten des MARTa Museums in Herford fand die Veranstaltung, die ihren Interessensschwerpunkt diesmal auf Japan legte, am 17. Mai statt. Rund 90 geladene Gäste aus Hochschule, Industrie und Kultur fanden sich im Forum des MARTa ein.

Zu Beginn führten Prof. Dr. Lothar Budde, Dekan des Fachbereichs IuM, und Uwe Kreidel, Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbands Herford, mit einleitenden Worten und persönlichen Japan-Erfahrungen in die Thematik des Abends ein. Anschließend startete Dr. Andreas Hettich, Vorsitzender der Geschäftsleitung und geschäftsführender Gesellschafter der Hettich Unternehmensgruppe, mit seinem Impuls-Vortrag und gab damit einen Einblick in ein Land, „das so ganz anders und nicht nur deshalb sehr spannend ist“. Hettich fliegt mehrmals jährlich nach Japan und beschreibt das Land auch im übertragenen Sinne als eine Insel. Man müsse es bereisen, um es zu verstehen. Für geschäftliche Beziehungen sei es notwendig, Zeit und Geduld aufzubringen. Die Entscheidungswege seien lang, dafür aber, wenn erst beschlossen, beständig.

Ihm folgten die Grußworte des japanischen Ehrengastes Takeshi Tamai, Chef-Repräsentant der Stadt Yokohama, der in seiner Rede den Wunsch äußerte, deutsche Unternehmen und Interessierte für Yokohama und damit für Japan zu gewinnen.

Uwe Kreidel stieg mit folgendem Zitat von Jürgen Thumann, dem ehemaligen Präsidenten der Europäischen Arbeitgebervereinigung, in die anschließende Podiumsdiskussion, moderiert von FH-Doktorandin Sissy-Christin Lorenz, ein: „Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir mit innovativen Ländern kooperieren. Um an der Spitze zu bestehen, ist Japan ein idealer Partner für Deutschland“. Kreidel, der in seiner Funktion als Geschäftsführer bei Hettich schon mehr als 20-mal in Japan war, kann dies nur bestätigen. Er spricht in Zusammenhang mit seinen Geschäftserfahrungen in Japan von Funktionalität, Verlässlichkeit, höchsten Qualitätsanforderungen und einer anderen Businesskultur als wir sie kennen. „Der Kunde möchte nicht durch gute Argumente überzeugt werden. Er erwartet, dass auf seine Bedürfnisse eingegangen wird.“ „Japan ist darüber hinaus ein absolutes Dienstleistungs- und Serviceland, was mich immer wieder begeistert“, ergänzt Thomas Herold, ehemaliger IHK-Chef Paderborn und Buchautor. „Absolut. Japan ist ein Land der stetigen Verbesserung“, stimmt ihm Peter Herden, seit über 30 Jahren als Unternehmer in Japan aktiv und Mitglied der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Bielefeld e.V., zu. Dr. Thilo Ketterer, Wirtschaftsprüfer und Partner bei Rödl & Partner, bezeichnet Japan als Vorreiter in technischen Entwicklungen. Das geplante Freihandelsabkommen werde uns bei der Gestaltung der künftigen Geschäftsbeziehungen helfen.

Herbert Vogel, Gründer der Itelligence AG, spricht zudem von einer enormen Innovationskraft, die sich durch alle Altersgruppen der Gesellschaft ziehe. Auch Dekan Budde ist der Meinung: „Japan denkt mit. Während wir noch über Industrie 4.0 sprechen, denkt der Japaner über die Gesellschaft der Zukunft nach und diskutiert ‚Society 5.0‘ und die damit verbundene Verantwortung.“ Aus diesem Grund wünscht er in seiner Rolle als Dekan eine Kooperation mit einer japanischen Hochschule.

Judith Peltz, Leiterin des International Office der FH Bielefeld, berichtete von den Gründen des bisher geringen Studierendenaustausches zwischen Japan und Deutschland. Aus deutscher Sicht läge das unter anderem an der Sprachbarriere, den hohen Studiengebühren in Japan und der geringen Anrechenbarkeit von Leistungen. Im Zuge der anstehenden Olympischen Spiele im Jahr 2020 in Japan sei aber Besserung in Sicht. Die von den Japanern ins Leben gerufene Initiative „Global University“ beinhaltet die Zielformulierung, die Zahl der international Studierenden in Japan bis zum genannten Zeitpunkt der Spiele zu verdoppeln. „Damit einher gehen auch mehr englischsprachige Angebote, die auch für unsere Studierenden eine Chance sein können“, folgert Peltz. Studentin Keiko Oike schilderte ihren persönlichen Eindruck wie folgt: „Bei all den heute erwähnten Unterschieden bin ich doch der Meinung, dass die deutsche Kultur der japanischen ähnlicher ist als die anderer europäischer Länder. Deshalb empfinde ich einen Austausch in jedem Fall als gewinnbringend.“

Prof. Dr. Peter Charles und Prof. Dr. Anant Patel sprachen aus der so genannten „ersten Reihe“ seitens der FH und Jeffrey Queißer, Doktorand des CITEC, seitens der Universität Bielefeld von ihren Forschungsprojekten, persönlichen Japan-Erfahrungen und den wissenschaftlichen Trends. „Es ist uns mit der Einführung der ‚ersten Reihe‘, die mit Japan-Insidern aus unterschiedlichsten Zusammenhängen besetzt war, gelungen, die Podiumsteilnehmer mit dem Publikum ins Gespräch zu bringen“, freute sich Wolfram Jacob, Geschäftsführer Arbeitgeberverband Herford e.V. Zum anschließenden Networking ging es ins nahe gelegene Elsbach Restaurant, wo bei landestypischen Speisen der Abend einen erfolgreichen Abschluss fand.

https://www.fh-bielefeld.de/ium/durch-die-lupe-betrachtet

Text: Tanja Hage