26.08.2025

Kompetenz-Videos der HSBI für Menschen mit geistiger Behinderung erhalten NRW-Gesundheitspreis 2024

Eine comichafte Darstellung einer Person bei einer Ärztin
Die Erklär-Filme geben Menschen mit geistiger Behinderung in einfacher Sprache und sachtem Tempo Tipps, was sie tun können, um ihre Gesundheit zu erhalten bzw. zu verbessern. © HSBI/Vogelsänger Studios
Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, überreichte die Auszeichnung Vertreter:innen des HSBI-Forschungsprojekts Geko-MmgB. Er lobte die gemeinsam mit Praxispartnern und Vertreter:innen der Zielgruppe entwickelten Videos, da sie niedrigschwellig und bedarfsorientiert Aufklärung bieten „für Menschen, die oft benachteiligt sind, wenn es um die Möglichkeiten geht, für sich selbst Gesundheitskompetenz aufzubauen“.

Bielefeld (hsbi). Wie achte ich auf meinen Körper? Wie finde ich passende Informationen zu meiner Gesundheit? Was kann ich tun, um mein Wohlbefinden zu steigern? Was bedeutet Resilienz? Menschen mit geistiger Behinderung fällt es häufig schwer, ihren Gesundheitszustand angemessen zu beurteilen. Manchmal wissen sie schlichtweg nicht, was sie tun können, wenn es irgendwo im Körper schmerzt. Oder sie verstehen gesundheitsrelevante Informationen nicht. Das Forschungsprojekt Geko-MmgB der Hochschule Bielefeld (HSBI) hat aus diesen Gründen gemeinsam mit zahlreichen Praxispartnern „Kompetenz-Videos“ für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung entwickelt.

Die acht farbigen Clips mit ihren animierten Protagonisten geben Menschen aus der Zielgruppe in einfacher Sprache und sachtem Tempo Tipps, was sie tun können, um ihre Gesundheit zu erhalten bzw. zu verbessern. Nun hat das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen das Projekt mit dem „Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen 2024“ ausgezeichnet. Minister Karl-Josef Laumann: „Der innovative Ansatz, bei der Stärkung der Gesundheitskompetenz von Menschen mit geistiger Behinderung mithilfe von Videos neue Wege zu gehen und die Zielgruppe bei der Entwicklung der Filme direkt einzubeziehen, hat die Jury überzeugt. Die Videos werden bereits breit gestreut und im Alltag zahlreicher betreuender Institutionen erfolgreich eingesetzt. Sie bieten niedrigschwellig Aufklärung für Menschen, die oft benachteiligt sind, wenn es um die Möglichkeiten geht, für sich selbst Gesundheitskompetenz aufzubauen.“

Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen 2024 zum Schwerpunkt „Stärkung der Gesundheitskompetenz“

„Der innovative Ansatz, bei der Stärkung der Gesundheitskompetenz von Menschen mit geistiger Behinderung mithilfe von Videos neue Wege zu gehen und die Zielgruppe bei der Entwicklung der Filme direkt einzubeziehen, hat die Jury überzeugt.“

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Laumann gratulierte den Vertreter:innen des HSBI-Forschungsprojekts Geko-MmgB am vergangenen Dienstag im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Düsseldorf. Die Hochschule war vertreten durch Mitarbeiter:innen ihres Instituts für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich (InBVG), darunter Geko-MmgB-Leiterin Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck und Prof. Dr. Norbert Seidl sowie ihre Kollegen im Projekt, Dr. Dirk Bruland, Nils Vetter und Matthias Voß. Außerdem dabei: Katharina Zients vom Praxispartner AWO Münsterland-Recklinghausen. Mit dem Gesundheitspreis zeichnet das Land Nordrhein-Westfalen jährlich innovative Projekte im Gesundheitswesen aus. Der aktuelle Wettbewerb befasste sich mit dem Schwerpunktthema „Stärkung der Gesundheitskompetenz“ und ist für die HSBI verbunden mit einem Preisgeld in Höhe von 4000 Euro, das wieder in das Projekt investiert werden soll.

Die Entwicklung der Erklär-Filme wurde für drei Jahre aus Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit gefördert. „Die Kompetenz-Videos sollen Informationen vermitteln, um gesundheitskompetente und selbstbestimmte Entscheidungen von Menschen mit geistiger Behinderung zu fördern“, unterstreicht HSBI-Pflegewissenschaftlerin Latteck. „Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung sind diese Menschen gesundheitlich benachteiligt.“ Prof. Dr. Norbert Seidl ergänzt: „Mit dem Projekt können wir die Gesundheitskompetenz dieser hoch vulnerablen Gruppe stärken und haben zudem wertvolle Erfahrungen über die Aufbereitung von Videos erhalten, um Gesundheitsinformationen an möglichst viele Personen zu vermitteln.“

„Mein Körper und ich“: Eines der insgesamt acht Kompetenzvideos

Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung als Co-Forschende

Die besondere Zielgruppenorientierung des Projekts konnte unter anderem erreicht werden, weil Menschen mit geistiger Behinderung ihre Erfahrungen nicht nur als Studienteilnehmende, sondern auch als Co-Forschende in jeder Projektphase einbrachten. Die Vogelsänger Studios, die Journalistin Stefanie Martin und die HSBI machten auf Grundlage der Rückmeldungen der Co-Forschenden erste Vorschläge, Mitglieder einer divers besetzten Forschungs-AG beurteilten die Filme dann im Hinblick auf Inhalte, Farbgebung, Symbolik und Sprechtempo. Die acht so entstandenen Kompetenz-Videos sind unter www.foerderges.hsbi.de/kompetenzvideos-2/ zu finden und tragen folgende Titel: „Mein Körper und ich“, „Schmerzen“, „Notfall“, „Wohlbefinden“, „Gesundheitsförderung“, „Resilienz – Kenne Deine Stärken“, „Gesundheitskompetenz – Wie finde ich die richtigen Informationen?“ und „Gesundheitskompetenz: Wie finde ich die richtigen Fachleute?“ Unter oben stehendem Link ist auch eine Handreichung mit Informationen zum Konzept und Hinweisen zum Einsatz der Videos enthalten. (lk)