Verarbeitung von Kunststoffen

Auf dieser Seite werden die Anforderungen an eine ressourcenschonende Verarbeitung von Kunststoffen erläutert. Dies soll insbesondere Unternehmen im kunststoffverarbeitenden Gewerbe Stellschrauben aufzeigen, anhand derer sie die Verarbeitung ihrer Kunststoffprodukte im Sinne der Circular Economy optimieren können.

 

Maschine

Aufbau einer Spritzgießmaschine.
Aufbau einer Spritzgießmaschine.

Prozessführung

Verarbeitungstemperatur

Die Verarbeitungstemperatur ist der Temperaturbereich, in dem ein Kunststoff optimal verarbeitet werden kann, z.B. beim Spritzgießen, Extrudieren oder Thermoformen. Sie hängt von den spezifischen Materialeigenschaften ab und beeinflusst die Qualität und Maßhaltigkeit des Endprodukts. Bei amorphen Thermoplasten liegt sie oberhalb der Glasübergangstemperatur und bei teilkristallinen Thermoplasten oberhalb der Kristallitschmelztempertur. Häufig kann eine Reduzierung der Verarbeitungstemperatur den Energieverbrauch reduzieren.

Einspritzgeschwindigkeit

Die Einspritzgeschwindigkeit beschreibt die Geschwindigkeit, mit der die Schmelze beim Spritzgießen in die Form eingebracht wird. Sie beeinflusst die Formfüllung, die Bauteilqualität (z. B. Oberflächengüte) und die Bildung von Bindenähten. Eine optimierte Einspritzgeschwindigkeit kann Materialverluste und Energieverbrauch reduzieren.

Einspritzdruck

Der Einspritzdruck ist die Kraft, mit der die Schmelze beim Spritzgießen in die Form eingespritzt wird. Er ist entscheidend für die vollständige Formfüllung, die Oberflächenqualität und das Vermeiden von Lufteinschlüssen. Eine bedarfsgerechte Einstellung des Einspritzdrucks reduziert den Energieaufwand und minimiert Materialverluste.

Werkzeugtemperatur

Die Werkzeugtemperatur ist die Temperatur des Spritzgießwerkzeugs, die die Abkühlung und Formgebung des Bauteils beeinflusst. Sie hat direkten Einfluss auf die Oberflächenqualität, Maßhaltigkeit, Kristallisationsgrad und Zykluszeit. Eine niedrigere Werkzeugtemperatur verkürzt die Kühlphase, kann jedoch die vollständige Formfüllung und Maßhaltigkeit beeinträchtigen. Eine präzise Steuerung der Werkzeugtemperatur optimiert den Energieverbrauch und reduziert Ausschuss.

Kühlzeit

Die Kühlzeit ist die Zeitspanne, in der die Kunststoffschmelze im gefüllten Spritzgießwerkzeug abkühlt, bis sie ausreichend fest für die Entformung ist. Die Kühlzeit beeinflusst die Zykluszeit und die Maßhaltigkeit des Bauteils. Eine optimierte Kühlzeit senkt Energieverbrauch und steigert die Effizienz.

Umschaltpunkt von Einspritz- zu Nachdruck

Der Umschaltpunkt ist der Moment im Spritzgießprozess, an dem von der Einspritzphase zur Nachdruckphase gewechselt wird. Er wird typischerweise durch Volumen, Druck oder Weg definiert und beeinflusst die Formfüllung und die Bauteilqualität.

Nachdruck und Nachdruckzeit

Der Nachdruck ist die Druckphase nach der Formfüllung beim Spritzgießen, die dazu dient, die Volumenschwindung der abkühlenden Kunststoffschmelze auszugleichen und die Bauteilqualität zu sichern. Die Nachdruckzeit definiert die Dauer, in der dieser Druck aufrechterhalten wird. Eine optimierte Nachdruckphase verhindert Materialüberschuss und Energieverluste.

Zykluszeit

Die Zykluszeit ist die Gesamtzeit für einen vollständigen Produktionszyklus beim Spritzgießen, einschließlich Einspritzen, Nachdruck, Abkühlen und Entformen. Sie bestimmt die Effizienz der Fertigung und die Produktionsrate. Eine optimierte, d.h. kurze, Zykluszeit reduziert den Energieverbrauch und steigert die Ressourceneffizienz.

Schließkraft

Die Schließkraft ist die Kraft, mit der die Hälften eines Spritzgießwerkzeugs während des Einspritzens zusammengehalten werden, um ein Aufspritzen der Schmelze in die Trennebene zu verhindern. Hierzu muss die Schließkraft größer sein als der Spritzdruck multipliziert mit der projizierten Fläche der Kavität.

Dosierweg und Dosierzeit

Der Dosierweg beschreibt die Strecke, die die Schnecke der Spritzgießmaschine zurücklegt, um die benötigte Schmelzemenge für den nächsten Einspritzvorgang zu plastifizieren. Die Dosierzeit ist die dafür benötigte Zeit.

Verweilzeit der Schmelze

Die Verweilzeit der Schmelze beschreibt die Dauer, die die Kunststoffschmelze im Zylinder verbleibt. Sie beeinflusst die thermische Stabilität des Materials und damit die Werkstoff- bzw. Bauteilqualität. Eine optimierte Verweilzeit verhindert Materialabbau und unnötigen Energieverbrauch. Ein Erhalt des Molekulargewichts begünstigt darüber hinaus das Potential für ein späteres werkstoffliches Recycling der Produkte.

Entformung

Nach der Restkühlphase, nach der der größten Teil der Volumenschwindung abgeschlossen ist, folgt die Entformung. Diese bezeichnet den Vorgang, bei dem das abgekühlte Bauteil i.d.R. mithilfe von Auswerfern aus dem Werkzeug gelöst wird. Nach der Entformung beginnt die Nachschwindung des Kunststoffs, bis schließlich die endgültigen Bauteilmaße erreicht sind. Erfolgt die Entformung zu früh, kann es zu Bauteilfehlern (d.h. Ausschuss) kommen, etwa durch Abdrücken der Auswerfer am Bauteil.

Peripherie

Die Peripherie umfasst alle unterstützenden Geräte und Systeme, die die Hauptprozesse in der Kunststoffverarbeitung ergänzen. Dazu zählen Temperiergeräte, Förderanlagen, Trockner, Mühlen und Robotersysteme. Sie dient der Optimierung von Materialfluss, Temperaturregelung und Automatisierung. Eine effiziente Peripherie reduziert Energieverbrauch, Materialverluste und Ausschuss.

Trockner

Manche (i.d.R. polare) Polymere sind hygroskopisch und absorbieren Feuchtigkeit aus der Luft (i.d.R. weniger als 10 wt%). Sie müssen vor der Verarbeitung getrocknet werden, um Materialschäden wie Blasenbildung oder Verfärbungen zu vermeiden. Üblicherweise arbeiten Trockner mit Heißluft, Trockenluft oder Vakuum. Ein effizienter Trocknungsprozess reduziert den Energieverbrauch und verhindert Ausschuss.

Fördergeräte

Fördergeräte dienen dem automatisierten Transport von Kunststoffgranulat oder Mahlgut zu Verarbeitungsmaschinen wie Spritzgießern oder Extrudern. Sie arbeiten häufig mit Unterdruck (Vakuumförderer) oder mechanischen Systemen wie Schnecken oder Förderbändern. Effiziente Fördergeräte minimieren Materialverluste und Energieverbrauch.

Temperiergeräte

Temperiergeräte regeln die Temperatur von Werkzeugen oder Maschinenkomponenten in der Kunststoffverarbeitung, um eine gleichmäßige Wärmeverteilung und optimale Prozessbedingungen zu gewährleisten. Sie arbeiten meist mit Wasser oder Öl als Wärmeträger. Die Temperierung kann einen substanziellen Anteil am Energieverbrauch des Prozesses haben.

Entnahmesysteme

Entnahmesysteme sind automatisierte Vorrichtungen, meist Roboter, die fertige Kunststoffteile aus der Form entnehmen und für nachfolgende Prozesse wie Prüfung oder Verpackung, bereitstellen. Sie sorgen für eine schnelle und beschädigungsfreie Entnahme. Effiziente Entnahmesysteme optimieren Zykluszeiten und reduzieren Ausschuss.

Dosier- und Mischgeräte

Dosier- und Mischgeräte sorgen für die präzise Zuführung und Vermischung von Kunststoffgranulat, Additiven, Farbmitteln oder Rezyklaten vor der Verarbeitung. Sie gewährleisten eine homogene Materialzusammensetzung und konsistente Bauteilqualität. Eine genaue Dosierung reduziert Materialverluste und ermöglicht den Einsatz von Rezyklaten.

Energiebedarf beim Spritzgießen

Der Energiebedarf beim Spritzgießen setzt sich aus zahlreichen Verbrauchsquellen der Maschine und ihrer Peripherie zusammen und bestimmt maßgeblich die Nachhaltigkeit des Prozesses. Den größten Anteil haben die Temperiergeräte mit rund 37 %, gefolgt von den Antrieben der Maschinenachsen mit 26 % und den elektrischen Heizungen mit 15 %. Weitere Verbraucher sind der Heißkanal mit 7 %, die Peripheriegeräte wie Trockner oder Förderanlagen mit 9 % sowie die Steuerungselektronik mit etwa 4 %. Ein vergleichsweise geringer, aber nicht zu vernachlässigender Anteil von 2 % entfällt auf Roboter- und Entnahmesysteme. Diese Aufschlüsselung verdeutlicht, dass gezielte Optimierungen insbesondere bei der Werkzeugtemperierung, den Antrieben und der Heizung das größte Einsparpotenzial bieten.

Antriebsleistung

Die Antriebsenergie einer Spritzgießmaschine verteilt sich auf Werkzeug-, Auswerfer-, Aggregat- und Schneckenbewegungen, deren Verbrauch stark variiert. Der Energiebedarf für das Öffnen, Schließen und den Schließkraftaufbau ist zwar kurzfristig hoch, bleibt aber über den gesamten Zyklus gering. Eine Reduktion der Schließkraft ist nicht sinnvoll, da sie für hohe Nachdrücke zur Schwindungskompensation benötigt wird. Der Auswerfer benötigt nur zum Losbrechen des Bauteils nennenswerte Energie, danach sinkt die Kraftanforderung stark ab. Für die Aggregatbewegung ist die Energieaufnahme ebenfalls niedrig, da nur die Düsenanlagekraft von wenigen kN überwunden werden muss. Einspritz- und Nachdruckphasen beanspruchen hohe Drücke, doch ist die Wegstrecke der Schnecke gering, sodass die Gesamtenergieaufnahme überschaubar bleibt. Den größten Anteil der Antriebsenergie verursacht die Schneckenrotation während der Plastifizierung. Hier bestimmt die Drehzahl die Dauer des Dosierens, wobei höhere Drehzahlen die Zykluszeit verkürzen, aber kaum Energie sparen. Eine Verringerung des Staudrucks reduziert hingegen signifikant die Reibung in der Schmelze und senkt damit den spezifischen Energiebedarf. Hohe Staudrücke verbessern zwar Homogenität und Farbverteilung, sind jedoch nur bei sehr dünnwandigen Bauteilen oder kurzen Zyklen zwingend notwendig. In den meisten Anwendungen kann der Staudruck reduziert werden, ohne die Produktqualität zu beeinträchtigen. Damit stellt die Anpassung der Schneckenparameter den wirkungsvollsten Hebel zur Einsparung von Antriebsenergie dar.

Temperierung

Heizenergie macht beim Spritzgießen den größten Teil des Gesamtenergiebedarfs aus und übersteigt die Antriebsleistung deutlich. Hauptverbraucher sind Materialtrocknung, Plastifizierung, Heißkanal- und Werkzeugtemperierung. Die Materialtrocknung ist unverzichtbar, Einsparungen durch Temperaturabsenkung führen meist zu längeren Trocknungszeiten. Bei der Plastifizierung lässt sich die Zylindertemperatur gezielt senken, wodurch die Schmelzetemperatur und damit der Energieverbrauch reduziert werden. Niedrigere Schmelzetemperaturen erhöhen zwar die Viskosität und damit den Spritzdruck, können aber ohne Qualitätsverlust genutzt werden, wenn die Prozessfenster sorgfältig ausgelotet werden. Am Heißkanal sind Einsparungen kaum möglich, da er thermisch isoliert betrieben wird. Die Werkzeugtemperierung ist besonders relevant, da Temperiergeräte bis zu ein Drittel des Gesamtenergiebedarfs beanspruchen. Statt hoher, vom Rohstoffhersteller empfohlener Werkzeugtemperaturen sollte mit niedrigen Werten begonnen und nur bei Qualitätsproblemen schrittweise erhöht werden. Zusätzlich erlaubt die Impulstemperierung mit kaltem Wasser eine deutliche Reduktion der Heizleistung im Vergleich zu konventionellen Systemen. Zu niedrige Werkzeugtemperaturen können jedoch Füllprobleme, mangelnde Oberflächenqualität, geringeren Kristallisationsgrad oder Verzug bei teilkristallinen Thermoplasten verursachen. Diese Risiken müssen durch experimentelle Prüfungen wie Warmlagerungstests oder direkte Bauteilprüfungen abgesichert werden. In der Praxis ermöglicht die kontrollierte Absenkung der Werkzeug- und Schmelzetemperatur eine deutliche Senkung des Energiebedarfs, ohne die Bauteilqualität wesentlich zu beeinträchtigen.

Materialeinsatz

Eine Kunststoffgerechte Konstruktion ist entscheidend, um beim Spritzgießen den Materialeinsatz zu reduzieren und gleichzeitig die Bauteilqualität sicherzustellen. Die Wandstärken sollten möglichst gering und gleichmäßig ausgelegt sein, da überdimensionierte oder stark variierende Wanddicken nicht nur den Materialverbrauch erhöhen, sondern auch zu längeren Kühlzeiten und höherem Verzug führen. Kurze und gleichmäßige Fließwege begünstigen eine vollständige Formfüllung mit weniger Einspritzdruck und erlauben dadurch die Auslegung kleinerer Angüsse und Anschnitte, was wiederum Material spart. Eine gezielte Entlüftung der Kavität verhindert Lufteinschlüsse, die sonst Ausschuss oder größere Angussquerschnitte erforderlich machen würden. Auch die Gestaltung von Anguss und Anschnitt spielt eine wesentliche Rolle: Sie müssen so dimensioniert werden, dass die Kavität sicher gefüllt wird, dürfen aber nicht überproportioniert sein, um unnötigen Angussabfall zu vermeiden. Durch die Kombination schlanker Wandstärken, optimierter Fließwege und effizienter Entlüftung lässt sich der Materialeinsatz deutlich senken, ohne die Funktionalität oder Stabilität der Bauteile einzuschränken. Damit trägt eine konstruktive Anpassung nicht nur zur Ressourcenschonung, sondern auch zu kürzeren Zykluszeiten und geringerem Energiebedarf bei.

Rezyklat-Einsatz: Rezyklat ist der Überbegriff für Regenerate und Mahlgut. Es bezeichnet den Kunststoff, der aus Recyclingprozessen stammt und nach entsprechender Aufbereitung wieder als Rohstoff für die Herstellung neuer Kunststoffprodukte eingesetzt werden kann. Es handelt sich dabei um ein fertiges Produkt des Recyclings, das oft in Granulatform vorliegt und standardisierte Eigenschaften besitzt. Regenerat ist eine spezielle Form des Rezyklats, das zusätzlich veredelt wurde, um eine höhere Qualität zu erreichen. Dabei werden z. B. Additive hinzugefügt oder das Material wird entschichtet und gereinigt, um die ursprünglichen Eigenschaften des Kunststoffs weitgehend wiederherzustellen. Es wird bevorzugt eingesetzt, wenn hohe Qualitätsanforderungen an das Endprodukt gestellt werden. Mahlgut bezeichnet Kunststoffreste, die mechanisch zerkleinert wurden, z.B. durch Schreddern oder Mahlen, und meist direkt aus Produktionsabfällen stammen. Es handelt sich um eine Vorstufe im Recyclingprozess, die noch keine weitere Verarbeitung oder Veredelung erfahren hat. Mahlgut wird häufig wieder in den Produktionsprozess eingespeist oder weiter aufbereitet, z. B. durch Regranulierung.

Die REACH-Verordnung regelt die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Wenn geschredderte Materialien potenziell gefährliche Stoffe enthalten, könnte dies ihre Wiederverwendung einschränken. Die Abfallrahmenrichtlinie (2008/98/EG) fordert eine Förderung der Kreislaufwirtschaft und gibt vor, dass recycelte Materialien sicher und ohne negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt wiederverwendet werden können. Nach der Produktsicherheitsrichtlinie (2001/95/EG) müssen Produkte, die recyceltes Material enthalten, sicher für Verbraucher sein. Die Überprüfung der Einhaltung von REACH, Abfallrahmenrichtlinie und Produktsicherheitsrichtlinie erfolgt durch ein Zusammenspiel von Herstellern, Recyclingunternehmen, Behörden und Zertifizierungsstellen. Grundsätzlich liegt die Verantwortung zunächst bei den Herstellern und Inverkehrbringern von Rezyklaten: Sie müssen sicherstellen, dass die enthaltenen Stoffe bekannt sind, die rechtlichen Vorgaben eingehalten werden und die Produkte keine Gefahren für Mensch oder Umwelt bergen. Dies geschieht in der Praxis über Materialanalysen wie Spektroskopie, Chromatographie oder standardisierte Schadstofftests, mit denen z. B. Schwermetalle, Flammschutzmittel oder Weichmacher nachgewiesen werden können. Recyclingunternehmen führen dazu eigene Eingangskontrollen und Chargenprüfungen durch und dokumentieren die Ergebnisse in Form von Prüfberichten und Sicherheitsdatenblättern. Ergänzend können unabhängige Prüfinstitute oder akkreditierte Laboratorien beauftragt werden, um die Einhaltung der Grenzwerte neutral zu bestätigen. Die Zertifizierung selbst läuft meist über standardisierte Verfahren ab, bei denen nach internationalen Normen wie ISO 9001 (Qualitätsmanagement) oder ISO 14001 (Umweltmanagement) auditiert wird; zusätzlich existieren spezielle Gütesiegel wie EuCertPlast für Kunststoffrezyklate. Dabei werden Prozessschritte wie Sammlung, Sortierung, Reinigung und Regranulierung überprüft, ebenso die Rückverfolgbarkeit der Chargen. Nationale Behörden wie die ECHA in der EU oder Marktaufsichtsbehörden in den Mitgliedstaaten kontrollieren stichprobenartig oder im Rahmen von Inspektionen, ob die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Für Hersteller bedeutet dies, dass sie nicht nur die Prüfungen durchführen, sondern auch die lückenlose Dokumentation sicherstellen müssen, da diese bei Audits oder Behördenkontrollen entscheidend ist. Auf diese Weise entsteht ein mehrstufiges Kontrollsystem aus Eigenverantwortung, unabhängigen Prüfungen und staatlicher Marktaufsicht, das die Sicherheit von Rezyklaten im Umlauf gewährleisten soll.

Die Kompatibilität von Kunststoffrezyklaten mit Virgin-Materialien ist ein zentrales Thema in der Kreislaufwirtschaft, da sie maßgeblich über die Qualität und die Einsatzfähigkeit von Endprodukten entscheidet. Grundsätzlich unterscheiden sich Rezyklate von Neumaterial durch eine oft breitere Eigenschaftsverteilung, da sie aus unterschiedlich zusammengesetzten Abfallströmen stammen können und während Nutzung und Recyclingprozessen thermische und mechanische Belastungen erfahren haben. Dies führt in vielen Fällen zu einem reduzierten Molekulargewicht, veränderten Additivgehalten oder einer erhöhten Kontamination mit Fremdpolymeren, die sich negativ auf die Homogenität und die Verarbeitungseigenschaften auswirken können. Während Virgin-Material definierte, enge Toleranzen bei Schmelzflussindex, Dichte oder mechanischen Kennwerten aufweist, zeigen Rezyklate häufig Chargenschwankungen, die zu variabler Fließfähigkeit, unterschiedlichen Kristallisationsverhalten oder ungleichmäßigen Färbungen führen. Bei der Verarbeitung im Spritzgießen oder Extrudieren äußert sich dies z. B. in instabilen Prozessfenstern, höheren Schwankungen von Einspritzdruck und Zykluszeit oder einer geringeren Reproduzierbarkeit der Bauteilqualität. Kompatibilisatoren, gezielte Additivierung oder eine Co-Verarbeitung mit Virgin-Material in Blends können diese Unterschiede ausgleichen, indem sie die Mischbarkeit verbessern, die mechanische Performance stabilisieren und die Prozesssicherheit erhöhen. Dennoch bleibt der Einsatz von Rezyklaten in anspruchsvollen Anwendungen oft begrenzt, da die Schwankungsbreite größer ist und dadurch das Risiko von Ausschuss oder Qualitätsabweichungen steigt. Für weniger sicherheitskritische Bauteile, Verpackungen oder technische Produkte mit toleranteren Spezifikationen können Rezyklate jedoch problemlos in signifikanten Anteilen eingesetzt werden, wobei die Beimischung von Virgin-Material gezielt zur Stabilisierung genutzt wird. Entscheidend ist daher ein sorgfältiges Chargen-Management mit kontinuierlicher Werkstoff- und Bauteilprüfung, um die Kompatibilität sicherzustellen und die Schwankungen zu kontrollieren. Auf diese Weise lassen sich Rezyklate in zunehmend breiteren Anwendungsfeldern einsetzen, ohne die Prozessstabilität oder die Produktqualität wesentlich zu beeinträchtigen.

Qualitätsmanagement

Qualitätsmanagement in der Kunststofftechnik umfasst die systematische Planung, Überwachung und Verbesserung von Produktionsprozessen, um die Konsistenz und Qualität der Endprodukte sicherzustellen. Es beinhaltet Verfahren zur Fehlererkennung und -prävention sowie zur Optimierung der Ressourceneffizienz. Im Kontext der Nachhaltigkeit zielt es darauf ab, den Materialeinsatz zu minimieren, Ausschuss zu reduzieren und die Umweltverträglichkeit der Produktionskette zu verbessern. Qualitätsmanagementsysteme wie ISO 9001 setzen Standards, um Prozesse transparent und nachhaltig zu gestalten.

Eingangskontrolle
Schematischer Ablauf einer Wareneingangskontrolle
Ablauf einer Wareneingangskontrolle.

Die Eingangskontrolle bezieht sich auf die Überprüfung und Analyse von extern gelieferten Materialien, die in den unternehmensinternen Produktionsprozess gelangen. Sie stellt sicher, dass nur Kunststoffe verwendet werden, die den spezifizierten Qualitätsstandards, Lieferbedingungen sowie Normen und Richtlinien entsprechen, um Produktionsfehler und Materialverluste zu vermeiden. Diese Kontrolle umfasst Tests auf physikalische, chemische und funktionale Eigenschaften sowie die Prüfung auf Verunreinigungen oder Schäden. Im Sinne der Nachhaltigkeit trägt eine effiziente Eingangskontrolle dazu bei, Ressourcen zu schonen und die Abfallmenge zu minimieren. Sie bildet eine Grundlage für die Qualitätssicherung und einen stabilen Fertigungsprozess.

Werkstoff- und Bauteilprüfung

Die Werkstoff- und Bauteilprüfung umfasst Verfahren zur Bewertung der anwendungsspezifischen Eigenschaften von Werkstoffen und Bauteilen. Häufig wird davon die Materialanalytik unterschieden, die der Quantifizierung der intrinsischen, d.h. anwendungsunabhängigen, Zusammensetzung und Struktur des Materials dient. Diese drei Kategorien umfassen eine Vielzahl messtechnischer Prüfverfahren zur Kontrolle technischer Anforderungen und Spezifikationen. Im Kontext der Nachhaltigkeit helfen sie, die Zuverlässigkeit und Langlebigkeit von Produkten zu gewährleisten und somit Materialverschwendung und vorzeitigen Austausch zu reduzieren. Eine umfassende Werkstoff- und Bauteilprüfung trägt zur Produktqualität und zur Einhaltung von Umweltstandards bei. Verfahren der Werkstoffprüfung und der Materialanalytik werden darüber hinaus in der Untersuchung von Rezyklaten, etwa zum Nachweis von Schadstoffen oder Quantifizierung von Eigenschaftsänderungen verwendet.

Prüfverfahren

Wortwolke: Übersicht über ausgewählte Prüfverfahren
Übersicht über ausgewählte Prüfverfahren zur Messung der Zusammensetzung, Struktur und Eigenschaften, geordnet nach ihrer tendenziellen Zuordnung zur Materialanalytik (links) und Werkstoffprüfung (rechts).

Prüfverfahren sind standardisierte Methoden zur Bewertung der Eigenschaften und der Leistungsfähigkeit von Materialien und Bauteilen in der Kunststofftechnik. Sie umfassen mechanische Tests wie Zug-, Biege- und Kerbschlagprüfungen, thermische Analysen wie Dynamische Differenzkalorimetrie (DSC) und Thermogravimetrische Analyse (TGA) sowie chemische Prüfungen wie z.B. Infrarotspektroskopie. Diese Verfahren helfen, die Qualität und Sicherheit von Werkstoffen und Produkten sicherzustellen und deren Eignung für spezifische Anwendungen zu verifizieren. Prüfverfahren ermöglichen die Optimierung von Materialeinsatz und Recyclingfähigkeit, indem sie sicherstellen, dass Werkstoffe den Anforderungen genügen und langlebig sind. Effiziente Prüfmethoden tragen zur Reduzierung von Ausschuss und Ressourcenverbrauch bei. Einige wichtige Begriffe lassen sich in diesem Kontext wie folgt definieren:

Materialanalytik ist die Messung der Zusammensetzung oder Struktur des Materials unabhängig von der Anwendung und Geometrie.

Prüfung ist der Prozess zur Bewertung der Qualität, der Eigenschaften oder der Leistung eines Werkstoffs oder eines Bauteils anhand spezifischer Kriterien. Eine Prüfung kann z.B. eine Eigenschaftsmessung, eine Sichtprüfung, eine Lehrenprüfung oder eine Funktionsprüfung sein.

Werkstoffprüfung ist die systematische Untersuchung von Werkstoffen auf ihre intrinsischen physikalischen, chemischen, mechanischen oder technologischen Eigenschaften, um ihre Eignung für bestimmte Anwendungen zu bewerten und ihre Qualität zu sichern. Die Eigenschaften emergieren aus der Struktur und Zusammensetzung des Werkstoffs. Sie kann in allen Stufen der Fertigung, d.h. auch am Bauteil, zum Einsatz kommen.

Bauteilprüfung dient der Bestimmung bauteilspezifischer Eigenschaften (gesetzliche Vorschriften, Lastenheft, Endkontrolle vor Auslieferung etc.) mit z.T. sehr spezifischen Prüfverfahren. Es können auch Verfahren der Werkstoffprüfung zum Einsatz kommen, diese finden aber per Definition am Bauteil statt.

Prüfkörper sind erforderlich, wenn (z.B. mechanische) Prüfungen nicht geometrieunabhängig am reinen Werkstoff durchführbar sind. Die Messergebnisse sind dann zusätzlich zu anderen Einflussgrößen abhängig von der Herstellung und Geometrie der Prüfkörper.

Prüfbedingungen sind die festgelegten Umstände und Parameter (wie Temperatur, Druck, Feuchtigkeit und Belastung), unter denen Werkstoff- und Bauteilprüfungen durchgeführt werden, um konsistente und vergleichbare Ergebnisse zu gewährleisten. Diese können z.B. die mechanischen, thermischen oder chemischen Beanspruchungen im Einsatz auch zeitabhängig simulieren.

Lehren dienen der Prüfung, nicht der Messung, d.h. sie erfasst keine Zahlwerte. Sie verkörpern den Sollzustand des zu prüfenden physischen Maßes oder der Form, der mit dem Istzustand eines Bauteils verglichen wird. Sie bergen weniger Fehlerquellen als Messungen, sind häufig bauteilspezifisch und liefern i.d.R. eine eindeutige Aussage (Gutteil oder Ausschuss).

Toleranzen sind die zulässigen Abweichungen von Maßen oder Eigenschaften von einem definierten Sollzustand eines Werkstoffs oder Bauteils (Differenz zwischen Soll- und Istmaß), innerhalb derer er/es den Anforderungen oder Normen als konform und funktionsfähig gilt.

Chargen-Tracking

Chargen-Tracking bezeichnet die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Material- und Produktchargen entlang der gesamten Liefer- und Produktionskette. In der Kunststofftechnik ermöglicht es die Verfolgung der Herkunft, Zusammensetzung und Verarbeitungsdetails einer Charge, was im Falle von Qualitätsmängeln oder Rückrufen entscheidend ist. Dieses Tracking unterstützt die Einhaltung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards und verbessert die Transparenz im Produktionsprozess. Im Rahmen der Nachhaltigkeit hilft Chargen-Tracking, Ressourcen effizienter zu nutzen, indem es eine gezielte Identifikation fehlerhafter Chargen erlaubt und somit Materialverluste und Abfälle minimiert. Es ist ein zentrales Element eines umfassenden Qualitäts- und Risikomanagements. Beim Recycling ermöglicht Chargen-Tracking die lückenlose Rückverfolgung von Materialströmen und die Identifikation der Herkunft und Zusammensetzung von recycelten Kunststoffen. Dies hilft, die Qualität und Konsistenz des Rezyklats zu gewährleisten, da spezifische Chargen auf mögliche Verunreinigungen oder Unterschiede überprüft werden können. Es erleichtert zudem die Einhaltung von gesetzlichen Anforderungen und Zertifizierungsstandards, indem Transparenz im gesamten Recyclingprozess sichergestellt wird. Durch die präzise Rückverfolgung können Recyclingprozesse effizienter gestaltet und Ressourcenverluste minimiert werden.

Prozessüberwachung

Prozessüberwachung bezeichnet die kontinuierliche Kontrolle und Analyse von Produktionsprozessen, um die Einhaltung festgelegter Parameter und Qualitätsstandards sicherzustellen. In der Kunststofftechnik umfasst dies die Überwachung von Temperatur, Druck, Zeit und anderen kritischen Prozessvariablen während der Verarbeitung. Moderne Systeme nutzen oft Sensoren und digitale Technologien, um Echtzeitdaten zu erfassen und Abweichungen sofort zu erkennen. Dies trägt zur Stabilität und Effizienz des Produktionsprozesses bei und hilft, Ausschuss zu reduzieren und Ressourcen zu schonen. Im nachhaltigen Kontext verbessert eine effektive Prozessüberwachung die Energieeffizienz und minimiert den Materialverbrauch, wodurch die Umweltbelastung verringert wird.

Optische Inspektion
Die optische Inspektion ist ein Prüfverfahren zur visuellen Überprüfung von Materialien und Produkten, häufig unterstützt durch Kamerasysteme und Bildverarbeitungstechnologien. In der Kunststofftechnik wird sie eingesetzt, um Oberflächenfehler, Maßabweichungen oder Unregelmäßigkeiten wie Einschlüsse und Verfärbungen zu erkennen. Automatisierte optische Inspektionssysteme ermöglichen eine schnelle und präzise Kontrolle großer Stückzahlen, wodurch manuelle Fehler minimiert werden. Diese Methode trägt zur Qualitätssicherung bei und reduziert den Ausschuss, indem fehlerhafte Teile frühzeitig aussortiert werden. Im Kontext der Nachhaltigkeit unterstützt die optische Inspektion ressourcenschonende Produktionsprozesse, indem sie die Effizienz und die Produktqualität verbessert.
Werkzeug- und Maschinenzustand

Der Werkzeug- und Maschinenzustand bezieht sich auf den technischen Zustand der in der Kunststoffverarbeitung eingesetzten Geräte und Werkzeuge. Ein optimaler Zustand ist entscheidend für die Stabilität des Produktionsprozesses, die Produktqualität und die Effizienz. Regelmäßige Inspektionen und Wartungen helfen, Verschleiß und Defekte frühzeitig zu erkennen und Ausfallzeiten sowie Ausschuss zu minimieren. Ein gut gepflegter Maschinenpark trägt zur Energieeffizienz bei und verlängert die Lebensdauer der Geräte, was zur Reduktion von Ressourcenverbrauch und Abfall führt. Im nachhaltigen Kontext unterstützt ein proaktives Management des Maschinenzustands eine umweltschonende und ressourceneffiziente Produktion.

Vollprüfung

Die Vollprüfung bezeichnet die umfassende Überprüfung aller produzierten Teile oder Produkte einer Charge, im Gegensatz zu stichprobenartigen Kontrollen. In der Kunststofftechnik wird sie angewendet, um eine hundertprozentige Qualitätskontrolle sicherzustellen, insbesondere bei sicherheitskritischen oder hochpräzisen Bauteilen. Diese Methode erfordert häufig den Einsatz automatisierter Prüf- und Messtechnologien, um eine schnelle und effiziente Durchführung zu gewährleisten. Eine Vollprüfung minimiert das Risiko, fehlerhafte Produkte an Kunden auszuliefern, und erhöht die Zuverlässigkeit der Produktionskette. Im Kontext der Nachhaltigkeit trägt sie dazu bei, Materialverluste zu verringern, indem Ausschuss durch präzise Fehlererkennung und -vermeidung reduziert wird.

Automatische Qualitätsüberwachung

Die automatische Qualitätsüberwachung umfasst den Einsatz von Sensoren, Kameras und anderen Messgeräten zur kontinuierlichen und selbstständigen Überwachung von Produktionsprozessen in der Kunststofftechnik. Sie ermöglicht die Echtzeiterfassung von Daten und die sofortige Erkennung von Abweichungen oder Fehlern, was eine schnelle Reaktion und Korrektur erlaubt. Diese Technologie reduziert den Bedarf an manuellen Kontrollen, verbessert die Effizienz und trägt zu einer konstanten Produktqualität bei. Im Rahmen der Nachhaltigkeit hilft die automatische Qualitätsüberwachung, Ausschuss zu minimieren, Ressourcen effizienter zu nutzen und den Energieverbrauch durch optimierte Prozesse zu senken. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil moderner, datengetriebener Fertigungssysteme.

Lieferkette

Die Lieferkette umfasst alle Stufen und Akteure, die an der Produktion und Lieferung eines Produkts beteiligt sind, von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung bis hin zur Auslieferung an den Endkunden. In der Kunststofftechnik spielt die Lieferkette eine entscheidende Rolle für die Materialbeschaffung, Produktionsplanung und Distribution. Transparente und effiziente Lieferketten helfen, Qualität und Nachhaltigkeit zu sichern, indem sie die Rückverfolgbarkeit von Materialien und die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards ermöglichen. Herausforderungen wie Engpässe oder Qualitätsprobleme in der Lieferkette können die Produktionsstabilität beeinträchtigen. Eine nachhaltige Gestaltung der Lieferkette berücksichtigt ökologische und soziale Aspekte und zielt darauf ab, den CO₂-Fußabdruck zu minimieren und die Ressourceneffizienz zu steigern. Wichtige Begriffe entlang der Lieferkette lassen sich wie folgt definieren:

Materialien ist in der Fertigungstechnik ein Sammelbegriff für alles, was zur Herstellung eines Zwischen- oder Endproduktes verwendet wird und in dieses Produkt eingeht oder verbraucht wird. Das Material umfasst gegebenenfalls Rohstoffe, Werkstoffe, Halbzeuge, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe, Bauteile und Baugruppen.

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen, die bis auf die Förderung aus ihrer natürlichen Quelle noch keine Bearbeitung erfahren haben. Sie werden aus der Natur entnommen und entweder direkt konsumiert oder als Ausgangsmaterialien weiterverarbeitet.

Werkstoffe sind Materialien, die in Produktionsprozessen zu Werkstücken (i.d.R. Halbzeuge oder Bauteile) verarbeitet werden.

Halbzeug ist der Oberbegriff für vorgefertigte Materialformen wie beispielsweise Bleche, Stangen oder Rohre. Sie stellen die mit Abstand verbreitetste Lieferform für Metallwerkstoffe dar.

Bauteil/Komponente ist ein Einzelteil eines technischen Komplexes, z.B. einer Maschine, das i.d.R. einen Beitrag zur Funktion leistet oder ggf. rein dekorativ ist (Definition variiert nach Branche).

Baugruppe ist ein Bauteil oder Produkt, das sich aus mehreren einzelnen Bauteilen zusammensetzt.

Dokumentation

Die Dokumentation umfasst die systematische Erfassung und Speicherung aller relevanten Informationen und Prozessdaten während der Herstellung von Kunststoffprodukten. Sie dient dazu, die Nachvollziehbarkeit der Produktionsschritte zu gewährleisten und ermöglicht es, bei Bedarf auf genaue Aufzeichnungen zur Qualitätssicherung oder zur Fehleranalyse zurückzugreifen. Eine lückenlose Dokumentation unterstützt die Einhaltung von Normen und gesetzlichen Vorgaben, indem sie eine transparente Übersicht über den gesamten Produktionsprozess bietet. Im Kontext der Nachhaltigkeit hilft sie, Optimierungspotenziale zu identifizieren, Ressourceneinsparungen umzusetzen und die Effizienz zu steigern. Zudem ist sie ein wichtiger Baustein für die Zertifizierung und Auditierung von Produktionsprozessen.

Prozessfähigkeit

Prozessfähigkeit beschreibt die Fähigkeit eines Produktionsprozesses, gleichbleibend Produkte innerhalb definierter Toleranzen und Spezifikationen zu fertigen. Sie wird durch statistische Kennzahlen wie den Prozessfähigkeitsindex bewertet, der zeigt, wie stabil und präzise ein Prozess im Vergleich zu den vorgegebenen Anforderungen ist. In der Kunststofftechnik ist eine hohe Prozessfähigkeit entscheidend, um Ausschuss zu minimieren und die Effizienz zu maximieren. Eine gute Prozessfähigkeit trägt zur Reduzierung von Ressourcenverbrauch und Kosten bei, da weniger Nacharbeit und Materialverluste anfallen. Im Kontext der Nachhaltigkeit fördert sie eine umweltfreundlichere Produktion durch optimale Nutzung von Energie und Rohstoffen. Sie kann jedoch beeinträchtigt werden durch den Einsatz von Rezyklaten, die stärkeren Chargenschwankungen als Neumaterial ausgesetzt sind.

Kontrollkarten

Kontrollkarten sind statistische Werkzeuge zur Überwachung von Prozessen und dienen der frühzeitigen Erkennung von Abweichungen in der Produktion. In der Kunststofftechnik ermöglichen sie es, Prozessdaten wie Maße, Temperaturen oder Drücke kontinuierlich zu verfolgen und grafisch darzustellen, um Trends und Unregelmäßigkeiten zu identifizieren. Mithilfe von Ober- und Untergrenzwerten zeigen Kontrollkarten an, ob ein Prozess stabil ist oder ein Eingreifen erforderlich ist, um Fehler und Ausschuss zu vermeiden. Sie sind ein zentrales Element des statistischen Prozesskontrollsystems, das zur Verbesserung der Prozessfähigkeit beiträgt. Kontrollkarten fördern eine nachhaltige Produktion, indem sie helfen, Ausschuss und Materialverschwendung durch präventive Maßnahmen zu minimieren.

Stichproben

Stichproben sind eine Methode der Qualitätskontrolle, bei der eine kleine Teilmenge des Werkstoffs oder von Produkten aus einer Charge entnommen und geprüft wird, um Rückschlüsse auf die gesamte Produktion zu ziehen. In der Kunststofftechnik helfen Stichproben, die Einhaltung von Spezifikationen zu überwachen, ohne jedes einzelne Produkt zu prüfen, was Zeit und Kosten spart. Diese Methode basiert auf statistischen Prinzipien und ermöglicht es, mit definierten Wahrscheinlichkeiten Aussagen über die Qualität der gesamten Charge zu treffen. Im Kontext der Prozessfähigkeit tragen Stichproben dazu bei, Trends zu erkennen und Prozesse anzupassen, um die Produktqualität zu gewährleisten. Nachhaltig eingesetzt, helfen sie, Ressourcen zu schonen, indem sie effiziente Kontrollen ermöglichen und unnötige Ausschussproduktion vermeiden.

Produktionsabfälle

Produktionsabfälle entstehen in der Kunststoffverarbeitung durch überschüssiges Material, fehlerhafte Teile, Ausschuss und Reste. Sie stellen nicht nur wirtschaftliche Verluste dar, sondern belasten auch die Umwelt durch erhöhten Rohstoff- und Energieverbrauch. Maßnahmen zur Reduzierung von Produktionsabfällen umfassen Prozessoptimierung, Technologien zur Fehlervermeidung und die Wiederverwertung von Materialresten innerhalb der Produktion. Ein effizientes Abfallmanagement trägt zur Ressourcenschonung und zu einem nachhaltigeren Produktionsprozess bei. Durch Recycling und Upcycling von Abfällen kann der Materialkreislauf geschlossen und die Umweltbelastung reduziert werden. Produktionsabfälle sind für das Recycling besonders geeignet, da ihre Zusammensetzung und Eigenschaften genau dokumentiert sind, was eine effiziente Wiederverwertung ermöglicht. Diese Abfälle sind in der Regel homogener als Post-Consumer-Abfälle, die stärker verunreinigt sind und eine aufwendigere Sortierung erfordern. Produktionsabfälle unterliegen weniger strengen Zertifizierungsvorschriften, da sie oft den Anforderungen der EU-Verordnung 2019/1009 für Nebenprodukte entsprechen. Im Gegensatz dazu müssen Post-Consumer-Abfälle umfassendere Prüfungen nach der EU-Abfallrahmenrichtlinie 2008/98/EG durchlaufen, um ihre Sicherheit und Recyclingfähigkeit zu bestätigen.

Ausschuss

Ausschuss bezeichnet fehlerhafte oder unbrauchbare Produkte, die während des Produktionsprozesses entstehen und die festgelegten Qualitätsstandards nicht erfüllen. In der Kunststoffverarbeitung kann Ausschuss z.B. durch Materialfehler, Prozessunstabilitäten oder Maschinenausfälle verursacht werden. Ein hoher Ausschussanteil führt zu erhöhtem Material- und Energieverbrauch sowie zu zusätzlichen Kosten für die Entsorgung oder Wiederaufbereitung. Maßnahmen zur Reduzierung von Ausschuss umfassen u.a. Prozessoptimierung, regelmäßige Maschinenwartung und Qualitätsmanagementsysteme. Die Minimierung von Ausschuss trägt zur Nachhaltigkeit bei, indem sie den Ressourcenverbrauch senkt und die Effizienz der Produktion steigert.

Angüsse und Anschnitte

Angüsse und Anschnitte dienen beim Spritzgießen von Kunststoffteilen der Verteilung der Kunststoffschmelze im Spritzgießwerkzeug. Sie werden zusammen mit dem fertigen Bauteil entformt und anschließend von diesem abgetrennt. Sie sind unvermeidbar beim Spritzgießens, gelten jedoch als Produktionsabfall, der recycelt oder entsorgt werden muss. In der Kunststoffverarbeitung wird angestrebt, die Größe und das Volumen der Angüsse und Anschnitte zu optimieren, um Materialverluste zu minimieren. Durch den Einsatz spezieller Anguss- und Werkzeugtechnologien kann der Materialverbrauch reduziert und die Recyclingfähigkeit verbessert werden. Ein effizientes Management dieser Abfallströme trägt zu einem nachhaltigeren Produktionsprozess bei, indem Rohstoffe besser genutzt und Abfälle minimiert werden.

Verschnitt und Grat

Verschnitt und Grat sind unerwünschte Materialreste, die bei der Verarbeitung von Kunststoffen entstehen. Verschnitt bezeichnet überschüssiges Material, das bei der Formgebung oder beim Zuschneiden von Kunststoffteilen anfällt, während Grat als dünner, meist unerwünschter Materialüberstand an den Kanten oder Nahtstellen von Bauteilen entsteht. Diese Abfälle entstehen z.B. durch ungenaue Werkzeugführung, Materialüberschuss oder ungenügende Anpassung der Produktionsparameter. Maßnahmen zur Reduktion von Verschnitt und Grat beinhalten präzise Werkzeugkonstruktion, optimierte Schneideprozesse und regelmäßige Wartung der Maschinen. Durch deren Minimierung wird nicht nur Material gespart, sondern auch der Produktionsprozess nachhaltiger gestaltet, indem Abfälle verringert und Ressourcen effizienter eingesetzt werden.

Reststücke

Reststücke sind Produktionsabfälle, die nach dem Zuschnitt oder der Bearbeitung von Kunststoffplatten, -bahnen oder anderen Halbzeugen zurückbleiben. Sie entstehen auch bei der Herstellung von Bauteilen mit komplexen Formen, wenn das Ausgangsmaterial nicht vollständig genutzt werden kann. Diese Reststücke gelten als Produktionsabfälle, die entweder entsorgt oder idealerweise recycelt und in den Produktionsprozess zurückgeführt werden. Eine effiziente Planung der Zuschnittmuster und der Einsatz moderner Software zur Materialoptimierung können helfen, die Menge an Reststücken zu minimieren. Die Wiederverwendung oder Weiterverarbeitung von Reststücken trägt zur Ressourcenschonung und zur Nachhaltigkeit des Produktionsprozesses bei.

Reinigungsabfälle

Reinigungsabfälle entstehen bei der Reinigung von Maschinen, Werkzeugen und Produktionsanlagen in der Kunststoffverarbeitung. Diese Abfälle bestehen oft aus Restmaterialien, Reinigungsmitteln und verschmutzten Kunststoffen, die während des Wechsels von Material- oder Farblosen oder zur Entfernung von Ablagerungen und Verunreinigungen anfallen. Solche Abfälle können problematisch sein, da sie teils schwer wiederzuverwerten und schadstoffbelastet sind. Maßnahmen zur Minimierung von Reinigungsabfällen umfassen den Einsatz effizienter Reinigungstechniken, die Reduzierung des Materialwechsels und die Verwendung umweltfreundlicherer Reinigungsmittel. Ein optimiertes Reinigungsmanagement hilft, Abfälle zu reduzieren, die Umweltbelastung zu verringern und die Nachhaltigkeit der Produktion zu fördern.

Anfahrmaterial

Anfahrmaterial ist das Material, das bei der Inbetriebnahme oder beim Hochfahren von Produktionsanlagen in der Kunststoffverarbeitung anfällt, bevor stabile bzw. stationäre Produktionsbedingungen erreicht sind. Anfahrmaterial kann erheblich zur Menge des Produktionsabfalls beitragen, insbesondere bei häufigen Produktwechseln oder komplexen Startvorgängen. Um die Menge des Anfahrmaterials zu minimieren, können Reinigungsgranulate, optimierte Prozessanlaufstrategien, automatisierte Steuerungssysteme und Schulungen des Personals eingesetzt werden. Die Reduktion von Anfahrmaterial trägt zur Ressourcenschonung und Effizienzsteigerung bei und unterstützt eine nachhaltigere Produktionsweise.

Externes Recycling

Externes (i.d.R. werkstoffliches) Recycling bezeichnet die Rückführung von Kunststoffabfällen in den Materialkreislauf durch externe Recyclingunternehmen oder spezialisierte Anlagen außerhalb des eigenen Unternehmens. Dabei werden Produktionsabfälle, Ausschussteile oder gebrauchte Kunststoffprodukte gesammelt, sortiert und zu Rezyklaten verarbeitet, die als Rohmaterial für neue Produkte verwendet werden können. Externes Recycling ist eine wichtige Komponente der Circular Economy, da es die Abfallmenge reduziert und die Abhängigkeit von neuem, fossilem Rohmaterial senkt. Es erfordert jedoch eine effiziente Logistik und eine gute Qualität der gesammelten Kunststoffe, um die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Durch externes Recycling wird die Umweltbelastung verringert und der Ressourcenverbrauch gesenkt, was zur Förderung einer nachhaltigen Kunststoffindustrie beiträgt. Externes Recycling unterliegt strengeren regulatorischen Anforderungen als internes Recycling, insbesondere in Bezug auf die Sammlung, den Transport und die Verarbeitung gemäß der EU-Abfallrahmenrichtlinie 2008/98/EG. Diese Richtlinie fordert von externen Recyclingbetrieben die Einhaltung spezifischer Standards zur Rückverfolgbarkeit und Dokumentation, um die Qualität und Sicherheit der Rezyklate zu gewährleisten. Im Gegensatz dazu ist unternehmensinternes Recycling meist weniger streng reguliert, da es innerhalb der Produktionskette bleibt und häufig unter die EU-Verordnung 2019/1009 für Nebenprodukte fällt. Externe Recyclingprozesse müssen zudem vermehrt die Vorgaben der EU-Verpackungsrichtlinie 94/62/EG einhalten, um die Wiederverwertung und Reduzierung von Verpackungsabfällen zu fördern.

Sammlung

Die Sammlung ist der erste Schritt im werkstofflichen Recyclingprozess und umfasst das Einsammeln von Kunststoffabfällen aus verschiedenen Quellen wie Industrieproduktion, Haushalten oder Gewerbebetrieben. Eine effiziente Sammlung ist entscheidend für die Qualität und Quantität des recycelbaren Materials. Sie kann durch manuelle oder automatisierte Systeme erfolgen und erfordert häufig eine Sortierung, um verschiedene Kunststoffarten und -qualitäten zu trennen. Eine gut organisierte Sammlung verbessert die Ausbeute an hochwertigem Recyclingmaterial und unterstützt die Wirtschaftlichkeit des gesamten Recyclingprozesses.

Sortierung und Trennung

Sortierung und Trennung sind zentrale Schritte im werkstofflichen Recyclingprozess, bei denen Kunststoffabfälle nach Polymertypen, Farben und/oder Reinheit getrennt werden. Diese Prozesse können manuell oder mithilfe automatisierter Technologien wie Infrarotsensoren, optischen Systemen und Dichtesortieranlagen durchgeführt werden. Vorsortierung durch Mülltrennung und Pfandsysteme spielt eine entscheidende Rolle, um die geforderte Sortenreinheit zu gewährleisten – eine Voraussetzung gemäß der EU-Abfallrahmenrichtlinie 2008/98/EG und der EU-Verpackungsrichtlinie 94/62/EG. Eine präzise Sortierung erhöht die Qualität der Rezyklate und verbessert ihre Wiederverwertbarkeit in neuen Produkten, während unsauber getrennte Materialien die Effizienz und Qualität des Recyclingprozesses mindern können.

Reinigung

Die Reinigung ist ein wichtiger Schritt im werkstofflichen Recyclingprozess, bei dem Kunststoffabfälle von Verunreinigungen wie Schmutz, Etiketten oder Kleberesten sowie Fremd- und Schadstoffen befreit werden. Dieser Prozess kann mechanisch, chemisch oder thermisch erfolgen und umfasst in der Regel Waschvorgänge mit Wasser und Reinigungsmitteln, ggf. ergänzt durch Vorbehandlungsschritte und anschließende Trocknung. Eine gründliche Reinigung ist entscheidend, um die Qualität der recycelten Kunststoffe zu gewährleisten und Verunreinigungen im Endprodukt zu vermeiden. Eine effiziente Reinigung verbessert die Eigenschaften des Rezyklats und ermöglicht dessen Verwendung in höherwertigen Anwendungen. Nachhaltige Reinigungsverfahren zielen darauf ab, den Wasser- und Energieverbrauch zu minimieren und die Umweltbelastung zu reduzieren.

Zerkleinerung

Die Zerkleinerung ist ein Schritt im werkstofflichen Recyclingprozess, bei dem Kunststoffabfälle mechanisch in kleinere Partikel oder Flocken zerkleinert werden, um sie für die weitere Verarbeitung vorzubereiten. Dieser Prozess erfolgt in Maschinen wie Schreddern oder Mühlen, die die Kunststoffteile in gleichmäßige Stücke zerlegen. Eine gleichmäßige Zerkleinerung erleichtert die anschließende Reinigung, Sortierung und das Schmelzen der Kunststoffe. Die Größe und Form der zerkleinerten Partikel beeinflussen die Effizienz des Recyclings und die Qualität des resultierenden Rezyklats. Durch eine präzise und energieeffiziente Zerkleinerung kann der Recyclingprozess optimiert werden.

Regranulierung

Die Regranulierung ist der abschließende Schritt im werkstofflichen Recyclingprozess, bei dem die zerkleinerten und gereinigten Kunststoffpartikel durch Ausschmelzen und Extrusion zu neuem Granulat verarbeitet werden. Dieses Granulat kann anschließend als Rohmaterial für die Herstellung neuer Kunststoffprodukte genutzt werden. Der Prozess umfasst das Aufschmelzen des Materials, das Homogenisieren und das Formen zu kleinen, gleichmäßigen Granulatkörnern. Die Qualität des Regranulats hängt von der Reinheit und Homogenität des Ausgangsmaterials ab. Regranulierung ermöglicht es, Recyclingkunststoffe in den Produktionskreislauf zurückzuführen, präzise zu dosieren und so den Verbrauch von Neuware zu reduzieren, was zu einer nachhaltigeren Materialwirtschaft beiträgt.

Logistik und Transport

Logistik und Transport sind entscheidende Aspekte im externen Recyclingprozess, die den effizienten und wirtschaftlichen Fluss von Kunststoffabfällen vom Sammelpunkt über die Recyclinganlagen bis hin zu den Verarbeitern von Regranulaten sicherstellen. Eine gut organisierte Logistik optimiert die Sammlung, den Transport und die Zwischenlagerung der Materialien, um Kosten zu senken und die Umweltbelastung zu minimieren. Dazu gehört der Einsatz von Routenplanung, geeigneten Transportmitteln und möglichst emissionsarmen Verfahren. Effiziente Logistikprozesse reduzieren den ökologischen Fußabdruck des Recyclings und tragen zur Nachhaltigkeit bei, indem sie den Energieverbrauch senken und die Verwertung von recycelten Materialien beschleunigen.

Zertifizierung

Die Zertifizierung eines Recyclingprozesses ist der offizielle Nachweis, dass der Prozess und die daraus resultierenden Produkte bestimmten Standards und Normen entsprechen. Zertifikate belegen, dass Recyclingunternehmen umweltgerechte und qualitätsgesicherte Verfahren anwenden. Diese Zertifizierungen schaffen Vertrauen bei Abnehmern und Endverbrauchern, da sie garantieren, dass recycelte Materialien umweltfreundlich und nachhaltig produziert wurden. Zudem unterstützen sie die Rückverfolgbarkeit und Transparenz entlang der Wertschöpfungskette. Die Einhaltung solcher Standards fördert eine verantwortungsbewusste Circular Economy und stärkt das Bewusstsein für nachhaltige Praktiken in der Kunststoffindustrie. Folgende Institutionen sind an der Zertifizierung nach Richtlinien und Normen beteiligt:

Internationale Organisationen sind unabhängige, globale Gremien, die Standards entwickeln, um die Kompatibilität, Sicherheit und Qualität von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen weltweit zu gewährleisten, z.B. ISO (International Organization for Standardization) und CEN (European Committee for Standardization).

Nationale Normungsinstitute sind für die Entwicklung, Veröffentlichung und Verwaltung von Normen zuständig. Diese Normen haben einen offiziellen Status und werden in Gesetzen und Verordnungen zitiert, z.B. DIN (Deutsches Institut für Normung) in Deutschland und ANSI (American National Standards Institute) in den USA.

Fachgesellschaften sind Organisationen, die sich auf die Förderung spezifischer Fachgebiete konzentrieren. Sie bietet eine Plattform für Austausch von Wissen, veröffentlicht Fachliteratur und entwickeln technische, anwendungsbezogene, i.d.R. nicht bindende Richtlinien, z.B. ASTM International (früher American Society for Testing and Materials) oder VDI (Verein Deutscher Ingenieure).

Nationale Regulierungsbehörden sind staatliche Institutionen, die die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften überwachen. Sie setzen Standards durch, überwachen Märkte, schützen Verbraucherinteressen und gewährleisten fairen Wettbewerb, z.B. BAM (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung) in Deutschland oder FDA (Food and Drug Administration) in den USA.

REACH-Verordnung
Schematische Darstellung der Regulierung von Chemikalien entlang der Lieferkette in der EU nach REACH.
Schematische Darstellung der Regulierung von Chemikalien entlang der Lieferkette in der EU nach REACH.

Die REACH-Verordnung (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) ist eine EU-Verordnung, die den sicheren Umgang mit Chemikalien regelt und deren Risiken für Mensch und Umwelt minimiert. In der Kunststofftechnik betrifft sie die Registrierung und Bewertung von chemischen Stoffen, die in der Produktion und in Kunststoffen verwendet werden. Hersteller und Importeure müssen sicherstellen, dass alle verwendeten Stoffe registriert und ihre Sicherheitsdaten dokumentiert sind. Die Verordnung fördert die Transparenz und den Austausch von Informationen entlang der Lieferkette, um den Einsatz besonders besorgniserregender Stoffe zu reduzieren oder zu ersetzen. REACH trägt dazu bei, die Umweltauswirkungen zu verringern und den Schutz der Gesundheit zu verbessern, indem sichere chemische Verfahren in der Kunststoffindustrie gefördert werden. Hersteller, Importeure und Anwender von Chemikalien sind verantwortlich und haftbar für die Identifizierung und Beherrschung der Risiken, die mit den von ihnen hergestellten oder in Verkehr gebrachten Stoffen verbunden sind. Unternehmen, die Chemikalien in Mengen von mehr als einer Tonne pro Jahr herstellen/importieren, müssen diese bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) registrieren und nachweisen, wie diese Stoffe sicher verwendet werden können (Sicherheitsdatenblatt). Besonders besorgniserregende oder gefährliche Stoffe können auch eingeschränkt oder verboten werden.

Ökobilanz

Die Ökobilanz ist eine umfassende Analyse der Umweltauswirkungen eines Produkts oder Prozesses über seinen gesamten Lebenszyklus, einschließlich des Recyclings. Sie bewertet Faktoren wie den Energie- und Ressourcenverbrauch, die Emissionen und das Abfallaufkommen, um die Umweltbelastung zu quantifizieren. Im Kontext des Kunststoffrecyclings hilft die Ökobilanz, den Nutzen des Recyclings im Vergleich zur Neuproduktion von Kunststoffen zu ermitteln und Optimierungspotenziale zu identifizieren. Eine positive Ökobilanz zeigt, dass der Recyclingprozess im Vergleich zur Herstellung neuer Kunststoffe weniger Ressourcen verbraucht und weniger Emissionen verursacht. Diese Analysen sind entscheidend, um fundierte Entscheidungen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit und Effizienz von Recyclingprozessen zu treffen und die Umweltauswirkungen zu minimieren.

Recyclingquoten und EU-Richtlinien

Recyclingquoten definieren den Anteil von Abfällen, der durch Recycling wiederverwertet wird, und sind zentrale Kennzahlen zur Bewertung der Effektivität von Abfallbewirtschaftungssystemen. In der Europäischen Union regelt die Richtlinie 94/62/EG über Verpackungen und Verpackungsabfälle die Recyclingziele für Mitgliedstaaten. Gemäß der Novelle vom 30. Mai 2018 (Richtlinie EU 2018/852) müssen bis zum 31. Dezember 2025 mindestens 65 Prozent aller Verpackungsabfälle recycelt werden, wobei für Kunststoffe eine Quote von 50 Prozent gilt. Bis zum 31. Dezember 2030 steigen diese Quoten auf 70 Prozent für alle Verpackungen und 55 Prozent für Kunststoffe. Dies bedeutet nicht, dass neu hergestellte Verpackungen 50 Prozent Rezyklat enthalten müssen. Die Verpflichtung liegt primär bei den Mitgliedstaaten der EU. Diese müssen sicherstellen, dass geeignete Sammel-, Sortier- und Recyclinginfrastrukturen vorhanden sind, um die vorgegebenen Recyclingquoten zu erreichen. Allerdings werden Hersteller durch die erweiterte Produzentenverantwortung (EPR, Extended Producer Responsibility) eingebunden. Extended Producer Responsibility (EPR) ist in der EU gesetzlich verankert, insbesondere in der Abfallrahmenrichtlinie (Richtlinie 2008/98/EG) und der Verpackungsrichtlinie (94/62/EG). Mitgliedstaaten sind verpflichtet, EPR-Systeme einzuführen, die Hersteller konkret in die Verantwortung nehmen, z.B. durch Gebühren für Sammlung und Recycling oder Designvorgaben. Diese Vorgaben zielen darauf ab, die Circular Economy zu fördern, Ressourcen zu schonen und die Umweltbelastung durch Abfälle zu reduzieren. Für technische Kunststoffbauteile gibt es derzeit in der EU keine gesetzlich vorgeschriebenen Rezyklatanteile.

Kennzeichnungspflichten

Kennzeichnungspflichten beziehen sich auf gesetzliche Vorgaben, die vorschreiben, dass Produkte und Verpackungen bestimmte Informationen tragen müssen, um ihre Recyclingfähigkeit und die enthaltenen Materialien zu kennzeichnen. In der EU ist dies Teil der Maßnahmen zur Förderung der Circular Economy und umfasst Labels, Symbole oder Codes, die Verbrauchern und Entsorgern eine korrekte Sortierung und Weiterverarbeitung ermöglichen. Für Kunststoffe sind häufig Recyclingcodes (z. B. das Dreieck mit einer Zahl) verpflichtend, die Auskunft über die Kunststoffart geben. Diese Kennzeichnungen erleichtern das Recycling, erhöhen die Transparenz und helfen, die Recyclingquoten zu verbessern. Die Einhaltung der Kennzeichnungspflichten trägt zur nachhaltigen Abfallbewirtschaftung und zur Erfüllung gesetzlicher Anforderungen bei.

Kosten-Nutzen-Analyse

Die Kosten-Nutzen-Analyse im Kontext des externen Recyclings bewertet die wirtschaftlichen Vorteile und Aufwendungen eines Recyclingprozesses im Vergleich zur Neuherstellung von Materialien. Dabei werden Faktoren wie Sammel-, Transport- und Verarbeitungskosten den Einsparungen bei Rohstoffen, Energieverbrauch und potenziellen Umweltauswirkungen gegenübergestellt. Diese Analyse hilft Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern die Wirtschaftlichkeit von Recyclingprogrammen zu beurteilen und Strategien zur Optimierung zu entwickeln. Eine positive Kosten-Nutzen-Bilanz zeigt, dass die ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile die Investitionen in den Recyclingprozess rechtfertigen. Sie unterstützt die Entscheidungsfindung in Richtung einer nachhaltigeren und ressourcenschonenden Circular Economy.

Wasserverbrauch

Der Wasserverbrauch spielt in der Kunststoffproduktion und -verarbeitung eine entscheidende Rolle, da er sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Auswirkungen hat. Er umfasst die direkte Nutzung von Wasser in chemischen Prozessen und der Kühlung sowie indirekte Verbräuche, die durch Energiegewinnung oder Rohstoffgewinnung entstehen. Synthetische Kunststoffe, biobasierte Materialien und Recyclingprozesse unterscheiden sich dabei deutlich in ihren Wasserbedarfen, was durch Faktoren wie Rohstoffherkunft, Produktionsverfahren und regional verfügbare Technologien beeinflusst wird. Nachhaltigkeitsbewertungen wie die Water Footprint Analyse unterteilen den Wasserverbrauch in blaues, grünes und graues Wasser, um die ökologischen Folgen differenziert darzustellen. Während innovative Technologien den Wasserverbrauch in vielen Bereichen senken können, bleibt die Optimierung von Wassernutzungseffizienz ein wichtiger Hebel in der Circular Economy. Im Folgenden werden die wasserbezogenen Herausforderungen und Potenziale der Kunststoffindustrie entlang verschiedener Produktions- und Verwertungspfade beleuchtet:

Synthetische Kunststoffe

Synthetische Kunststoffe sind polymere Materialien, die aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl oder Erdgas durch Kettenpolymerisation, Polykondensation oder Polyaddition hergestellt werden. Ihre Produktion ist wasserintensiv, da Wasser sowohl für die Förderung und Aufbereitung der Rohstoffe als auch für thermische Prozesse und Kühlung in der Polymerisation benötigt wird. Der Wasserverbrauch variiert je nach Kunststofftyp, wobei energieintensive Polymere wie Polycarbonat tendenziell einen höheren Wasserbedarf aufweisen als einfachere Polymere wie Polyethylen. Blaues Wasser (direkte Entnahme) spielt hier eine größere Rolle als grünes Wasser (Regenwasser), da die fossilen Rohstoffe in tiefen Lagerstätten gewonnen werden. Indirekt beeinflusst der hohe Energiebedarf synthetischer Kunststoffe auch den Wasserverbrauch durch die Kühlung in Kraftwerken. Innovative Ansätze wie Kreislaufwassersysteme oder der Einsatz erneuerbarer Energien können den Wasserverbrauch in der Produktionskette reduzieren. Der Vergleich mit Alternativen wie biobasierten Kunststoffen zeigt, dass synthetische Kunststoffe bei einer Lebenszyklusanalyse (Life-Cycle-Assessment) oft durch geringere Landnutzung und damit verbundenen Wasserverbrauch punkten können.

Biobasierte Kunststoffe

Der Wasserverbrauch biobasierter Kunststoffe ist stark von der Rohstoffproduktion abhängig, insbesondere dem Anbau von Pflanzen wie Mais, Zuckerrohr oder stärkehaltigen Kulturen. Wesentliche Faktoren sind die landwirtschaftliche Bewässerung, das Prozesswasser bei der Fermentation und der Polymerisation sowie der regionale Wasserstress. Biokunststoffe wie Polymilchsäure (auch Polylactid, PLA) oder Polyhydroxyalkanoate (PHA) können je nach Rohstoffquelle eine hohe Wassernutzungseffizienz aufweisen, sind jedoch anfällig für negative Umweltauswirkungen bei intensiver Landwirtschaft. Eine vollständige Water Footprint Analyse unterscheidet zwischen grünem, blauem und grauem Wasserverbrauch, wobei der graue Anteil durch Düngemitteleinsatz und Pestizide dominiert wird. Studien zeigen, dass der Wasserverbrauch pro Tonne Biokunststoff mitunter deutlich höher ist als bei fossilen Alternativen, jedoch durch regionale Optimierung reduziert werden kann. Die EU-Richtlinie 2018/851 über Abfallvermeidung fordert eine nachhaltige Produktion biobasierter Materialien, gibt jedoch keine spezifischen Grenzwerte für den Wasserverbrauch vor. Eine Zertifizierung nach ISCC (International Sustainability and Carbon Certification) oder ähnlichen Standards kann Transparenz schaffen, bleibt aber freiwillig. Effiziente Bewässerung und Nutzung von Nebenprodukten sind entscheidend, um die Umweltbilanz zu verbessern.

Wasserverbrauch beim Recycling
Der Wasserverbrauch beim Recycling hängt maßgeblich von der Recyclingmethode und der Verschmutzung des Ausgangsmaterials ab. Mechanisches Recycling benötigt Wasser für Waschen, Trennen und Aufbereiten der Polymere, wobei moderne Kreisläufe zunehmend auf geschlossene Wassersysteme setzen. Chemisches Recycling, etwa durch Depolymerisation oder Pyrolyse, hat oft einen geringeren direkten Wasserbedarf, kann jedoch indirekt Wasser durch energieintensive Prozesse belasten. Besonders problematisch ist der graue Wasserverbrauch, der durch die Reinigung von Schadstoffen im Abwasser entsteht. Europäische Normen wie ISO 14001 fördern Wassereffizienzmaßnahmen. Spezifische Vorgaben für den Wasserverbrauch im Recycling fehlen jedoch. Innovative Technologien wie Trockenreinigung oder enzymatische Prozesse können den Wasserbedarf erheblich reduzieren. Der Wasserverbrauch ist regional unterschiedlich und wird durch den lokalen Wasserstress beeinflusst, insbesondere in wasserarmen Gebieten.
Water Footprint Analyse
Deutschlands externer landwirtschaftlicher Wasser-Fußabdruck in der Welt.
Deutschlands externer landwirtschaftlicher Wasser-Fußabdruck in der Welt. Quelle: Der Wasser-Fußabdruck Deutschlands.

Die Water Footprint Analyse ist eine Methode zur Bewertung des Wasserverbrauchs entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts, Prozesses oder Systems, wobei alle direkt und indirekt genutzten Wassermengen – auch als virtuelles Wasser bezeichnet – berücksichtigt werden. Die Analyse unterteilt den Verbrauch in blaues Wasser (Oberflächen- und Grundwasserentnahme), grünes Wasser (Regenwasser, das in Pflanzen eingebunden wird) und graues Wasser (Menge, die zur Verdünnung von Schadstoffen erforderlich ist). Dadurch werden sowohl direkte als auch indirekte Wassernutzungen sichtbar, einschließlich ihrer regionalen und ökologischen Auswirkungen. Diese Analyse ermöglicht eine differenzierte Bewertung von Prozessen wie der Kunststoffproduktion und dient als Grundlage für Maßnahmen zur Reduktion des Wasserverbrauchs und zur Verbesserung der Nachhaltigkeit. Jedoch wird oft nicht unterschieden, ob Wasser natürlich als Regen fällt oder künstlich aus Gewässern und Grundwasser gefördert wird, was zu erheblich unterschiedlichen ökologischen Folgen führen kann. Das Konzept impliziert teilweise, dass eingespartes Wasser lokal für andere Nutzungen verfügbar wird, was praktisch und wirtschaftlich oft nicht zutrifft. Zudem vernachlässigt die Betrachtung von virtuellem Wasser häufig den Nährwert oder Energiegehalt des erzeugten Produkts, was zu verzerrten Bewertungen unterschiedlicher Lebensmittel führen kann.

Quellen
Rudolph, N., Kiesel, R., & Aumnate, C. (2025). Understanding plastics recycling: Economic, ecological, and technical aspects of plastic waste handling. Carl Hanser Verlag GmbH Co KG.
 Jaroschek, C. (2024). Spritzgießen für Praktiker. Carl Hanser Verlag GmbH Co KG..
Weißbach, W., Dahms, M., & Jaroschek, C. (2018). Werkstoffe und ihre Anwendungen. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Andes, L. (2019). Methodensammlung zur Nachhaltigkeitsbewertung: Grundlagen, Indikatoren, Hilfsmittel. Karlsruher Institut für Technologie.
Weißbach, W. (2013). Werkstoffkunde und Werkstoffprüfung. Springer-Verlag.
Rudolph, N., Kiesel, R., & Aumnate, C. (2019). Einführung Kunststoffrecycling: ökonomische, ökologische und technische Aspekte der Kunststoffabfallverwertung. Carl Hanser Verlag GmbH Co KG.
Sinn, H. (1974). Recycling der kunststoffe. Chemie Ingenieur Technik, 46(14), 579-589.
Kontakt
Bei Fragen kontaktieren Sie gerne das Team Kunststofftechnik und Werkstoffprüfung:
Prof. Dr.-Ing. Angela Ries
+49.521.106-70060