24.07.2025

Materialforschung im Fokus: BIfAM stellt beim „Tag der Materialforschung“ seine aktuellen Aktivitäten und Projekte vor

„Angewandte Materialforschung für Wissenschaft, Technik und Gesellschaft“ war das diesjährige Motto der jährlichen Branchenkonferenz des Bielefelder Instituts für Angewandte Materialforschung (BIfAM). Auch 2025 präsentierte das BIfAM seine innovativsten Projekte und gab Einblicke in aktuelle Forschungen. Austausch und Vernetzung mit zahlreichen Unternehmensvertreter:innen der regionalen Wirtschaft rundeten die Veranstaltung ab.

Bielefeld. Zu Beginn des Bielefelder Tages der Materialforschung berichtete Michael Klein, Geschäftsführer der CNC Speedform AG, von seiner langjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Hochschule Bielefeld. Das BIfAM habe ihn schon bei mehreren Projekten fachlich unterstützt, unter anderem beim Recycling von stark thermisch belastetem PA12 Pulver für den 3D Druck. Im Druck traten bei den Produkten aus Recyclingmaterial Herausforderungen hinsichtlich der Oberflächenstruktur auf. Eine enge Zusammenarbeit mit dem BIfAM brachte die Lösung: In Kombination mit einem Anteil neuwertigen Pulvers kann das Rezyklat erfolgreich für den 3D Druck genutzt werden kann. Heute kann CNC Speedform seine gesamten übriggebliebenen Pulveranteile in einem geschlossenen Kreislauf wieder für den 3D Druck verwenden.  

Nachhaltigkeit und Simulation: Einblicke in aktuelle Projekte

Tag der Materialforschung

Prof. Christoph Jaroschek und Prof. Angela Ries thematisierten anschließend ihre aktuellen Forschungen zur nachhaltigen Kunststoffverarbeitung. Christoph Jaroschek hatte einer Künstlichen Intelligenz die Frage gestellt, „Wie kann die Nachhaltigkeit im Bereich der Kunststoffe gesteigert werden?“ und verglich die vorgeschlagenen Maßnahmen in seinem Vortrag mit den Antworten der Kolleg:innen aus der Bielefelder Kunststofftechnik. Angela Ries hob anschließend den wichtigen Einfluss der Verarbeitungstemperatur auf den Kristallisationseffekt hervor.

Prof. Christian Schröder, Sprecher des BIfAM, beantwortete die Frage, wozu Simulationen benötigt werden und erklärte, wie moderne Simulationsmethoden die Technologieentwicklung verändern werden. Innerhalb seines Vortrags zeigte Schröder die Möglichkeit auf, den besonderen Herausforderung der Multiskaligkeit zu begegnen. Dabei werden die bestimmenden physikalischen Eigenschaften eines Materials auf atomarer und molekularer Ebene in praktisch relevante Größenordnungen übertragen. Mit Hilfe von maschinellem Lernen und KI werden zukünftig Materialdesigns auch ohne aufwändige Simulationen möglich gemacht. 

Forschung, Innovation und Nachwuchsförderung der Bielefelder Materialforschung

Prof. Thomas Kordisch, gab Einblicke in seine Arbeit im Labor der Werkstofftechnik der Hochschule Bielefeld. Im Fokus seiner Untersuchungen stehen oberflächennahe Schädigungsmechanismen von Metallen. Unter anderem durch den Kontakt mit Natriumchlorid können in den Oberflächen von Metallen sogenannte Lochkorrosionen entstehen. Diese Form der Korrosion zerstört die Schutzschicht auf dem Metall und führt so zu kleinen, lokal begrenzten, aber tiefen Löchern. Mit Hilfe von Videoaufnahmen konnten die Teilnehmenden beim Tag der Materialforschung virtuell die Entwicklung dieser Korrosionserscheinung im Labor beobachten. Anschließend leitete er zur Vergabe des Nachwuchspreises für Materialforschung über, den Til Klinger erhielt.

Nachwuchspreis

Im Rahmen seiner Masterarbeit im Studiengang Maschinenbau hatte Klinger mit dem Unternehmen AVANCO Composites GmbH kooperiert. Er beschäftigte sich mit der Entwicklung und Erprobung von faserverstärkten thermoplastischen Druckbehältern mit lokaler Verstärkung und wurde für seine erfolgreiche Arbeit mit dem BIfAM-Nachwuchspreis für Materialforschung ausgezeichnet. 

Abschließend stellte Prof. Anant Patel, Vizepräsident für Forschung und Entwicklung an der HSBI, aktuelle Forschungen seiner Arbeitsgruppe zu Formulierungsmethoden vor. 

„Es ist mir jedes Jahr eine Freude, den Bielefelder Tag der Materialforschung für das BIfAM auszurichten“, resümiert Dr. Natalie Frese, Technische Geschäftsleitung des BIfAM: „Er bietet eine tolle Gelegenheit zum Austausch über aktuelle Themen der Materialforschung. Für alle Beteiligten generieren sich daraus immer wieder neue Impulse für die eigene Arbeit und Kontakte außerhalb des eigenen Kernthemas.“