Abschlussevent im Modul „Innovations- und Projektmanagement“
Wie aktuell kann Hochschullehre sein, wenn sich Innovationsprozesse in Unternehmen schneller verändern als jedes Lehrbuch?
Das Modul „Innovations- und Projektmanagement“ an der Hochschule Bielefeld gibt darauf eine klare Antwort: Indem Theorie konsequent mit Praxis verzahnt wird und Studierende an praxisrelevanten Themen aus Unternehmen arbeiten. So wird Theorie nicht abstrakt behandelt, sondern in einen aktuellen Kontext gesetzt. „Unsere Lehre orientiert sich an Entwicklungen und Herausforderungen die den Unternehmensalltag prägen und bleibt damit nah am Puls der Zeit, statt diesen hinterherzulaufen“, erklärt Professor Michael Fahrig das besondere Konzept des Moduls.
Lernen unter Realbedingungen: Studierende lösen praxisnahe Problemstellungen aus Unternehmen
Was daraus entstehen kann, zeigte das Abschluss-Event des Moduls „Innovations- und Projektmanagement“ am Campus Gütersloh, das kurz vor Jahresende in den Räumlichkeiten der IMA Innovationsmanufaktur Gütersloh GmbH stattfand. Acht Wochen lang hatten sieben interdisziplinäre Projektgruppen aus den drei Studiengängen Wirtschaftsingenieurwesen, Digitale Technologien und Product Service Engineering an realen Aufgabenstellungen aus dem Unternehmensalltag gearbeitet, begleitet von engem Austausch mit den jeweiligen Unternehmenspartnern. Die Bandbreite der Themen reichte von KI-gestützten Prozesslösungen, Verbesserungen im Workforce Management bis hin zu innovativen Anwendungen in Industrie und Landwirtschaft. Beim Abschlusstag präsentierten die Studierenden ihre Ergebnisse in kompakten, professionellen Pitches und stellten sich Diskussionen, kritischen Rückfragen und offenem Feedback. Dass dieses Lernkonzept erfolgreich funktioniert, bestätigt auch eine Studentin: „Die Arbeit fühlte sich wie echte Projektarbeit an, weil wir an einer Lösung gearbeitet und verstanden haben, wie ein Chatbot die virtuelle Einschreibung an der HSBI unterstützen kann – und nicht nur etwas für Prüfungen auswendig gelernt haben.“
Produktentwicklung als Ergebnis von Projekt- und Innovationsmanagement
Gerhard Wellmann (l.), Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Wellmann Anlagentechnik, und Professor Michael Fahrig (r.) verfolgen aufmerksam die Präsentation der Studierenden und stellen direkt Fragen. Der Unternehmenspartner zeigt sich beeindruckt von den Ideen der Gruppe.
Die Ergebnisse zeigten eine große thematische Spannweite: Aus dem Themenumfeld der Firma CLAAS untersuchte eine Projektgruppe mögliche Anwendungsfälle von Drohnen in der Landwirtschaft. Im Fokus standen unter anderem Effizienzgewinne bei der Feldanalyse, der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie die Überwachung von Vieh und Dokumentation von Flurschäden. Sie analysierten, unter welchen Voraussetzungen sich ein Drohneneinsatz wirtschaftlich lohnt. Dazu gehörten unter anderem Kostenmodelle, mögliche Preispunkte, Investitions- und Betriebskosten sowie Fragen der Skalierbarkeit. Ergänzt wurde dies durch eine Betrachtung rechtlicher Rahmenbedingungen, infrastruktureller Voraussetzungen und möglicher Markteintrittsstrategien. So entstand ein ganzheitliches Konzept, das Technik, Wirtschaftlichkeit und praktischen Nutzen zusammenführt.
Ein weiteres Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Firma Wellmann Anlagentechnik aus Halle. Hier ging es um KI-unterstützte optimale Rohrleitungsverläufe in komplexen Anlagen. Ziel war es, Planungsprozesse in der CAD-Konstruktion effizienter zu gestalten, Fehlerquellen zu minimieren und Kosten zu senken. Die Gruppe entwickelte ein Konzept, das technische Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit zusammenbrachte. Gerhard Wellmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Wellmann Anlagentechnik, zeigt sich sehr beeindruckt von den Leistungen der Studierenden: „Die entwickelten Ansätze zeigen, dass das Thema KI-gestützte Rohrleitungsplanung auch für unser Unternehmen großes Potenzial hat. Wir werden dazu im Austausch bleiben und prüfen, wie sich einzelne Ideen perspektivisch in unsere Planungsprozesse integrieren lassen“.
Win-win: Wie Unternehmen und HSBI voneinander profitieren
Studierende des Moduls „Innovations- und Projektmanagement“ präsentieren ihr Projekt zur Integration digitaler Trainingsangebote in das Workforce Management. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der p.l.i. solutions GmbH.
Die Zusammenarbeit mit den Unternehmen ist keine Einbahnstraße. Studierende vertiefen wertvolle Praxiserfahrung und lernen, wie Projekte im Berufsalltag funktionieren. Gleichzeitig profitieren die Unternehmen von neuen Perspektiven und kreativen Ideen. Wie wertvoll diese Zusammenarbeit aus Unternehmenssicht ist, betont auch Matthias Gunter, Manager Innovation Management bei CLAAS: „Wir waren von Anfang an in das Projekt eingebunden und haben die Gruppe eng begleitet. Für uns sind Studierende ein wichtiger Impulsgeber – gerade auch die Nähe zur HSBI sehen wir als große Chance, uns regional zu vernetzen. Das Thema Drohnen in der Landwirtschaft ist derzeit noch ein Randthema, aber wir haben bewusst die Möglichkeit genutzt, den Use Case gemeinsam mit den Studierenden ganzheitlich zu betrachten – bis hin zur Bewertung eines möglichen Geschäftsmodells. Diese externen Perspektiven gleichen wir mit unseren internen Entwicklungen ab, etwa im Bereich der Feldgrenzenerkennung. Die Impulse der Studierenden zu nutzen und neue Einblicke zu gewinnen, auf denen wir weiter aufbauen können, ist für uns als Unternehmen sehr wertvoll.“
IMA Innovationsmanufaktur als Brücke zwischen Hochschule und Wirtschaft
Studierende und Zuschauer diskutieren angeregt über die Projektpräsentationen. Die IMA in Gütersloh bietet als Innovationsnetzwerk den Rahmen für den praxisnahen Austausch zwischen Hochschule und Unternehmen.
Dass das Event in der IMA Innovationsmanufaktur, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Campus Gütersloh, stattfand, war eine bewusste Entscheidung, erklärt Matthias Vinnemeier, Technologietransferscout an der HSBI: „Die IMA ist eine Brücke zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft . Gerade der Austausch von Technologie und Wissen, ein zentraler Schwerpunkt der HSBI, wird in dieser Kooperation konkret erlebbar.“ „Die räumliche Nähe zur Hochschule und der direkte Austausch mit den Studierenden schaffen ideale Voraussetzungen für praxisnahe Projekte“, bestätigt Volker Johannhörster, geschäftsführender Gesellschafter der p.l.i. solutions GmbH, die selbst Teil des IMA-Netzwerkes ist. „Im Rahmen der HSBI-Challenge haben Studierende gemeinsam mit uns ein hochaktuelles Thema bearbeitet: Die Integration digitaler Trainingsangebote in das Workforce Management. Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie technische Konzeption, Nutzerperspektive und Geschäftsmodelle bereits im Studium praxisnah zusammengeführt werden können.“
Klare Worte, ehrliches Feedback und viel Applaus
Professor Michael Fahrig steht mittendrin im Kreis seiner Studierenden und moderiert die Feedbackrunde nach den Projektpräsentationen.
Im Anschluss an die insgesamt sieben, professionell gestalteten Präsentationen erfolgte als letzter Teil der Modulveranstaltung eine abschließende Lessons Learned Runde, wobei das Erlebte in einer offenen Feedbackrunde intensiv diskutiert wurde. Professor Fahrig stand mitten unter den Studierenden und moderierte das Gespräch. „Wir haben alles gesehen; spannende, kreative Folien, aber auch inhaltlich überfrachtete Folien. So oder so, jede Gruppe hat auf ihre Weise etwas Besonderes geleistet – dafür können sie sich gegenseitig beglückwünschen“, erklärt er. Gleichzeitig wurde ehrlich besprochen, wo es hakte, welche Abläufe nicht optimal liefen oder Zeit verloren ging – manchmal auch mit sehr deutlichen Worten und mit einem Augenzwinkern. Dabei wurde deutlich: Lernen heißt, Fehler zu machen, daraus zu lernen und gemeinsam weiterzukommen.
Abschluss eines Moduls zum Jahresende
Bei Bratwurst, Musik und Glühwein klang der Tag auf der Dachterrasse der IMA mit Blick auf den Gütersloher Bahnhof entspannt aus. Steven, der Digitale Technologien studiert, beschreibt die besondere Atmosphäre an seinem letzten Studientag: „Die meisten Projekte enden mit einer kurzen Präsentation und dann geht jeder nach Hause. Heute war es anders. Es war meine letzte Präsentation an der HSBI, noch einmal zusammenzukommen, vor so einem großen Publikum und in dieser Location, war richtig schön.“ Damit endete nicht nur ein Modul, sondern auch das Studienjahr mit Stolz auf die eigene Leistung und neuen Perspektiven. (jrf)
Studierende und Mitarbeitende genießen den Jahresausklang auf der Dachterrasse der IMA . Bei Glühwein, Bratwurst und guter Stimmung vor der Kulisse der Gleise des Gütersloher Bahnhofs.