Bielefeld (fhb). Studierende und Lehrende tun sich zusammen und bringen neue Ideen für eine gute Lehre auf den Weg - das ist das Ziel beim "Tag der Lehre". Der Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der Fachhochschule Bielefeld hatte gestern dazu eingeladen. Gut 70 Studierende, Professorinnen und Professoren sowie FH-Beschäftigte waren der Einladung gefolgt. Als besonderen Gast konnte der Fachbereich Professor Dr. Rolf Schulmeister von der Universität Hamburg gewinnen, der in einem Einführungsvortrag dem Studienerfolg von Studierenden auf den Grund ging.
Professor Schulmeister hat in einer groß angelegten Studie Studierende aus 27 Studiengängen über fünf Monate lang ein Zeitbudget führen lassen. Darin mussten sie täglich festhalten, wie viel Zeit sie in ihr Studium investieren. Dabei kam heraus, dass die meisten im Schnitt mit einem recht geringen Zeitaufwand von 23 Stunden pro Woche durch das Studium kommen. Diese Analyse widerlege eine ganze Reihe von gängigen Annahmen über das Gelingen der Bologna-Studiengänge und offenbare das Versagen des Präsenzunterrichts und des Selbststudium, so Schulmeister. "Gute Noten haben demnach nichts mit dem Zeitaufwand zu tun. Was unsere Großeltern predigten: 'Ohne Fleiß, kein Preis', ist schlichtweg falsch", sagt Schulmeister. Auch Begabung und Intelligenz seien nicht der ausschlaggebende Punkt für Erfolg im Studium, sondern allein das Lernverhalten.
"Die Motivation, Intention und die Strategie beim Lernen entscheiden über den Studienerfolg", so Professor Schulmeister. In einem Feldversuch an der Technischen Universität Ilmenau wurden in einem Studiengang sämtliche Lehrveranstaltungen geblockt, so dass die Studierenden immer nur ein Seminar für mehrere Wochen am Stück besuchten. "Die Professoren waren erstaunt. Sie hätten selten so gut vorbereiteten Studierenden gegenübergesessen", berichtete Schulmeister. Das liege daran, dass die Studierenden ihre Konzentration, anstatt auf mehrere Veranstaltungen an einem Tag, nur auf ein einziges Seminar legen mussten. Dadurch würden sie sich an ein kontinuierliches Selbststudium gewöhnen, das zu besseren Noten und einer geringeren Durchfallquote führen würde. Außerdem würden Studienabbrüche früher stattfinden, weil die Studierenden schneller merken, ob ihnen der Studiengang liegt oder nicht. "Sie kommen nicht mehr in Bedrängnis durch andere Lehrveranstaltungen und werden zum Selbststudium gezwungen", so Schulmeister.
Obwohl der Feldversuch sowohl bei den Studierenden als auch bei den Lehrenden auf große Begeisterung stieß, konnte dieses Konzept in Ilmenau nicht weitergeführt werden. "Weil die Lehrenden in Ilmenau in mehreren Studiengängen gleichzeitig eingesetzt werden, kollidierten die Blockveranstaltungen mit dem alten Prinzip der anderen Studiengänge", erzählt Schulmeister. In monolithisch aufgebauten Studiengängen wie an der FH Bielefeld sei das aber kein Problem. "Man könnte dieses Prinzip wahrscheinlich innerhalb eines Semesters hier umsetzen", so der Professor.
Nach diesem Einführungsvortrag kamen die Teilnehmer am "Tag der Lehre" in drei verschiedenen Workshops zusammen. Hier arbeiteten sie zu den Themen "Studium, Praktikum und Arbeiten im Ausland", "Blended Learning" und "Mathematik im Ingenieurstudium".