Bielefeld (fhb). "Wir wollen die Studierenden erfahren lassen, wie sie dazu beitragen können, dass die Musikalität des ihnen anvertrauten Kindes erhalten bleibt, und wie sie darüber hinaus helfen können, dass sich Kinder in ihrer Musikalität und in ihrer musikalischen Kreativität entwickeln und bilden können." Prof. Peter Ausländer sagt das. Er hat ganz wesentlich die Inhalte des Curriculums 'Musikalische Bildung in der Pädagogik der Kindheit' verfasst. Ein Studienangebot des Fachbereichs Sozialwesen der FH Bielefeld, in dieser Form einmalig an einer deutschen Hochschule, gefördert von zwei großen Stiftungen.
Erst zum vergangenen Wintersemester gestartet, schon jetzt mit viel Aufmerksamkeit bedacht: das Erleben von Musik und die Freude an der Musik im Mittelpunkt des Geschehens. Jedem Menschen wird die eigene Musikalität quasi in die Wiege gelegt, schon vorgeburtlich werden Klänge und Rhythmen wahrgenommen. Das Kind kommt mit pränatalen Hörerfahrungen auf die Welt. Ein wunderbares "Starterpaket" beim Eintritt in ein kommunikatives Miteinander, das oftmals früh verbraucht scheint. "Zur Selbsteinschätzung, unmusikalisch zu sein, kommt es allzu oft im Zusammenhang mit unglücklich verlaufenem und daher eher erlittenem Musikunterricht, der auch immer wieder als Begründung für eine entsprechende Abstinenz herhalten muss", weiß Musikpädagoge Ausländer zu berichten. Kinder können in der Regel bis zu ihrem Eintritt in den Kindergarten singen - sauber singen. Damit sie es dort oder später in der Grundschule nicht verlernen, muss nicht nur möglichst oft, sondern vor allem richtig mit ihnen gesungen werden, wozu man über Kenntnisse und fachliche Fertigkeiten verfügen muss, "die in der pädagogischen Praxis leider nicht immer vorausgesetzt werden können", so Ausländer.
'Musikalische Bildung' als Schwerpunkt im Studiengang 'Pädagogik der Kindheit' soll hier helfen. Soll in Zeiten des permanent flutenden, medienvermittelten Musikkonsums den jüngsten Heranwachsenden eine Orientierung bieten, "die Welt der Klänge zu erkunden, Musik zu erfinden und musikalisches Zusammenspiel zu erleben".
Den Studierenden wird einiges Zusätzliche zum normalen Studieren abverlangt. Singen, tanzen, Rhythmusgefühl, ein Instrument spielen - namentlich die Gitarre, Perkussionsinstrumente beherrschen (lernen). Und zu Erkundung der Klänge gehört auch die Herstellung einfacher Instrumente. "Wir gehen davon aus", so Professor Ausländer, "dass die Studierenden am Ende ihres Studiums dazu in der Lage sind, auf den Einsatz von Medien weitgehend zu verzichten, vor allem sich von Playbacks zu befreien und technische Geräte nur da zum Einsatz bringen, wo sie tatsächlich gebraucht werden - also im sehr seltenen Ausnahmefall".
Und hier erhebt Ausländer seine Stimme etwas provokant-mahnender, denn gewohnt zurückhaltend: "Dass ein Kind nicht mehr in der Lage ist, seiner Stimme Gehör zu verleihen, ist die Folge sinnlos, ja sinnenwidrig verabreichter Beschallung durch Medien, auf die seine Vorgesetzten - Eltern, Erzieher und Lehrer - glauben, nicht mehr verzichten zu können."
14 Studierende haben sich in den musikalischen Schwerpunkt eingeschrieben, genau die Zahl, die erwartet wurde und groß genug, um zum Beispiel die geplante 'Ensemblepraxis' ausüben und in Spielkreisen zusammen musizieren zu können. Auch auf dem Studien-Programm: das Wahrnehmen musikalischer Klänge außereuropäischer Kulturkreise und das Erkennen interkultureller Bildungsansätze einer gemeinsamen "Weltmusik". Peter Ausländer: "Die Studierenden werden sich zudem ein Repertoire aneignen, das für eine generationsübergreifende Kulturarbeit geeignet ist."
'Musikalische Bildung in der Pädagogik der Kindheit': kein Studium an einer Musikhochschule, aber auch keins an einer gewöhnlichen pädagogischen Hochschule. Musik sei eine "soziale Realität", zitiert Peter Ausländer die Musikpädagogin Gertrud Meyer-Denkmann, und "von daher ist Musik selbstverständlich Gegenstand jeder ernsthaften Ausbildung im Bereich Sozialwesen".
Und er hofft, dass seine Studierenden lernen, die Freude und Unbekümmertheit der ganz Jungen am Singen und gemeinsamen Musizieren ein Leben lang zu erhalten.