Bielefeld (fhb). Eine neue Form der Zusammenarbeit geht der Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik - IuM - mit der Stadt Bielefeld ein: gemeinsam will man die bestehenden Städtepartnerschaften nutzen, um den wirtschaftlichen Austausch zu fördern. Olaf Selonke, der Partnerschafts- und Patenschaftsbeauftragte der Stadt Bielefeld, meint dazu: "Mit der angedachten neuen Art der Zusammenarbeit verlassen wir die traditionellen Pfade und bringen Hochschule, Wirtschaft und Menschen zusammen." Prof. Dr. Lothar Budde, IuM-Dekan und Förderer des Projekts: "Wir können uns gut vorstellen, dass die Kooperation mit dem Fachbereich einer Hochschule in einer Partnerstadt sowohl für unsere Professorenschaft als auch unsere Studierenden von Vorteil sein kann." Einen Titel hat man auch schon für diese neue Form der Zusammenarbeit gefunden: "Menschen bewegen Märkte", so Budde.
Die Auftaktveranstaltung hat es vor einigen Wochen gegeben. IuM-Gast war damals eine Besuchergruppe aus dem polnischen Rzeszów, die kurzerhand eine Stippvisite an den Fachbereich unternahm, Labore besichtigte und Gespräche mit den Professoren führte. Dekan Budde: "Der Austausch sollte nicht zu sehr formalen Charakter haben, sondern vor allem durch Spontaneität und direkte Ansprache belebt werden." Zuvor waren die Polen im Rathaus begrüßt worden, dann bei der Firma Böllhoff zu Gast. In ganz persönlichen Gesprächen ging es darum, Möglichkeiten einer kontinuierlichen Kooperation auszuloten. Olaf Selonke: "Wir haben den Fachbereich IuM als zuverlässigen Partner kennengelernt, er hilft uns, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen."
Am neuen Format mitgearbeitet hat Unternehmensberaterin Angela van den Broek, die auch für die Konzeption der aktuellen IHK-Begegnungswochen, Thema Brasilien, verantwortlich ist. Unterstützt wird sie seitens des Fachbereichs von Tanja Hage, die für die interne Koordination dieser Veranstaltungsreihe zuständig ist. Der Fachbereich tritt im Rahmen der internationalen Woche Ende Juni als so genannter Premium-Partner auf. Dekan Professor Budde: "Auch hier geht es uns darum, in Sachen Internationalität Flagge zu zeigen."
Konkrete Unterstützung an seinem Fachbereich erhält er von drei Kollegen. Marketingexpertin Prof. Dr. Hildegard Manz-Schumacher produziert mit ihren Studierenden Filme über den Fachbereich und seine internationalen Kontakte. Prof. Dr. Klaus Rüdiger, verantwortlich unter anderem für internationales Marketing, setzt gleichfalls auf "mehr Auslandserfahrung für unsere Studierenden, um für das Berufsleben besser aufgestellt zu sein". Und Physiker Prof. Dr. Marc-Oliver Schierenberg interessiert sich insbesondere für gemeinsame Forschungsvorhaben und die Chance, dass "unsere Absolventen an renommierten Universitäten, zum Beispiel in Rzeszów, zur Promotion zugelassen werden".
Zwei Veranstaltungen im Rahmen der "Menschen-bewegen-Märkte"-Aktion sind fest eingeplant. Im September steht Russland und damit Nowgorod im Mittelpunkt, im März kommenden Jahres soll es Israel sein. Dekan Professor Lothar Budde: "Wir werden am Fachbereich weiter für diese Partnerschaft werben, und wir freuen uns, mit der Stadt an unserer Seite einen aktiven und überzeugten Mitstreiter für die Internationalisierung gefunden zu haben."
Bielefeld pflegt zurzeit sieben offizielle Städtepartnerschaften. Neben Rzeszów sind das Rochdale (England), Enniskillen / Fermanagh (Nordirland), Concarneau (Frankreich), Nahariya (Israel), Welikij Nowgorod (Russland) und Esteli (Nicaragua). Sinn und Zweck dieser partnerschaftlichen Beziehungen sei es, "die Verbundenheit über die Staatsgrenzen hinweg zu festigen und zu vertiefen und damit einen Beitrag zum Frieden in Europa und in der ganzen Welt zu leisten", heißt es auf der Homepage der Stadt. Im Mittelpunkt stehe dabei die Begegnung von Mensch zu Mensch, "sie bilden eine Basis zum besseren Verständnis, zum Kennenlernen und zum Abbau von Vorurteilen".