Inhaber beruflicher Fortbildungsqualifikationen mit den Abschlüssen Technische/r Betriebswirt/-in, Geprüfte/r Industriefachwirt/-in, Geprüfte/r Bilanzbuchhalter/-in und Controller/-in bekommen künftig bei der Aufnahme des Bachelor-Studiengangs Betriebswirtschaftslehre (B.A.) am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule (FH) Bielefeld diejenigen Kompetenzen angerechnet, die in den Fortbildungen erworben wurden. Voraussetzung: Diese müssen den Qualitäts- und Qualifikationsanforderungen der Hochschule entsprechen. Damit verkürze sich die Studiendauer um nahezu ein Semester. Der Bachelor-Abschluss sei somit bereits nach fünf Semestern möglich. Das teilten die IHK und die FH Bielefeld jetzt mit.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Europäische Sozialfonds (ESF) haben seit Oktober 2005 elf Pilotprojekte gefördert, in denen Verfahren zur Anrechnung von in der beruflichen Weiterbildung erworbenen Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge entwickelt wurden. In einem Team der FH Bielefeld und einem Fachbeirat bestehend aus Vertretern von Trägern der beruflichen Aus- und Weiterbildung, der IHKs Ostwestfalen sowie Lippe, von Unternehmen und Gewerkschaften sei zielorientiert am vorliegenden Ergebnis gearbeitet worden.
"Gerade in den Fortbildungen Technischer Betriebswirt und Geprüfter Bilanzbuchhalter sind Anrechnungen auf Hochschulstudiengänge in nennenswertem Umfang möglich", bilanzierte Professor Axel Benning, Projektleiter und Dekan am Fachbereich Wirtschaft der FH Bielefeld. "Den Absolventen dieser beiden Fortbildungen können bei Aufnahme des Studiengangs künftig vier beziehungsweise fünf Module vollständig angerechnet werden." Die daraus resultierende Studienzeitverkürzung könne in Zeiten von Studiengebühren durchaus auch ein monetärer Anreiz zur Aufnahme eines Studiums sein. Für die Unternehmen stünden die Absolventen als Mitarbeiter mit einer höheren Qualifikation deutlich früher zur Verfügung, was volkswirtschaftlich betrachtet von Vorteil sei. Die künftige Anrechnung werde ein pauschales Verfahren sein, wobei jeder erfolgreiche Absolvent einer bestimmten Fortbildung dieselben Module eines Studiengangs ohne zusätzliche Prüfung angerechnet bekomme. Hinsichtlich der Umsetzung der Projektergebnisse erläuterte Benning, dass diese in der Prüfungsordnung des Studiengangs der Hochschule fest verankert und für verbindlich erklärt werden.
Swen Binner, IHK Geschäftsführer Berufliche Bildung begrüßte das Ergebnis aus Sicht der Wirtschaft: "Ein wichtiges bildungspolitisches Ziel ist es, Bildungswege zu öffnen, sie durchlässiger zu gestalten sowie eine bessere Verzahnung zwischen den verschiedenen Bildungswegen und Lernorten zu realisieren. Dazu gehört es, die Übergänge insbesondere zwischen beruflicher Bildung und Hochschulbildung zu ebnen und dabei bereits vorhandene Kompetenzen zu berücksichtigen."
Aus einer Befragung von IHK-Fortbildungsteilnehmern ging hervor, dass etwa 30 Prozent der Bilanzbuchhalter, 41 Prozent der Technischen Betriebswirte, 30 Prozent der Industriefachwirte und 17 Prozent der Controller sich die Aufnahme eines Wirtschaftsstudiums nach absolvierter Fortbildung vorstellen könnten.
Quelle: Ostwestfälische Wirtschaft, 2/2008. Veröffentlichung von Text und Bild mit freundlicher Genehmigung der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld.