Entsprechend der demographischen Entwicklung ist bis 2015 mit einer weiter steigenden Nachfrage nach Studienplätzen zu rechnen. Dem steht der im Qualitätspakt 2001 mit dem Ministerium für Wissenschaft und Forschung NRW vereinbarte Stellenabbau gegenüber. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz wiesen jetzt Rektorin Professorin Dr. Beate Rennen-Allhoff (FH Bielefeld) und Rektor Professor Tilmann Fischer (FH Lippe und Höxter) auf die sich abzeichnende Verknappung von Studienplätzen hin. In dieser angespannten Situation wollen beide Hochschulen ihre Kräfte bündeln, um die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen.An der FH Bielefeld studieren im laufenden Wintersemester in den acht Fachbereichen 7030 Studierende, davon sind 1118 Erstsemster. Die nach dem landesweit vorgegebenen Schlüssel berechnete Auslastung liegt damit bei 112 % (WS 02/03: 103 %). In einzelnen Studiengängen liegt die Auslastung deutlich höher. Für den Studiengang Informationstechnik haben sich 89 Studienanfängerinnen und -anfänger eingeschrieben. Bei einer Kapazität von 48 Studienplätzen entspricht dies einer Auslastung von 185 %. Nachfrage weit über der Kapazität besteht auch in den Studiengängen Mathematik (176 % Auslastung) und Produktentwicklung (127 %). In den NC-Studiengängen wurde die Kapazität voll ausgeschöpft, die Zahl der Bewerber war hier um ein vielfaches höher als die Zahl der vorhandenen Studienplätze. So haben sich beispielsweise 522 Bewerber auf die 71 Studienplätze im NC-Studiengang Wirtschaftsrecht beworben. Insgesamt haben sich 2977 Bewerberinnen und Bewerber um die 973 Studienplätze an der FH Bielefeld beworben.
An der FH Lippe und Höxter ist die Zahl der Erstsemester um 34 Prozent auf 1022 neue Studentinnen und Studenten angestiegen bei einer Aufnahmekapazität von 907 Studienplätzen.
Die demographische Entwicklung lasse erwarten, so Rennen-Allhoff, "dass sich diese Situation in den nächsten Jahren noch verschärfen wird." Denn der Anteil der 20-25jährigen im Regierungsbezirk Detmold nimmt im Zeitraum von 1998 bis 2015 um 20 % zu.
Hinzu kommt, dass die Hochschulen bis 2010 Stellen abbauen müssen: die FH Bielefeld insgesamt 19 Stellen, die FH Lippe und Höxter 16. Die Hypothese, so Fischer, die dem Qualitätspakt zugrunde liege, nämlich, dass es unausgelastete Bereiche gebe, in denen gespart werden könne, treffe nicht zu. In dem kommenden 2-3 Jahren rechnen Rennen-Allhoff und Fischer mit Zugangsbeschränkungen in nahezu allen Studiengängen.
In dieser angespannten Lage wollen beide Fachhochschulen ihre Kräfte bündeln, um die Breite des Studienangebots in der Region zu sichern. Konkret vereinbarten die Rektoren: Im Wahlbereich können Studierende auch Veranstaltungen der jeweils anderen Hochschule absolvieren. Die Anforderungsprofile konsekutiver Studiengänge sollen aufeinander abgestimmt werden, insbesondere auch die Ausrichtung der Master-Studiengänge. "Damit wollen wir ein Doppelangebot in der Region vermeiden", so Rennen-Allhoff. Ein gemeinsamer Masterstudiengang ist ebenfalls Gegenstand der Beratungen. Um den Transfer Hochschule-Praxis zu unterstützen, wird gegenwärtig ein gemeinsamer Leistungskatalog "Forschung und Entwicklung" erarbeitet, der das umfangreiche Angebot beider Hochschulen vorstellen wird.