16.06.2003

Maschinenbau ein Studium für die Zukunft

Experten sprechen von Fachkräftemangel wegen niedriger Studierendenzahlen.

Diplom-Ingenieure des Fachbereiches Maschinenbau sind weiter gefragt. Branchenexperten befürchten aufgrund der aktuellen Studierendenzahlen auf Dauer einen erheblichen Fachkräftemangel. Allein im Maschinen- und Anlagenbau würden nach einer Erhebung der Prognos AG bis 2010 bundesweit insgesamt 47.000 Ingenieurskräfte gebraucht, 31.000 davon in der Fachrichtung Maschinenbau / Verfahrenstechnik. In Ostwestfalen-Lippe zählt die Maschinenbranche mit 42.000 Beschäftigten zu den Kernkompetenzen der Region. Regional und konjunkturell unabhängig steht den vielseitig ausgebildeten Maschinenbauingenieuren ein breites Betätigungsfeld in zahlreichen Branchen zur Verfügung.

Experten prognostizieren für die Maschinenbaubranche mittelfristig wieder verbesserte Perspektiven. Bis zum Jahr 2005 werden durchschnittliche Produktionszuwächse von 2,7 Prozent, bis 2010 sogar 2,9 Prozent Durchschnittswachstum erwartet, so die Prognos-Studie von 2002. Demnach steige durch die sich verändernden Arbeitsplatzprofile der Bedarf an gut ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieuren. Durch den wachsenden Einsatz hochkomplexer Fertigungssysteme würden neben produktionsbezogenen Fertigungstätigkeiten Arbeitsfelder wie die Einrichtung und Überwachung von Maschinen zunehmend wichtiger werden. Besonders gewinnen anspruchsvolle Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionstätigkeiten sowie qualifizierte Management-, Marketing-, Vertriebs- und Logistikaufgaben an Bedeutung. Diese vielseitigen Anforderungsprofile sind für Unternehmen des Maschinenbaus mit einem wachsenden Bedarf an qualifizierten Hochschulabsolventinnen und -absolventen verbunden.

Unabhängig von der Konjunktur steht den durch ihre fundierte Ausbildung vielseitig einsetzbaren Maschinenbauingenieuren ein weites Berufsfeld offen. Heute arbeiten bereits rund 34 Prozent von ihnen im Maschinen- und Anlagenbau, rund 18 Prozent im Fahrzeugbau und rund zwölf Prozent in der Elektrotechnik und Elektroindustrie. Weitere Einsatzbereiche liegen beispielsweise in Konstruktionsbüros, in der Bau- und Grundstoffindustrie, in der Konsumgüterindustrie, in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie oder in Consultingunternehmen. Laut Prognos nimmt die Zahl der Arbeitsplätze zu, die aufgrund ihres Aufgabenprofils mit Ingenieuren oder Informatikern besetzt werden müssten. Die wachsende Vernetzung von Mechanik und moderner Maschinenbautechnologie mit der Elektronik und Informatik erfordere bei Maschinenbauingenieuren eine vermehrte Kompetenz im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien. Schon jetzt bestehe eine Unterversorgung und damit eine Nachfrage nach Ingenieurinnen und Ingenieuren dieses Fachbereichs.

Der Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), Professor Dr. Hubertus Christ, wies zuletzt Mitte Mai auf dem Ingenieurtag 2003 in Münster darauf hin, dass deutsche Technologien zwar weiterhin erstklassig seien, jedoch in Deutschland immer noch Fachkräfte fehlten. Pro Jahr betrage der Mangel mehrere tausend Ingenieurinnen und Ingenieure, Spitzenkräfte wanderten zunehmend ins Ausland ab. "Wir sind längst ein Auswanderungsland", so Christ wörtlich. Bundespräsident Johannes Rau betonte in seiner Rede auf der Veranstaltung, dass Ingenieure einen wichtigen Beitrag dazu leisten würden, eine lebenswerte Zukunft zu gestalten.

In der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) zählen der Maschinenbau und die Entwicklung industrieller Prozesse mit derzeit etwa 42.000 Beschäftigten zu den Kernkompetenzen, so eine aktuelle Studie über den Wirtschaftsstandort OWL der Initiative für Beschäftigung (IfB). "Der Markt benötigt dringend grundlegend ausgebildete Ingeneurinnen/ Ingenieure des Maschinenbaus mit IT-Anwendungskompetenz und Schlüsselqualifikationen", urteilt auch Professor Dr.-Ing. Ralf Hörstmeier, Dekan des Fachbereiches Maschinenbau der Fachhochschule Bielefeld und Vorsitzender des Teutoburger Bezirksvereins des VDI. Im Arbeitsmarktbericht 2002 des Arbeitsamtes Bielefeld heißt es: "Jüngere Maschinenbauingenieure mit kurzen Studienzeiten haben gute Arbeitsmarktchancen". Besonders die hohe Nachfrage der Wirtschaft nach Konstruktionsingenieuren mit CATIA V 5-Kenntnissen habe nicht abgedeckt werden können, deshalb habe das Arbeitsamt eine neunmonatige Weiterbildungsmaßnahme angeboten.

Die Arbeitsmarktexperten vom Hochschulteam des Arbeitsamtes Bielefeld empfehlen Berufseinsteigern, sich bei kleinen und mittelständischen Betrieben zu bewerben. Sie böten im Vergleich mit Großunternehmen zwar teilweise geringere Gehälter und Aufstiegschancen, dafür aber mehr Handlungsfreiheit und kürzere Entscheidungswege. "Wir würden es auf jeden Fall bedauern, wenn die zu wenigen Maschinenbauabsolventinnen und -absolventen auch noch abwandern würden", so Rolf Struppek, Geschäftsführer beim Bielefelder Unternehmen BOGE und Sprecher der Initiative Pro Maschinenbau OWL. "Um die Kernkompetenz Maschinenbau in der Region Ostwestfalen-Lippe in ihrer vollen Leistungsstärke zu halten, sind wir in den nächsten Jahren dringend auf Nachwuchskräfte angewiesen. Wir tun derzeit viel, um die Zahl der Studienanfänger am Fachbereich Maschinenbau der Fachhochschule zu steigern. Mit neuen Aktionsformen wollen wir insbesondere Schülerinnen und Schüler für das spannende und vielseitige Berufsfeld begeistern".