Studierenden-Netzwerk Enactus will Wissenschaft, Wirtschaft und Gemeinwohl verknüpfen / Bielefelder Team mit zahlreichen Projekten.
Bielefeld (fhb). Die Stadt ganz neu. Die Hochschule demnach auch. Keine Kontakte, erst einmal sortieren und Fuß fassen. "Ich bin dann beim Enactus-Team gelandet, da habe ich mich sofort wohl gefühlt, und wir haben seitdem eine Menge bewegt". Elena Seidler, 20 Jahre alt und damals aus Wesel angereist, beschreibt ihre ersten Tage an der Fachhochschule Bielefeld. Im Fach Wirtschaftspsychologie hatte sie sich zum Wintersemester 2012/13 eingeschrieben. Ihre Professorin Dr. Sybille Reichart hatte den Hinweis gegeben: "Enactus macht sinnvolle Projekte, über Enactus knüpft man Kontakte, nicht nur zu Kommilitonen, sondern auch zu Unternehmen und sozialen Einrichtungen." Hier einmal vorbeizuschauen, das würde sich lohnen. Mittlerweile sitzt Elena Seidler als Teamleiterin im Vorstand der Organisation, die Gutes tut und manchmal auch darüber redet.
"Unser Engagement ist grundsätzlich freiwillig, ehrenamtlich und soll der Gesellschaft dienen bzw. schwächer gestellten Mitgliedern der Gesellschaft. Alle finanziellen Mittel, welche entweder durch die Projekte generiert werden oder aus Spenden/Sponsoring-Einnahmen bestehen, werden ausschließlich für die Projektarbeit bzw. für die Teamentwicklung genutzt und nicht zum Zwecke der privaten Bereicherung." Eine Standortbestimmung, zu finden auf der Homepage unter www.unibielefeld.enactus.de.
Enactus ist nach eigenen Angaben "das weltweit größte Studierenden-Netzwerk mit dem Ziel, Unternehmergeist mit gesellschaftlichen Engagement zu verbinden". Enactus-Teams bringen, so heißt es weiter, "unternehmerisches Wissen aus unterschiedlichen Fachrichtungen in gesellschaftsrelevante Projekte ein, um dort 'Hilfe zur Selbsthilfe' für eine wirtschaftlich tragfähige Grundlage zu geben". Dabei wird Enactus von Top-Unternehmen unterstützt. "Das Ziel von Enactus ist die Verknüpfung von Wissenschaft, Wirtschaft und Gemeinwohl", so das Leitmotto der 1975 in den USA gegründeten "unpolitischen Non-Profit-Organisation" (Homepage). Zum Studierenden-Netzwerk gehören nach Enactus-Angaben derzeit 42.000 Studierende aus über 1.500 Hochschulen. In 40 Ländern ist die Organisation aktiv. Elena Seidler: "Wir sind Teil des Enactus Germany-Dachverbandes. Der Schwerpunkt des Enactus Engagements ist die Projektarbeit der einzelnen Teams." 2003 wurde Enactus Bielefeld gegründet und seitdem sind rund 20 Projekte erfolgreich abgeschlossen worden. Zweimal wurde sogar der organisationsintern ausgeschriebene Landeswettbewerb gewonnen.
Studierende von FH und Uni, eigentlich aus allen Fachbereichen, trainieren hier Seite an Seite, "ökonomische, soziale und ökologische Perspektiven bei der Erreichung von unternehmerischen und gesellschaftlichen Zielen richtig aufeinander abzustimmen" (Homepage). Aktuell zum Beispiel im Rahmen der Initiative "soziallokal", die bedürftige Menschen in der Region unterstützen will. Die Grundidee: An festgelegten Terminen spenden Unternehmen mindestens zehn Prozent ihres Tagesumsatzes an eine zuvor bestimmte bedürftige Institution oder ein soziales Projekt. Seidler: "Das ist keines der üblichen Spendenprojekte, wir wollen vielmehr Unternehmen, Kunden und Engagement in unserer Region zusammenbringen." Mittlerweile mit im Unternehmer-Boot: ein Restaurant, ein KfZ-Meisterbetrieb, eine Tanzschule, eine Dentalpraxis und ein Maßschneider. (Mehr darüber unter: www.soziallokal.de)
Die Bielefelder Hochschulgruppe trifft sich in ungeraden Kalenderwochen montags um 18 Uhr im Universitätshauptgebäude, Raum T2 - 141. Wer mehr aus seinem Studium machen möchte "als nur reine Vorlesungsbesuche und Klausurenpauken", der oder die ist "hiermit herzlich eingeladen, ein Teil des Enactus-Team-Bielefeld zu werden", verspricht die Homepage der gut 20 Personen starken Gruppe, die ihre Arbeit, ganz dem amerikanischen Vorbild folgend, unter das Motto gestellt hat: "Creating Responsible Leadership." Entscheidungsträger von morgen sollen lernen, mit ihrer Verantwortung umzugehen. Die Standortbestimmung auf der Homepage: "Wir sind der Meinung, dass wir mit unserem Engagement im regionalen Bereich entscheidende Veränderungen herbeiführen können, welche das Potential eines Multiplikators haben, um auf überregionaler Ebene positive Effekte zu erzielen."
Professorin Reichart weist auf weitere "Effekte" hin: "Über die Teilnahme an Projekten können Zertifikate ausgestellt werden. Und die sind manchmal der kleine, aber entscheidende Unterschied, ob man ein Stipendium bekommt oder die Zusage bei einem Arbeitgeber."
Elena Seidler über ihr ganz privates Enactus-Engagement: "Was man hier alles machen kann! Es ist richtig toll!" Oder anders ausgedrückt und in der zentralen Botschaft der "soziallokal"-Initiative wiederzufinden: "Nicht reden - machen!"