09.11.2012

Peter Ausländer, Dominic Becking und Georgios Lajios erhalten "Lehrpreis 2012"

Lehre ist wichtigste Aufgabe / Professorenamt "kein bloßer Job", sondern ein "wunderbarer Beruf".

Bielefeld (fhb). Der mit 6.000 Euro dotierte "Lehrpreis 2012" der Fachhochschule Bielefeld wurde gestern im feierlichen Rahmen im Videostudio des Fachbereichs Gestaltung verliehen. Preisträger sind: Prof. Peter Ausländer (Fachbereich Sozialwesen, 1. Platz), Prof. Dr. Dominic Becking (Fachbereich Technik, 2. Platz) und Prof. Dr. Georgios Lajios (Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik, 3. Platz). FH-Präsidentin Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff gratulierte und hob hervor, dass die Ausbildung des akademischen Nachwuchses nach wie vor die wichtigste Aufgabe der Hochschule sei: "Ihre besonderen Leistungen in der Lehre tragen dazu bei, dass sich unsere Studierenden bei uns gut aufgehoben fühlen."

Vizepräsident Prof. Dr. Andreas Beaugrand, zuständig für Studium und Lehre, zeigte sich von der Kandidatenkür angetan: "Die Kollegen überzeugen mit ihren didaktischen Konzepten und deren Umsetzung." Knapp 80 Lehrende hatten die Studierenden als "preiswürdig" vorgeschlagen, so viele wie nie zuvor. Beaugrand: "Die große Zahl verdeutlicht, dass die Studierende die Lehrleistungen vieler unserer Dozenten für auszeichnungswürdig halten. Das macht mich auch ein klein wenig stolz." Das Professorenamt sei "kein bloßer Job", sondern ein "wunderbarer Beruf", brachte Beaugrand seine Gefühlslage auf den Punkt. 

Die mit hochschulinternen und externen Mitgliedern besetzte Jury hatte "die Qual der Wahl", so Dr. Karin Ilg, die Leiterin der Hochschulbibliothek. Es gab eine ganze Reihe "vorzüglicher Bewerbungen". Nur drei konnten aufs Treppchen.

Professor Peter Ausländer leitet im Studiengang 'Pädagogik der Kindheit' den Schwerpunkt "Musikalische Bildung". Hier lernen die Studierenden, auf wie vielfältige Weise sie Kinder dazu anregen können, musikalische Interessen und Neigungen zu entwickeln und ihnen Möglichkeiten zu eröffnen, sich auf möglichst hohem Niveau musikalische Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse anzueignen. "Lehrkonzept Improvisation", nennt Ausländer seinen didaktischen Ansatz, und schon die Namensgebung verdeutlich, dass es ihm um studentische Eigeninitiative, Selbsterkundung, Förderung von Neugier und auch gemeinschaftlichem Erleben im Unterricht geht.

Sein Laudator Prof. Dr. Horst Weishaupt hielt fest: "Peter Ausländer sucht das Gespräch als echte Auseinandersetzung, ihm gelingt es, mit überraschenden Wendungen eines Gesprächs und originellen Einsichten die Gesprächspartner zu irritieren und herauszufordern. Damit charakterisiert er sich zugleich als ein in hohem Maße an anderen Menschen interessierter Mensch."

Wichtig sei ihm "der Begriff der Aneignung", um zum Ausdruck zu bringen, dass Lernsituationen notwendig sind, in denen der Lernende sich selbst zur aktiven Auseinandersetzung mit einer Aufgabe herausgefordert fühlt. Und wichtig seien ihm auch, so Weishaupt, "die sozialen Erfahrungen, der kommunikative Aspekt von Musik und ein experimenteller Umgang mit Tönen, Klängen und Rhythmen, die Verbindung von Musik und Tanz, von Klängen, Geräuschen und Texten". Um die in diesem Spektrum gegebenen Möglichkeiten auszuloten, bringe Ausländer seine Erfahrungen mit neuer Musik und dem ein, "was man als Weltmusik bezeichnet, die Musik der unterschiedlichsten Völker und Kulturen".

Professor Ausländer ist Musik- und Kunstlehrer, ausübender Musiker, Aktionskünstler. Er baut Klangkörper, installiert Klangpassagen und Lauschgärten, dies vor allem im Zusammenwirken mit Kindern. Der Schwerpunkt "Musikalische Bildung" ist ein Modellprojekt der FH Bielefeld in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung und der Peter Gläsel Stiftung. In der Wahl der Zugangskriterien zu diesem Studiengang und seiner inhaltlichen und didaktisch-konstruktivistischen Konzeption sei er beispielhaft für Programme einer verbesserten musikalischen Qualifizierung der Erzieherinnen und Erzieher in Kindertageseinrichtungen. Weishaupt: "Man kann nur hoffen, dass ähnliche Ausbildungsgänge an anderen Hochschulen entstehen, die sich an dem hiesigen Studienprogramm ausrichten." 

Prof. Dr. Dominic Becking, seine Lehrgebiete sind "Datenbanken und Informationssysteme", kennt sowohl die technisch-nüchtern-logische Seite des Informatiker-Berufs als auch die kreativ-emotional-experimentelle des (Freizeit-)Musikers. Am liebsten würde er zeitnah einen Studiengang einrichten, der beide Welten zusammenbringt.

Sein Motto: "Alles Leben ist Problemlösen." Sein Ziel als Hochschullehrer: "Studierende zu selbstständigem wissenschaftlichem Arbeiten zu befähigen." Die Lehre müsse den Voraussetzungen und dem Vorwissen der Studierenden angepasst werden. Die angebotenen Bestandteile der Lehre sollten so gestaltet sein, dass sie dem Problemlösungsprozess dienen. Becking: "Es kann keine vorgefertigten oder antizipierten Lernwege oder Lernpfade geben, jedem Lernenden muss die Möglichkeit gegeben werden, Umwege zu gehen."

Sowohl die Lehre selbst als auch die Betreuer müssten in der Lage sein, den Bemühungen der Lernenden um Wissenserwerb eine Richtung zu geben. "Die Lehre darf keine zu engen Grenzen haben, die Studierenden müssen innerhalb des geschützten Raums ihr neu erworbenes Wissen vernetzen und produktiv auf andere Bereiche übertragen können", stellt der Informatiker und ausgebildete Gymnasiallehrer fest. Seinen Studierenden bietet er Freiräume an. Becking: "Will man die Stärkung der Selbstverantwortung der Studierenden als Prinzip der Hochschulausbildung ernst nehmen, drängt sich die Frage auf, ob nicht in sorgfältig vorbereiteten Lernszenarien gerade Laissez-Faire ein zielführender Stil sein kann."

Prof. Dr. Georgios Lajios, er vertritt die Mathematik, Angewandte Informatik und Operations Research, begegnet den Schwierigkeiten der Mathematik-Studierenden im ersten Studienjahr mit einem Bündel von Einzelmaßnahmen: konkretes Lernen am Beispiel, exploratives, auch fächerübergreifendes Lernen,  dies alles in Kombination moderner und klassischer Medien, "mit vielen Tafelbeispielen zu den Folien und gedruckte Skripte statt nur elektronische Version", so Lajios. Er nutzt die hochschulweit installierte ILIAS-Plattform und setzt auf E-Learning als ergänzende Vermittlungsform zum Selbstlernen. Seinen Studierenden empfiehlt er Teamarbeit in Tutorien.

Allerdings können nicht alle Probleme gelöst werden. Professor Lajios: "Mathematik ist und bleibt für einige Studierende ein Angstfach, und die Vorkenntnisse sind sehr unterschiedlich. So sinnvoll unsere Vorkurse sind, wir können nicht in zwei Wochen alle Studierenden auf ein Niveau bringen."

Für den gelungenen musikalischen Rahmen der Preisverleihung sorgten Studierende des Fachbereichs Sozialwesen unter der Leitung von Peter Ausländer. Die Fachhochschulgesellschaft unterstützt den Lehrpreis mit 3.000 Euro. Weitere 3.000 Euro stellt das Präsidium zur Verfügung. Das Geld wird von den Preisträgern zur kontinuierlichen Verbesserung der Lehre verwendet.