25.07.2011

Prof. Hörstmeier setzt Qualitätsoffensive für Rollstuhlversorgung fort

Fachtagung „Roll & Control on tour“ macht in Duisburg Station. / Ein Plus für Nutzer, Hersteller, Fachhandel und Kostenträger.

Bielefeld / Duisburg. Aktive Fahrer und Fahrerinnen sitzen täglich bis zu 16 Stunden in ihren Rollstühlen. Wie technische Innovationen aus Forschung und Entwicklung und eine gute medizinisch-fachliche Beratung zu einer besseren Hilfsmittelversorgung führen können, dazu startete die Fachhochschule Bielefeld 2010 zusammen mit am Versorgungsprozess Beteiligten eine Qualitätsoffensive. „Roll & Control on tour“, eine „wandernde Fachtagung“, ist die diesjährige Fortführung dieser Offensive. Mit mehreren Dutzend Verbandsvertretern, Entscheidungsträgern, Fachleuten und Interessierten diskutierten Initiator Professor Dr.-Ing. Ralf Hörstmeier und sein Hochschulteam vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik jetzt in Duisburg.

Das Interesse ist von allen Seiten groß. Rollstuhlnutzerinnen und -nutzer wünschen sich individuell einstellbare, energetisch optimale Rollstühle. Ärzte und medizinische Fachkräfte suchen nach der gesundheitlich besten Lösung für ihre Patienten. Hersteller wollen ihren Kunden Qualität bieten bei hohen Absatzzahlen und einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Krankenkassen unterstützen die Rehabilitation beziehungsweise die Mobilität ihrer Mitglieder. Der Fachhandel ist an einem ausgewogenen Kosten-Nutzen-Verhältnis und zufriedenen Kunden interessiert. „Auf der Grundlage der Ergebnisse und Erkenntnisse verschiedener Forschungsprojekte der Fachhochschule Bielefeld ließe sich vieles gezielt optimieren“, so Prof. Hörstmeier.

Mit seinem Wissenschaftsteam beschäftigt er sich seit Jahrzehnten mit Rädern und Rollsystemen. Seit 2005 wird das „bewegende“ Thema am hochschuleigenen Kompetenzzentrum für Bewegungsvorgänge (KfB) auch unter dem Aspekt Mensch, Gesundheit und Technik beleuchtet. Nach der Erforschung von technischen Verbesserungsmöglichkeiten des Rollstuhlkomforts entwickelten die Ingenieur- und Gesundheitswissenschaftler 2008 ein so genanntes Energiecluster, mit dem sich der Energieaufwand beim Antrieb manueller Rollstühle messen und verschiedene Modelle klassifizieren und damit vergleichen lassen. In den Laboren des europaweit einzigartigen, neutralen KfB stehen eigens dafür entwickelte Prüfstände und spezielle Mess-Systeme bereit.

Nach der Präsentation der Forschungsergebnisse und dem intensiven Austausch in Workshops auf der ersten Roll & Control waren sich die 130 Vertreterinnen und Vertreter verschiedener (Fach-)Bereiche im April 2010 einig, dass der Versorgungsprozess noch deutlich verbessert werden kann. Jetzt gingen Hörstmeier und sein Team „on tour“ nach Duisburg und holten weitere an der Versorgung Beteiligte in den Regionen an einen Tisch: Wissenschaftler, Rollstuhlhersteller, Fachhändler, Fachkräfte von Krankenkassen und zahlreiche Rollstuhlnutzer.

In Referaten und Workshops wurde über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse informiert und das Wissen um den Energieaufwand beim Rollstuhlfahren vertieft. „Die Zielsetzung des Austauschs ist eine bessere Versorgung mit und die Nutzung von manuellen Rollstühlen und damit mehr Mobilität und Teilhabe für Menschen mit Behinderungen“, so Hörstmeier, der mit seinem Referatsthema „Qualitätssteigerung in der Versorgung. Ein Plus für Nutzer, Hersteller, Fachhandel und Kostenträger“ sein Energiecluster als künftiges Qualitätssiegel für Rollstühle vorstellte. Er appellierte an alle Beteiligten, den Rollstuhlnutzer selbst im Blick zu behalten, denn dieser sei „der Kunde“.