Hettich-Ingenieur Srikanthan Mahendrarajah spricht über Integration und wirbt für Auslandsaufenthalte und interkulturelle Kompetenz
Bielefeld (fhb). "Einen Auslandsaufenthalt, wenn möglich schon während des Studiums, empfehle ich Ihnen ausdrücklich. Sie sollten die Welt kennenlernen, das bereichert Sie persönlich, das hilft natürlich auch bei der beruflichen Karriereplanung." Srikanthan Mahendrarajah blickt in den mit Maschinenbau-Studierenden gut gefüllten Großen Hörsaal der FH Bielefeld und legt nach: "Interkulturelle Kompetenz ist wichtiger denn je. Das gilt auch für den Ingenieurnachwuchs. Englisch ist heutzutage Standard. Man muss sich nur trauen."
Wirtschaftsingenieur Mahendrarajah selber ist ein Beispiel gelungener Integration und gelebter Internationalität. Er arbeitet bei Hettich, einem der größten Hersteller von Möbelbeschlägen weltweit mit rund 5.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Stammsitz des Familienunternehmens ist Kirchlengern. Auf der Firmen-Homepage wird in diesem Zusammenhang auf "die Heimat" des Unternehmens verwiesen. Es bekennt sich zu Ostwestfalen-Lippe und ist einer der vielen hier ansässigen "hidden champions", der unbekannten Weltmarktführer.
Mahendrarajah kümmert sich um technische Projektierungen, um Logistik und Produktionsabläufe. Er ist unter anderem im Norden Indiens unterwegs, gar nicht so weit weg von seiner eigentlichen Heimat Sri Lanka. 1990 musste er mit seiner Familie im Alter von gerade einmal zweieinhalb Jahren die Insel aus politischen Gründen verlassen. Die Auswirkungen des Bürgerkriegs zwischen Tamilen und Singhalesen ließ keine andere Wahl. Flüchtling Mahendrarajah kam zunächst in Franken auf dem Lande unter und siedelte 1995 nach Dortmund über, wo er Jahre später sein Abitur ablegte und ein erfolgreiches Wirtschaftsingenieurstudium, inklusive Auslandssemester in Schweden, an der dortigen Universität abschloss. Mahendrarajah: "Die Integration in Deutschland hat sehr gut geklappt. Mit meiner schulischen und akademischen Ausbildung bin ich sehr zufrieden." Eine Ausbildung, quasi als Eintrittskarte für einen Platz in einem international tätigen Unternehmen.
Prof. Dr.-Ing. Bruno Hüsgen, der Leiter des Studiengangs Maschinenbau am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik, pflegt intensive Kontakte zum Unternehmen Hettich, lernte Mahendrarajah kennen und lud ihn zum Vortrag ein. Hüsgen: "Er ist sicherlich auch ein gutes Beispiel dafür, wie die Integration von Flüchtlingen gelingen kann. Ohne eine gute Ausbildung und einen attraktiven Arbeitsplatz wird es deutlich schwieriger."
Mit der Firma Hettich verbindet den Fachbereich eine besondere Nähe. Von der Betreuung der Erst-Semester durch das Unternehmen über die Teilnahme am Programm "Hettich Experience" - hier erlernen die Studierenden erfolgreiches Projektmanagement in die Praxis umzusetzen, bis hin zur Kontaktpflege mit den Absolventen. Hüsgen: "Familienunternehmen sind in der Regel besser aufgestellt, weil sie den Erfolg von übermorgen sichern wollen. So kümmern sie sich intensiv um die eigenen Mitarbeiter und bieten kontinuierlich Trainee-Programme zur Weiterqualifizierung an."
Srikanthan Mahendrarajah kennt entscheidende Qualifizierungsmerkmale für die nationale und internationale Tätigkeit: "Team-Fähigkeit, Kommunikations- und Kritikfähigkeit, Eigeninitiative und Selbstständigkeit, mit diesen persönlichen Eigenschaften kommt man weit."
Er selber ist, wie gesagt, das Beispiel einer gelungenen Integration. Vom Flüchtling in einem bis dahin unbekannten Land, hin zu einem Mitglied der Gemeinschaft. "Natürlich ist Deutschland meine Heimat. Hier bin ich groß geworden, hier fühle ich mich Zuhause." Dass ihn das berufliche Fernweh gepackt hat, passt zu seinem Weltbild. Er versteht sich als "Weltenbürger", spricht Deutsch, Englisch und Tamilisch gleichermaßen gut. Srikanthan Mahendrarajah: "Da ich momentan viel in Indien zu tun habe, bin ich dabei, Hindi zu lernen." Neugierde und Durchhaltevermögen gehören wohl auch zum Kanon der Eigenschaften eines erfolgreichen Ingenieurs.