Verkehrswacht Minden-Lübbecke sensibilisiert mit Simulatoren für sicheres Fahren.
Minden (fhb). „Das ist hier genau unsere Klientel“, freut sich der Geschäftsführer der Verkehrswacht Minden-Lübbecke, Dieter Rohlfing. Er hatte die Idee, den Aktionstag „Junge Fahrer“ auf dem Campus Minden der Fachhochschule (FH) Bielefeld anzubieten. Am 19. Oktober war es soweit: Vor der Mensa und im Mensagebäude wurden vier Simulatoren aufgebaut sowie eine Station, an der man Sehkraft und Reaktionsvermögen testen konnte.
Am PKW Fahrsimulator, einem umgebauten Smart Cabriolet, erklärte Annika Janssen, wie dramatisch sich die Reaktionszeit verlängert, wenn man Alkohol getrunken hat. Im Cockpit des Automatikwagens galt es, verschiedene Streckenabschnitte innerorts und außerorts zurückzulegen und auf Hindernisse zu reagieren. Anschließend zeigte Janssen die gefahrenen Frequenzen erneut, dieses Mal in der Simulation mit 0,8 Promille. „Das Sichtfeld der Fahrenden ist unter Alkoholeinfluss eingeschränkt. Die Reaktionszeit beträgt teilweise doppelt so lange wie im nüchternen Zustand. In einigen Fällen knallt es dann einfach.“
Der Motorradsimulator misst, ähnlich wie der PKW-Simulator, die Reaktionszeit, den Bremsweg und den Anhalteweg. Obwohl den Teilnehmenden gesagt wurde, dass jede Sekunde ein Hindernis auftauchen kann, reichte so mancher Bremsversuch nicht aus, um einen Unfall zu verhindern.
Spektakulär wird es ebenfalls, wenn der Überschlagsimulator in Aktion tritt: Eine Mercedes A-Klasse wird zunächst hydraulisch hochgepumpt und dreht sich um die Längsachse, bis die Insassen kopfüber in den Gurten hängen. „Hier wollen wir demonstrieren, wie man sich aus dieser Position befreien kann, wenn das Auto nach einem Unfall kopfüber liegen bleibt“, erklärt Rohlfing. Denn der Gurt löst sich nicht automatisch und man muss beim Abschnallen darauf achten, nicht mit dem Kopf nach unten zu stürzen. Menan Akkus und Andrej Kieseler, beide Architekturstudenten im ersten Semester, haben es ausprobiert und sich nach wenigen Sekunden erfolgreich aus dem Wagen befreit.
Einen ziemlich lauten Knall erzeugt der Gurtschlitten, in dem ein Proband im Autositz eine Strecke von gut drei Metern heruntergleitet. In diesem Simulator wird ein Aufprall mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 14 Stundenkilometern nachgestellt. Was vom Tempo her recht gemächlich aussieht, schüttelt den Testfahrer ganz schön durch. Fadil Avdi, Student im dritten Semester Projektmanagement Bau, hat es ausprobiert. Rohlfing erklärt: „Der Aufprall entspricht etwa einem Realunfall bei 50 Stundenkilometern.“
Wenngleich die Studierenden die Simulatoren mit einem Lachen testen und dabei von ihren Kommilitonen mit dem Smartphone gefilmt oder fotografiert werden – der Hintergrund ist ernst. Und vielleicht konnte die Verkehrswacht mit der Aktion für mehr Aufmerksamkeit am Steuer sensibilisieren und den einen oder anderen Unfall verhindern.