Unternehmen konnten im Rahmen der Aktion Leinart der Kaufmannschaft Altstadt einen Leineweber erwerben und von Künstlern gestalten lassen. Vier der 50 Leineweber, die zwischen Juli bis September zu sehen sein werden, haben Studierende der FH Bielefeld gestaltet.
Oberbürgermeister Eberhard David hat das Geheimnis gelüftet (abgebildet auf unserer Hompage bis 25. Juni): Hinter dem weißen Tuch befindet sich ein seltenes Exemplar des YETI Weber, der laut einer Forschergruppe aus den Tiefen des Transhimalaya unter bisher ungeklärten Umständen in die Hügellandschaft Ostwestfalens gelangte. Gelbe Tulpe bevorzugt YETI Weber, der sich rein vegetarisch ernährt, gutartig soll er sein und bereit zu kooperieren. Er ist einer der vier Leineweber, die Studierende der FH Bielefeld im Rahmen der Aktion Leinart der Kaufmannschaft Altstadt für Bielefelder Unternehmen gestalteten. Der Leineweber ist Sinnbild der wirtschaftlichen Entwicklung Bielefelds, die einst eng verbunden war mit der Leinenherstellung. Aus Verbundenheit mit ihrer Stadt konnten Unternehmen im Rahmen der Aktion Leinart der Kaufmannschaft Altstadt einen Leineweber erwerben und von Künstlern gestalten lassen. Vier der 50 Leineweber, die zwischen Juli bis September an verschiedenen Orten der Stadt zu sehen sein werden und am Wochenende auf dem Altstädter Kirchplatz präsentiert wurden, haben Studierende der FH Bielefeld im Auftrag der Sponsoren gestaltet. Die Leineweber werden nach Abschluss der Aktion zugunsten der Krebsstation der Kinderklinik Bethel versteigert.
Der YETI Weber
Studierende des Fachbereichs Sozialwesen gestalteten den Leineweber der Commerzbank Bielefeld. Soziale, pädagogische und gestalterische Aspekte sind in das Ergebnis eingegangen. Aus mehreren Entwürfen wurde der Yeti Weber ausgewählt. Das Projektteam bestehend aus Katja Majewski, Svenja Schildknecht, Elke Wiggering und Stefan Kollertz unter der Leitung von Professor Christoph Rust entwickelte die Geschichte des YETI Webers.
Im Sommer 2001 gelangte aus den Tiefen des Transhimalay unter bisher ungeklärten Umständen ein seltenes Exemplar des YETI Webers in die Hügellandschaft Ostwestfalens. Eine Subspezies des Homo asia pithecus, stellt er mit seinem seidigen Fell und verkennbar hutähnlicher Kopfform eine der letzten unverseuchten Genpoolreserven der frühen Menschheitsgeschichte dar. Er ernährt sich rein vegetarisch, vorzugsweise von gelben Tulpen. Um Panik zu vermeiden, so das Projektteam, wurden in einem zweijährigen Forschungsprojekt der FH Bielefeld die näheren Lebens- und Verhaltensweisen des YETI Weber untersucht. Das aufwendige Forschungsprojekt konnte durch die großzügige Unterstützung der Commerzbank Bielefeld realisiert werden. Erste Kontaktaufnahmen des Teams von Professor Rust von der Forschungsstelle Anthropologie des Fachbereichs Sozialwesen führten zu dem Ergebnis, dass YETI Weber gutartig und zur Kooperation bereit ist.
Der JABstronaut
Claudia Schulz und Anja Wolf, Studentinnen am Fachbereich Gestaltung, setzen das Konzept von Sigrid Frommberger von JAB Anstoetz um. Vor fast genau 34 Jahren, am 21. Juli 1969, betrat mit Commander Neil Armstrong zum ersten Mal ein Mensch den Mond. Ein kleiner Schritt für ihn, ein großer für die Menschheit. Der Astronaut als Sinnbild für den Aufbruch in eine neue Dimension und einen optimistischen Blick in die Zukunft scheine wie geschaffen für die Gestaltung des Leinart von JAB Anstoetz, "denn auch wir erobern neue Welten - neue Wohnwelten", heißt es im Konzept. Für Claudia Schulz und Anja Wolf war die Umsetzung dieses Konzepts eine Herausforderung. "Der Leineweber musste komplett eingekleidet werden und sämtliche Accessoires wie Astronautenhelm und Schuhe mussten wir berücksichtigen. Die Materialien mussten zudem wetterfest sein", so die beiden künftigen Mode-Designerinnen. Für die künstlerische Umsetzung standen ihnen sämtliche Materialien des Unternehmens zur Verfügung. Das Projekt habe ihnen die Möglichkeit geboten, bisher erlernte Fähigkeiten und Kenntnisse einzusetzen und er Öffentlichkeit zu präsentieren. "Auch das Vorhaben, die Erlöse der Versteigerung, dem Kinderklinik Bethel zu spenden, möchten wir gerne unterstützen", so die beiden Studentinnen.
Stern-Stunden
Axel Richter, Stefan Bönisch und Andreas Nickel studieren Grafik-Design am Fachbereich Gestaltung und gestalteten den Leineweber im Auftrag der Mercedes-Benz Niederlassung in Ostwestfalen-Lippe. Axel Richter hat bereits eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer absolviert, Stefan Bönisch sammelte erste Berufserfahrungen in einer Werbeagentur und Andreas Nickel nahm schon an mehreren Wettbewerben teil. Ihr Statement zum Projekt: "Der Leineweber steht für die Tradition Bielefelds. Er symbolisiert das Spannungsfeld von Mechanisierung und Industrie auf der einen und traditionellem Handwerk auf der anderen Seite. Die Ideenfindung zur kreativen Gestaltung des Leinarts für die Mercedes-Benz Niederlassung OstWestfalenLippe basiert auf der perfekten Symbiose der geschichtlichen Tradition Bielefeld und der modernen Mobilität, insbesondere dem zukunftsweisenden Fortschritt von Mercedes-Benz." Die öffentlichkeitswirksame Präsentation und die anschließende Versteigerung der Kunstobjekte sei ein weiterer Ansporn gewesen, einen Leinart in künstlerischer Perfektion zu gestalten - "ein Identifikationsobjekt für Bielefeld und die Region OstWestfalenLippe."
"Duplizität der Erkenntnis"
Für TNS Emnid setzten Kathrin Fleischmann und Simon Wedekind das Projekt Leinart um. Kathrin Fleischmann findet ihren künstlerischen Antrieb in der "Konzentration auf das Wesentliche". Simon Wedekinds künstlerische Philosophie liegt in dem Glauben, dass "die Wahrheit ein großer Fehler ist und die Realität und Wahrheit häufig dazu dienen, fragwürdige Entscheidungen zu rechtfertigen. Wahrheiten gibt es mindestens so viele wie es Menschen gibt, welche ist wohl die "Richtige". Die Aufgabe des Künstlers sollte es sein, vermeintliche fundamentale Wahrheiten zu dekonstruieren." Beide künstlerischen Philosophien spiegeln sich auch in der Umsetzung für TNS Emnid wider. Der Leineweber als personifizierter Konsument mit geschultertem Marken-Warenkorb als Symbol für individuelles Kaufverhalten im Markt der Marken und Meinungen steht im Einklang mit dem Business der Bielefelder Markt-, Media- und Meinungsforscher von TNS Emnid und dem Betrachter. Durch Befragungen vieler Einzelpersonen werden Erkenntnisse aus einer Vielzahl an Aussagen ermittelt. Der Leineweber als Stereotyp kann die Personifizierung eines jeweils ermittelten idealtypischen Konsumenten sein. Er verkörpert somit nicht nur die ermittelten Erkenntnisse vergangener Tage, sondern auch die aus heutiger und zukünftiger Sicht.
Durch die Konfrontation des Betrachters mit dem Leineweber als Konsumenten und dem Zweck der Erforschung des Konsumverhaltens durch TNS Emnid entsteht ein Dialog zwischen der Figur und dem Betrachter, dessen Ziel die Selbstreflexion als "Duplizität der Erkenntnis" ist - quasi als Dekonstruktion der erforschten Wahrheit des eigenen Verhaltens. Umgesetzt wird dieser Gedankengang durch eine sandige Oberflächenstruktur. Sand als Symbol für die Vielzahl von Individuen, Informationen und Zahlen: ein Sandkorn allein ist wertlos, nur aus einer "Menge" an Sandkörnern, also einer Vielzahl gebündelter Einzelinformationen, ergibt sich die Möglichkeit zum Handeln.
Und auch hier zeigt sich in der Person des Leinewebers die Aufgabe der Markt-, Media- und Meinungsforschung. Die Zahlen- und Umfrageergebnisse auf dem Sockel symbolisieren dabei die Basis der empirischen Marktforschung. Aber Zahlen allein sagen nicht alles. Unternehmen brauchen mehr als reine Fakten, sie brauchen Einblicke und Verständnis, die sie nur gewinnen können, wenn sie wissen, was sich hinter den Zahlen, zwischen den Zeilen, hinter den Trends verbirgt. TNS Emnid's Bestreben ist genau dieses Wissen um die Märkte seiner Kunden, diese zu interpretieren nach Chancen und Risiken, diese zu entwickeln und Fenster für die Zukunft zu öffnen. Der Mantel des Leinewebers als Symbol für Wärme, Schutz und Sicherheit reflektiert hierbei die Philosophie des Emnid Institutes: TNS Emnid liefert seinen Kunden die Informationen, die Entwicklungen für innovative Lösungen erkennbar machen - intelligente Informationen mit Durchblick - TNS Emnid ist "the sixth sense of business"
Die Fotos haben eine Auflösung von 300 dpi und können heruntergeladen werden. Honorarfreier Abdruck; bitte beachten Sie die Fotografenangabe.