19.06.2013

Was Mode aus Menschen macht

Endspurt der Vorbereitungen zur Modenschau 2013.

Bielefeld (fhb). Noch etwas mehr als eine Woche bleibt Zeit, um die Outfits für die Models anzupassen und Kleinigkeiten umzunähen. Unter dem Motto "Durchblick" präsentiert sich die diesjährige Modenschau der Studierenden der Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Gestaltung. Der Laufsteg ist am Donnerstag und Freitag, 27. und 28. Juni, für die Abschluss- und Studienarbeiten freigegeben. Darunter sind zwei Master- und neun Bachelor-Arbeiten sowie über 30 Projekt- und Semesterarbeiten. Dabei geht es nicht nur um schöne Kleidung, sondern auch um das, was sich hinter der Mode verbirgt und was sie aus Menschen macht. Masterstudentin Sandra Goldmann und Bachelorstudentin Susann Krug haben sich mit dem Einfluss der Kleidung auf den Träger beschäftigt und sind in ihren Entwürfen doch zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen gekommen.

Neun Outfits für Frauen hat die 26-jährige Sandra Goldmann kreiert. Bei ihr geht es um den "Dialog" zwischen Körper und Kleidung sowie zwischen Träger und Umwelt. Was so theoretisch und schon fast philosophisch daherkommt, hat eigentlich einen ganz praktischen Ansatz. "Wie verändert sich etwa das Körpergefühl bei flachen oder hohen Schuhen und wie wirke ich auf andere Menschen in Kleidung, die etwa die Silhouette komplett verändert?", erklärt Goldmann ihre Arbeit. Einen Teil ihrer Outfits hat sie deshalb mit zusätzlichen Stoffflächen versehen, auf die sie Muster und Farben projizieren wird. "Dadurch, dass sich etwas auf der Kleidung verändert, verändert sich auch das Stück an sich", erklärt Goldmann ihre Überlegungen.
Im letzten Wintersemester hat sie bereits mit der Recherche zu ihrem Masterthema begonnen und in diesem Semester konkret mit ihren Entwürfen begonnen. "Das hätte ich aber nicht geschafft, wenn mir meine Kommilitonen nicht so viel beim Nähen geholfen hätten", sagt Goldmann.

Während für den Masterabschluss mindestens acht komplette Outfits genäht werden müssen, sollen die Bachelorstudierenden mindestens drei Entwürfe vorlegen. Susann Krug hatte aber gleich so viele Ideen, dass es für sechs gereicht hat. Sie hat überlegt, welche Art von Mode Menschen anzieht, mit der sie sich eine neue Form geben und vielleicht auch die eine oder andere Täuschung hervorrufen können. Vorbilder dafür hat sie in der Kunst und der Natur gefunden. "In der Kunst spielt die "Optical Art" durch geometrische Formen mit der optischen Wahrnehmung des Betrachters und in der Natur nutzen manche Tiere und Pflanzen Signalfarben von anderen Arten, um sich vor Feinden zu schützen", erklärt Krug. Diese Formen und Farben hat sie aufgegriffen und auf ihre Outfits übertragen. So sind unter anderem Metallaccessoires für ein Kleid entstanden, zu denen sie der rosa Farbverlauf der Seeanemone inspiriert hat. "Es ist eine sehr kommerzielle Kollektion geworden. Mir geht es hauptsächlich um den ästhetischen Aspekt und dass die Outfits tragbar sind", sagt Susann Krug.

Mit der Werkschau am 5. bis 7. Juli, in der alle Bachelor- und Masterabsolventen vom Fachbereich Gestaltung ihre Abschlussarbeiten zeigen, geht für beide die Zeit an der FH Bielefeld erst einmal zu Ende. "Ich habe noch keine konkreten Pläne, ich habe meine ganze Konzentration erst einmal in den Abschluss und die Modenschau gelegt", sagt Sandra Goldmann. Auf jeden Fall wird sie in ihre Heimat München zurückgehen und sich zuerst in der Modebranche umschauen, bevor sie einen festen Job annehmen wird.
Auch Susann Krug wird das nächste Jahr mit Praktika verbringen. "Ich gehe nach Berlin und werde das ein oder andere ausprobieren. Ob ich danach den Master mache, weiß ich noch nicht und wo, auch noch nicht", erzählt sie.

Aber zunächst muss die Modenschau über die Bühne gebracht werden. Mittlerweile sind alle Models gecastet und zugeteilt, so dass die Feinarbeiten an den Outfits beginnen können. Besonderer Ansporn für die Modestudierenden ist auch in diesem Jahr die Verleihung des Bielefelder Modepreises für Jungdesigner. Insgesamt drei Preise werden für die bes­ten modischen und künstlerischen Ab­schlusskollektionen sowie für die beste Semesterarbeit vergeben.
Die Modenschau wird in vier Durchläufen gezeigt. Am Donnerstag, 27. Juni, und am Freitag, 28. Juni, jeweils um 18.30 und um 21 Uhr im Ringlokschuppen. Der Modepreis wird im Anschluss an die 21 Uhr-Show am 28. Juni verliehen.
Karten gibt es in den Geschäftsstellen der Neuen Westfälischen, des West­falen-Blatts und der Tourist-Infor­mation Bielefeld. Preis: 15 Euro, ermäßigt 13 Euro.