Bielefeld (fhb). Die Teilnehmerinnen der Tagung waren sich einig: Das Thema Frauenpolitik an Hochschulen sei noch lange kein Auslaufmodell. Zwar gebe es inzwischen Hochschulen, die, wie beispielsweise die Fachhochschule Bielefeld mit 29 Prozent, einen hohen Professorinnenanteil aufweisen. Jedoch ist das eher die Ausnahme. Bundesweit seien diese Anteile im vergangenen Jahrzehnt nur um wenige Prozentpunkte gestiegen, so Ingrid Haasper, Sprecherin der BuKoF-Kommission, die zudem feststellte: "Es wird immer noch geschlechtsspezifisch studiert, orientiert an klassischen Frauen- und Männerberufen. Es gibt also noch viel zu tun."
BuKoF steht für 'Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen'. Deren Jahrestagung wurde jetzt vom 25. bis 27. Mai an der Fachhochschule Bielefeld durchgeführt. Hildegard Schumacher-Grub, die Gleichstellungsbeauftragte der FH Bielefeld, hatte eingeladen, über 50 Teilnehmerinnen kamen und diskutierten die Entwicklung der Gleichstellungspolitik bundesdeutscher Hochschulen. In ihrer Begrüßung hatte die Präsidentin der FH Bielefeld, Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff, die "Fortschritte in jüngster Vergangenheit" hervorgehoben, zugleich aber darauf verwiesen, dass noch Handlungsbedarf bestehe, "um Nachwuchswissenschaftlerinnen in Forschung und Lehre einzubinden, etwa durch so genannte Junior-Professuren".
Im Fokus der Tagung stand der Paradigmenwechsel in der Gleichstellung und damit die Frage, ob Gleichstellungspolitik, also die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit, zukünftig durch Diversitymanagement ersetzt wird: durch ein Konzept, das die Verschiedenheit der Beschäftigten im Unternehmen beachtet und zum Vorteil aller Beteiligten nutzen möchte.
Als Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre das Ziel einer geschlechtergerechten Gestaltung der Hochschulen und das Amt der Frauenbeauftragten erstmalig in den Hochschulgesetzen einiger Länder systematisch verankert wurde, war das eine Reaktion auf die Tatsache, dass Frauen damals im Wissenschaftssystem grundsätzlich und an Hochschulen insbesondere eklatant unterrepräsentiert waren. "Das wichtigste Ziel der Frauenbeauftragten war in diesen Jahren, den Professorinnenanteil zu steigern und in Berufungsverfahren für Transparenz und Qualität zu sorgen, damit Frauen überhaupt Chancen in Berufungsverfahren hatten", erinnert sich Haasper.
Im Zuge der Hochschulreformpolitik und der Einführung neuer Steuerungsmodelle sowie des politischen Prinzips 'Gender Mainstreaming' Ende der 90er Jahre wuchs der Wettbewerb unter den Hochschulen. Und damit stiegen auch die Qualitätsanforderungen an das Hochschulmanagement und an die Hochschul-Frauen- und Gleichstellungspolitik. Haasper: "Chancengleichheit und Frauenförderung sind heute wichtige Elemente der Politik und ein Beitrag zur Qualitätssicherung, Leistungssteigerung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sowohl der Hochschulen als auch der Gesellschaft und Wirtschaft insgesamt."
Folgerichtig, so die BuKoF-Sprecherin, hätten deshalb inzwischen auch viele Hochschulleitungen das Thema für sich entdeckt und stellten finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung. Heute tummeln sich im Feld der Gleichstellungspolitik in Lehre, Forschung und Management viele Akteurinnen: als Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragte, als Mitarbeiterinnen und Referentinnen im dazugehörigen Büro, auf Professuren für Geschlechterforschung und Diversity, in Geschlechterforschungszentren, auf Stabsstellen zum Beispiel für Gender-Mainstreaming, Gender Controlling, Chancengleichheit und auf dem Hintergrund des Diversity-Konzeptes, in Familienbüros, in (Dual)-Career Centern.
Eine Entwicklung, die die BuKoF immer gefordert hat. Die Arbeit verteilt sich nun auf viele Schultern und dem Thema wird die erforderliche Bedeutung zugemessen. "Eine Entwicklung, die aber neben vielen Chancen auch erhebliche Risiken beinhaltet, wenn nämlich Frauenpolitik ausschließlich auf die familienfreundliche Gestaltung unserer Hochschulen reduziert wird und alle anderen Bereiche mittelbarer und unmittelbarer Diskriminierung ignoriert werden", fasst Ingrid Haasper die Diskussionsbeiträge der Jahrestagung zusammen.