Herford (fhb). „Erfolgreiche Zusammenarbeit mit asiatischen Geschäftspartnern“ hieß das vom Bildungswerk MACH1 & MACH2 in Herford Anfang März erstmals veranstaltete Seminar, bei dem 14 junge Fach- und Führungskräfte aus mittelständischen Unternehmen der Region die Kommunikation mit indischen und chinesischen Unternehmen trainierten. Seminarleiterin war Prof. Dr. Natalie Bartholomäus vom Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit der Fachhochschule Bielefeld. Den Kontakt hergestellt hatte ihr Fachbereichskollege Prof. Dr. Bernd Helbich, der Personalmanagement und Personalführung lehrt und zugleich einer der beiden Geschäftsführer von MACH1 & MACH2 ist.
Der Bedarf in den Unternehmen an Hintergrundwissen über Sitten und Gebräuche, über das, was fernöstliche Verhaltensregeln verbieten oder fordern, wächst kontinuierlich, denn immer mehr Unternehmen bauen Geschäftsbeziehungen zu Indien und China auf. Helbich: „Für deren Gelingen ist ein hohes Maß interkultureller Kompetenz erforderlich.“
Oftmals sind es Kleinigkeiten, die den Ausgang eines Gesprächs nachhaltig beeinflussen. Bartholomäus: „Man sollte auf gar keinen Fall deutsch-direkt ‚nein‘ sagen, da dies zu Gesichtsverlust führt, sondern eher weichere Formulierungen wie ‚das müssen wir erst noch in der Zentrale prüfen‘ verwenden. Der asiatische Geschäftspartner wird das als ‚nein‘ dekodieren.“ Auf der anderen Seite sollte man vorsichtig sein mit vorschnellen Vermutungen, der asiatische Geschäftspartner sei einverstanden, nur weil er mit einem Lächeln „ja“ gesagt hat. BWL-Expertin Bartholomäus: „Das heißt nicht mehr, als dass er zugehört hat. Wirkliche Zustimmung in China erkennen Sie dadurch, dass der Geschäftspartner den Punkt mit seinen eigenen Worten wiederholt. Wichtiges wird immer wiederholt und nicht wie bei uns akzentuiert.“
Bartholomäus kann auf umfangreiche internationale Erfahrungen zurückgreifen, die sie unter anderem in Projekten an der FH Bielefeld gewonnen hat. So war sie wiederholt Gastdozentin an Partnerhochschulen in Indien und Finnland. Zudem ist sie seit drei Jahren für ihre Hochschule im Rahmen der wissenschaftlichen Weiterbildung zum „Internationalen Projektmanager“ in Kooperation mit dem Unternehmen CLAAS aktiv.
Unterschiede in Arbeits- und Führungsstilen, kulturbedingte Konflikte, mögliche Stolpersteine in Verhandlungen, „zu all diesen Themen konnte Professorin Bartholomäus mit den Teilnehmern Optimierungspotenzial herausarbeiten“, so Helbich. Sein Fazit: „Die Fachhochschule leistet hier mit sehr aktuellen internationalen Themen einen wichtigen Beitrag für die berufliche Weiterbildung, der ausgebaut werden sollte.“