08.11.2016

Keine Angst vor dem Megatrend Digitalisierung

2. Netzwerk-Treffen Technische Betriebswirtschaft mit dem Medien- und Internetexperten Prof. Dr. Gerald Lembke.

Bielefeld (fhb). Die digitale Revolution sei ein Wunschgedanke zukünftiger Wirtschaftspolitik. Mittelständische Unternehmen sollten hingegen die nächsten zehn Jahre der Digitalisierung weitgehend gelassen entgegensehen. „Der Megatrend Digitalisierung hat keine disruptiven Auswirkungen auf die Unternehmen, ihre Strategien und ihre Geschäftsmodelle.“ Er warnt sogar nachdrücklich: „Je einfallsreicher und innovativer ein Unternehmer in Sachen Digitalisierung sein will, desto eher ist er vom Niedergang bedroht.“

Von Prof. Dr. Gerald Lembke stammen die Zitate. Er war eingeladen worden, um über die „digitale Zukunft richtig managen“ zu sprechen. Die Einladungskarte versprach einen „führenden Experten für den Umgang mit digitalen Medien, einen Internet-Pionier der ersten Stunde, einen Internet-Start-up-Unternehmer, Präsident des Bundesverbandes Medien und Marketing e. V. und nicht zuletzt einen Bestseller-Autor und gern gesehenen Gast in so mancher Talkshow. Eingeladen am 4. November in den Konferenzsaal der FH Bielefeld auf dem Campus Nord hatten die Organisatoren des 2. Netzwerk-Treffens Technische Betriebswirtschaft, das heißt der Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit gemeinsam mit dem Verein Deutscher Ingenieure in OWL.

„Disruptiv“ war das Schlagwort, das auch später bei der Diskussionsrunde mit dem Publikum, rund 100 Gäste waren gekommen, im Mittelpunkt stand. Gemeint ist damit die Einführung einer neuen Technologie, eines Produkts oder einer Dienstleistung, die eine bestehende vollständig verdrängt. So wie die DVD die VHS-Videobänder ablöste oder das Smartphone mit Touchscreen die Handys mit Tastatur vom Markt verschwinden ließ. 2007 habe der Apple-Konzern, bemerkte Lembke, mit der Einführung eben dieses Smartphones eine mobile Revolution gestartet. Mehr als drei Smartphones pro Haushalt sind heute in Deutschland statistisch vorhanden, dreieinhalb Stunden täglich werden sie durchschnittlich genutzt, um 10 Minuten lang zu telefonieren oder eine Stunde mit facebook zu verbringen. Ganze fünf Apps machen 98 Prozent des Marktes aus, hat Lembke ermittelt: „Der Markt, zum Beispiel bei den 15- bis 18-Jährigen, ist größtenteils digital gesättigt.“ Und Apple oder andere seien nicht mehr in der Lage, neue disruptive Produkte anzubieten.

Den Unternehmen selber machen die so genannten sozialen Medien wenig Freude. 79 Prozent sehen ihr Engagement in diesen Bereich eher gering ausgeprägt, ganze zwei Prozent erreichten über facebook „Fans“ und „Followers“. So mag es nicht verwundern, dass nur 44 Prozent der Unternehmer an die Erschließung neuer Märkte durch digitale Technologien glauben, wie Lembke vermerkt.    

Auf der anderen Seite gebe es jedoch, Stichwort Industrie 4.0, ein großes Interesse daran, die technischen Infrastrukturen und Tools für die eigene Wertschöpfung, im Besonderen für Automatisierung, Innovationsentwicklung und Produktionsoptimierung zu nutzen. Lembke: „Der Maschinen- und Anlagenbau mit Serienfertigung wird Teile der Industrie 4.0 nutzen. Hier sind disruptive Auswirkungen in den nächsten Jahren zu erwarten.“

Neben Industrie 4.0 und Social Business listet Lembke weitere sechs digitale Megatrends auf: Big Data, Cloud Controlling, Gamifiction, Internet der Dinge, Mobile Payment, Sharing Economy. Lembke. „Sie alle sind ohne Zweifel notwendig für unsere Wirtschaft, aber sie sind evolutionär angelegt, und das bedeutet, sie entwickeln sich langsam.“ Gelassenheit sei also angesagt, gerade angesichts zu erwartender IT-Subventionen aus der Politik.