2. HSBI Startup Award: Gewonnen haben Rohstoffe für recyclebare Matratzen, eine Software zur Prozessverbesserung und ein KI-Tool zur Unterstützung von Krebs-Therapien
Noch mehr Bewerbungen, noch größeres Publikum: Die zweite Auflage des HSBI Startup Awards war ein voller Erfolg. 63 Gründungsteams hatten Ideen und Konzepte eingereicht, neun schafften es in die Endrunde und durften pitchen. In der vollbesetzten Bielefelder „Wissenswerkstadt“ stieg vergangenen Dienstag das Finale, gesponsert von der NRW-Bank. Am Ende freuten sich drei Teams über die Auszeichnung und Geldpreise, unter ihnen auch die Gewinner des vom Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft Ostfestfalen-Lippe (ZIG OWL) gestifteten Sonderpreises „Gesundheit“.Die Gewinner der Kategorie Startup: Das Team Breakomers um Dr. Paulo Wohlfahrt, Dr. Kubilay Ceyhan und Willy Zubert (v.l.) hat einen wiederverwertbaren Schaumstoff für das Recycling von Matratzen entwickelt.
Bielefeld (hsbi). Vier Minuten hatten die Teams, um ihre Ideen vorzustellen, vier Minuten hatte die Jury, um Nachfragen zu stellen: In einem Pitch-Wettbewerb traten die Finalisten des zweiten HSBI Startup Awards in der „Wissenswerkstadt“ am Bielefelder Jahnplatz gegeneinander an. Das Team „Breakomers“ gewann in der Kategorie „Startup“ die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung für die Entwicklung eines wiederverwertbaren Schaumstoffs, der erstmals das unkomplizierte Recycling von Matratzen ermöglicht.
Den ersten Platz in der Kategorie „Idee“ – dotiert mit 2.000 Euro – sicherte sich das Team „OptiSphere“, das mit einer intelligenten Software die industrielle Prozessentwicklung beschleunigen und verbessern will. Der „Sonderpreis Gesundheit“ ging an das Team „AVOR Medical Intelligence“, das ein KI-gestütztes Recherche-Tool für quellenbasierte Therapie-Empfehlungen in der Krebsbehandlung entwickelt hat.
HSBI Transfer schafft Strukturen zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft
HSBI-Präsidentin Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk: „Wissen gehört nicht in Schubladen, sondern in die Werkstatt, wo etwas daraus gemacht wird und wo es Wirkung entfalten kann.“
Die „Wissenswerkstadt“ wurde für die Veranstaltung in einen festlichen Vortragssaal verwandelt. Hier begrüßte Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk, Präsidentin der Hochschule Bielefeld (HSBI), Teilnehmer und Publikum: „Wissen gehört nicht in Schubladen, sondern in die Werkstatt, wo etwas daraus gemacht wird und wo es Wirkung entfalten kann. Diesen Gründergeist bringen alle Finalist:innen des diesjährigen HSBI Startup Awards mit und darauf können wir als beteiligte Hochschulen, die entsprechende Strukturen geschaffen haben, auch ein bisschen stolz sein.“
Prof. Dr. Natalie Bartholomäus, die in Ihrer Eigenschaft als HSBI-Vizepräsidentin für Transfer und gesellschaftliche Wirkung an der Festveranstaltung teilnahm, ergänzte: „Startup-Förderung und Gründung gehören zum Kerngeschäft des Ideen- Wissens- und Technolgietechnologietransfers. An der HSBI haben wir hierfür mit der zentralen Einheit HSBI Transfer eine Serviceabteilung geschaffen, die mit dem Centre for Entrepreneurship (CFE) nicht nur Gründer:innen berät, sondern ganz generell bürokratische Hürden zwischen Hochschule und Wirtschaft senkt und den Austausch zwischen Forschenden, Unternehmen und Kapitalgebern in der Region OWL mit ganz konkreten Maßnahmen fördert.“
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Prof. Dr. Nathalie Bartholomäus, HSBI-Vizepräsidentin für Transfer und gesellschaftliche Wirkung, auf dem „Unternehmertag Gesundheit“, bei dem der „Sonderpreis Gesundheit“ des Startup-Awards verliehen wurde.
Dr. Brigitte Mohn sieht in den Startups von heute die Mittelständler von morgen
„Beim HSBI Startup Award wurde erneut gezeigt, dass man aus der Wissenschaft heraus tatsächlich Unternehmen gründen kann, die etwas bewegen werden!“
Prof. Dr. Ingo Ballschmieter, Initiator des HSBI-Startup-Awards
Dass Startups in Bielefeld willkommen sind, machte Bürgermeisterin Miriam Welz deutlich und sprach die Gründenden direkt an: „Danke für euren Mut! Das zeigt: Bielefeld kann gründen.“ Als Keynote sprach Moderator Tobias Häusler, Radio- und Fernsehmoderator beim WDR, mit Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung und Mitinitiatorin der Bielefelder Gründerschmiede Founders Foundation. Mohn sprach sich ausdrücklich für Gründungsinitiativen wie den HSBI Startup Award aus, forderte für Deutschland eine Ausweitung der Förderung und unterstrich die Bedeutung von Startups für die Zukunftsfähigkeit der Region – thematisch wie ökonomisch: „Sie können die Themen bearbeiten, die in der Zukunft relevant sein werden. Sie sind die Mittelständler von morgen“, so Mohn.
Im vergangenen Jahr hatte das CFE den HSBI Startup Award zum ersten Mal ausgeschrieben. „Wir wollen mehr Sichtbarkeit für das Thema ‚Gründen‘ schaffen“, unterstrich Prof. Dr. Ingo Ballschmieter, Co-Leiter des CFE und Initiator des Wettbewerbs auf der Bühne. „Mit dem Award geben wir einen zusätzlichen Ansporn und bieten Gründungswilligen eine Plattform, auf der sie ihre innovativen Ideen vorstellen und weiterentwickeln können.“ Die Resonanz auf die Ausschreibung war in diesem Jahr noch beeindruckender war als bei der Premiere: „Insgesamt hatten wir 63 Bewerbungen in den drei Kategorien“, berichtete Theresa Nerlich vom CFE – und annähernd 250 Gäste wollten das Finale miterleben.
Das vom CFE betreute Startup IoTurn entwickelt in den Räumlichkeiten der HSBI eine KI-basierte Maschinenintelligenz aus Stromdaten für eine effizientere Produktion und den Einstieg in die Smart Factory.
Vorab hatte eine Pre-Jury, bestehend aus Coaches des starken regionalen Netzwerks der Gründungsförderung (garage33 der Uni Paderborn, Campus Foundery der TH OWL, ZUg der Uni Bielefeld und CFE der HSBI) alle Einreichungen begutachtet. Von ersten Ideen bis zu frisch gegründeten Unternehmen war alles dabei. Einzige Bedingung: „Die Teams mussten eine Verbindung zu einer der staatlichen Hochschulen der Region haben“, erklärt Nerlich. Neun Teams wurden schließlich nominiert und durften ihre Ideen und Konzepte pitchen, also der Jury und dem Publikum persönlich präsentieren.
Ideen mit hohen Reifegraden und klarer Skalierbarkeitsperspektive
Die Gewinner:innen der Kategorie Idee: Andreas Besginow und Regina Graf haben mit OptiSphere einen datengetriebenen Ansatz für schnellere, ressourcenschonendere und belastbarere industrielle Prozessentwicklung entwickelt.
Die Startups der Kategorie „Idee“ durften als erste loslegen. Sie brauchten noch kein belastbares Geschäftsmodell vorweisen, ausformulierte Ideen und Konzepte genügten – Hauptsache innovativ. Tatsächlich jedoch pitchten die drei nominierten Teams ohne Ausnahme Geschäftsideen mit einem extrem hohen Reifegrad und klar verständlicher Skalierbarkeitsperspektive. Die Teams unterstrichen durch ihre jeweiligen Biografien, dass fürs Ideenschmieden in jedem Stadium des persönlichen Karrierewegs Raum ist – ob im Studium, im Beruf oder während der Promotion. Die Ideen reichten von der neuartigen nicht-invasiven Laktatwert-Messung im Sportbereich über eine KI-gestützte Plattform für schnellere Genehmigungen von Batteriespeichern bis hin zur Optimierung der industriellen Prozessentwicklung durch eine selbstlernende anwenderfreundliche Software. Letztere überzeugte die Jury am meisten mit der Aussicht, Testläufe in der Produktion deutlich reduzieren zu können.
Rund 250 Zuschauer:innen haben das Finale des Startup-Awards vor Ort in der Wissenswerkstadt miterlebt.
In der Kategorie „Startup“ pitchten Teams, die schon etwas weiter sind und bereits gegründet haben oder kurz davorstehen. Die Teams präsentierten ausgereifte Geschäftsmodelle von einer KI-basierten Lösung, die Maschinendaten aus Stromdaten gewinnt für eine effizientere Produktion über einen wartungsfreien Wasserdetektor, der sich selbst mit Strom versorgt und frühzeitig vor Wasserschäden warnt, bis hin zur schließlich siegreichen Breakomers. Hierbei wird eine der beiden zur Schaumstoffproduktion benötigten chemischen Substanzen so modifiziert, dass eine eingebaute Sollbruchstelle entsteht, die die Zerlegung in die Ausgangsstoffe erlaubt und so Matratzen endlich recyclingfähig macht.
Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL (ZIG OWL) stiftet Sonderpreis
Prof. Dr. Florian Weißinger (3.v.l.), Max Schüler (4.v.l.) und Dr. Enver Aydilek (5.v.l.) bekamen den Sonderpreis Gesundheit überreicht von Prof. Dr. Cornelius Knabbe, Vorsitzender des Vorstandes des ZIG OWL, und dem ZIG OWL Geschäftsführer Uwe Borchers (v.l.) für ihr KI-gestütztes Recherchetool „AVOR Medical Intelligence“.
Bereits am 25. September wurde der „Sonderpreis Gesundheit“ in Kooperation mit dem Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft Ostewestfalen-Lippe (ZIG OWL) beim „Unternehmertag Gesundheit“ in der HSBI verliehen. Mit AVOR Medical Intelligence ging der HSBI Startup Award in dieser Kategorie an ein Team, das hochgradige medizinische Expertise und innovative technologische Kompetenz in sich vereint. Darin waren sich Laudator Prof. Dr. Cornelius Knabbe, Vorsitzender des Vorstandes des ZIG OWL, und Uwe Borchers, ZIG OWL-Geschäftsführer und Mitinitiator des Unternehmertags Gesundheit, einig. AVOR Medical Intelligence hat ein extrem zeitsparendes Tool für Fachleute der Onkologie und Hämatologie entwickelt. Dabei handelt es sich um eine KI-gestützte App, die nicht nur eine schnelle, sondern auch wissenschaftlich fundierte, quellenbasierte Recherche individueller Therapien in der Krebsbehandlung ermöglicht.
Hauptsponsor NRW-Bank und HSBI-Fördergesellschaft stellen notwendige Gelder bereit
Neben dem ZIG OWL wurde der diesjährige HSBI-Startup Award auch durch den Hauptsponsor NRW-Bank unterstützt, der mit seinem Engagement den besonderen festlichen Rahmen der Preisverleihung in der „Wissenswerstadt“ überhaupt erst ermöglicht hatte. Darüber hinaus stellte die Fördergesellschaft der Hochschule Bielefeld e.V., wie im vergangenen Jahr, die Preisgelder für die Gewinner der Kategorien „Startup“ und „Idee“ bereit.
Initiator Prof. Dr. Ingo Ballschmieter zog am Ende der Veranstaltung ein positives Fazit: „Wir haben fantastische Pitches gesehen. Die Teams haben eine enorme Innovationskraft bewiesen, die optimistisch stimmt. Beim HSBI Startup Award wurde erneut gezeigt, dass man aus der Wissenschaft heraus tatsächlich Unternehmen gründen kann, die etwas bewegen werden!“ (uh)
Die Finalisten
HSBI Startup Award – gefördert von der Fördergesellschaft der Hochschule Bielefeld e.V.
Kategorie Idee (dotiert mit 2.000€)
1. Platz: OptiSphere Idee: ein datengetriebener Ansatz für schnellere, ressourcenschonendere und belastbarere industrielle Prozessentwicklung, der menschliches Prozesswissen mit probabilistischem maschinellem Lernen und Bayes’scher Optimierung in einer anwenderfreundlichen Software verbindet. Team: Regina Graf und Andreas Besginow
2. Platz: Laktatwertmessung Idee: ein optisches, nicht-invasives Messverfahren zur Bestimmung von Blutlaktatwerten in Echtzeit für optimales Training im Profi- und Freizeitsport. Team: Janis Kommnick und Luca Schäpermeier
3. Platz: GenehmigungsOS Idee: KI-gestützte Plattform für Energiegenehmigungen, die komplexe baurechtliche und kommunale Anforderungen in strukturierte, prüffähige Datenpakete übersetzt Team: Linda Jungkind und Vitalii Krasnorutskyi
Kategorie Startup (dotiert mit 3.000€)
1. Platz: Breakomers Idee: recycelbare Schaumstoffe für Matratzen. Team: Willy Zubert, Dr. Kubilay Ceyhan, Dr. Paulo Wohlfahrt
2. Platz: Selago Idee: AutoAquaControl, ein wartungsfreier Wasserdetektor zur frühzeitigen Warnung vor Wasserlecks. Team: Angelika Endres-Fröhlich und Jan-Philipp Dupal
3. Platz: IoTurn Idee: KI-basierte Maschinenintelligenz aus Stromdaten für eine effizientere Produktion und den Einstieg in die Smart Factory. Team: Marcel Bremehr, Fabian Halfeld und Arnab Ghosh Chowdhury
Sonderpreis Gesundheit
1. Platz: AVOR Medical Intelligence Idee: ein KI-gestütztes Recherche-Tool für quellenbasierte Therapie-Empfehlungen in der Krebsbehandlung Team: Prof. Dr. Florian Weißinger, Dr. Enver Aydilek, Max Schüler, Friedrich Schwarz
2. Platz: SugrSugr Idee: ein flüssiger, smarter Kohlenhydrat-Shot für Diabetiker:innen Team: Bastian Niemeier, Ivo Rettig und Constantin Engelbrecht.
3. Platz: Lightweaver Idee: ein kompaktes hochauflösendes Mikroskop, das durch spezielle Beleuchtungstechnik erstmals kleinste Zellenbestandteile sichtbar macht Team: Jannis Dolleck, Dr. Marcel Müller, Jakob Wessendorf, Janina Niemeyer, Jochen Linnenbrügger und Dr. Henning Ortkrass
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