13.02.2026

72 Stunden Kreativität: Studierende lösen konkrete Probleme beim MittelstandsMAKERTHON NRW in OWL

30 Teilnehmende, darunter Studierende der HSBI und der Universität Bielefeld, stellten sich drei Tage lang Herausforderungen von mittelständischen Unternehmen der Region. Das Gewinnerteam, darunter Data-Science-Student Omkar Gharat von der HSBI, entwickelte ein KI-basiertes Prognosetool für Besucher:innenzahlen des Potts Park in Minden. Damit lassen sich Einsatz von Personal, Gastronomie und Einkauf zukünftig noch besser planen.

„Wie bringt man die Muse zum Küssen?“ Mit dieser Frage stimmte Bettina Nolting von der Mentor.I-Stiftung die Teilnehmenden des dritten MittelstandsMAKERTHON NRW – Station OWL ein. Drei Tage später war klar: Die Muse war während der 72 Stunden am Campus Bielefeld ein Dauergast. Rund 30 Teilnehmende verwandelten den Campus in eine lebendige Innovationswerkstatt für den regionalen Mittelstand.

Veranstalter des Makerthons vom 28. bis 31. Januar 2026, bei dem Studierende von der Hochschule Bielefeld (HSBI) und der Universität Bielefeld an insgesamt acht Challenges von mittelständischen Unternehmen arbeiteten, war der Bielefeld Research + Innovation Campus (BRIC) und die Mittelstandsplattform NRW.Bank. Insgesamt 30 Studierende der Bielefelder Hochschulen aus annähernd 20 Fachrichtungen, darunter Data Science, Mechatronik, Psychologie oder BWL, nahmen teil. Challenge stellten die Unternehmen imos AG, NSC Sicherheitstechnik GmbH, Potts Park, IP Adelt GmbH, Stiftung Eben Ezer, GEwerk.business GmbH, Triflex GmbH & Co. KG und Herbert Kannegiesser GmbH.

Fokussierte Innovation: Wenn der Campus zur Ideenschmiede wird

„Uns hat die Herangehensweise des Gewinnerteams überzeugt, weil sie aus Intuition eine evidenzbasierte Automatisierungslösung geschaffen hat.“

Prof. Dr. Natalie Bartholomäus, HSBI-Vizepräsidentin für Transfer und gesellschaftliche Wirkung

Wer in diesen Tagen die Flure betrat, erlebte eine ungewöhnliche Atmosphäre: Es war auffallend still. Die Studierenden hatten sich in ihre Teambüros zurückgezogen, um hochkonzentriert an ihren Projekten zu arbeiten. Sie entwickelten in interdisziplinären Teams Lösungen für den regionalen Mittelstand – von der KI-gestützten Besucherprognose bis zur digitalen Logistik. „Die Dynamik ist beeindruckend. Die Teams ziehen sich zurück, arbeiten extrem fokussiert und kommen nur für methodische Tipps oder fachliche Rückfragen zu uns“, beobachtete Methoden-Coachin Christina während des Makerthons.

Unter den 30 Talenten fanden sich nicht nur IT-Spezialisten und Data Scientists: Das Spektrum reichte von Rechtswissenschaften und Psychologie über Mechatronik und Regenerative Energien bis hin zu Kommunikationsdesign und Anglistik. Diese Interdisziplinarität eröffnete durch das Zusammenspiel aus technischem Know-how und kreativen Ansätzen neue Perspektiven auf die acht Challenges der regionalen Wirtschaft.

KI-Sieg für den Potts Park: Daten ersetzen Intuition

Am Ende der drei Tage stand die Abschlusspräsentation vor einer Fachjury aus Vertreterinnen und Vertretern der HSBI, der Universität Bielefeld, der Stadt Bielefeld, der IHK Bielefeld und der NRW.BANK. Den ersten Platz sicherte sich schließlich das Team der Challenge der Heinrich Pott GmbH & Co. KG, Betreiber des Potts Parks in Minden. Die Jury überzeugte vor allem der hohe Praxisbezug und der bereits umgesetzte technische Ansatz. Mit dabei: Omkar Gharat, der den Research Master Data Science am Campus Gütersloh der HSBI studiert.

Prof. Dr. Natalie Bartholomäus, Vizepräsidentin für Transfer und gesellschaftliche Wirkung an der HSBI, lobte die Leistung der Gewinner:innen: „Uns hat die Herangehensweise des Teams auch deswegen überzeugt, weil sie aus Intuition eine evidenzbasierte Automatisierungslösung geschaffen hat. Was Herr Pott früher 'aus dem Bauch heraus' entschieden hat, basiert in Zukunft auf Echtzeitdaten, Erfahrungswerten und wirksamen Einflussgrößen.“

Ausgangspunkt war die Frage, wie sich Besucherzahlen im Freizeitpark zuverlässiger vorhersagen lassen. Bisher basierte die Personal- und Ressourcenplanung vor allem auf Erfahrungswerten und einzelnen Wetterdaten. Das Team entwickelte ein KI-gestütztes Prognosetool, das Daten der vergangenen Jahre auswertet und mit Wetterinformationen, Ferienzeiten, Feiertagen und regionalen Veranstaltungen kombiniert. Auf dieser Basis erstellt das System tagesaktuelle Besucherprognosen und unterstützt so die Einsatzplanung von Personal, Gastronomie und Einkauf. Stefanie aus dem Gewinnerteam ergänzte: „Unser Tool lässt sich künftig noch mit Ticketdaten und Informationen aus dem Cateringbereich erweitern. So können wir die Prognosen weiter verfeinern und die Planung noch präziser ausrichten.“

Logistik-Digitalisierung statt Zettelwirtschaft

In einem Raum liegen Zettel auf dem Boden, an einer Pinnwand im Hintergrund kleben bunte Zettel
Während des dreitägigen Makerthons arbeiteten die Teilnehmenden in interdisziplinären Teams Lösungen für den regionalen Mittelstand.

Deutlich wurde der Mehrwert des Formats auch bei der Challenge der Stiftung Eben Ezer. Die Ausgangslage entsprach einem typischen Szenario im Mittelstand: Die Tourenplanung für den täglichen Transport von Materialien und Personen erfolgt derzeit über ausgedruckte Outlook-Kalender und telefonische Absprachen. Das führte immer wieder zu Leerfahrten und Koordinationsproblemen. Vor diesem Hintergrund analysierte das Team um Tobias, Breia und Umutcan die bestehenden Abläufe, führte Gespräche mit Mitarbeitenden und entwickelte ein Konzept für eine zentrale, digitale Tourenplanung. Ziel war es, die Fahrzeuge effizienter zu nutzen und die Belastung der Fahrer zu reduzieren.

Sabine Grotegut, Leiterin der Stiftung Eben Ezer, zeigte sich beeindruckt: „Die Studierenden haben unsere Abläufe sehr praxisnah analysiert und eine Lösung entwickelt, die mich überzeugt. Mit diesem Ansatz werde ich nun in den Austausch mit unserer IT gehen und prüfen, wie wir die Ideen des Teams umsetzen können.“ Prof. Dr. Michael Römer von der Universität Bielefeld, Juniorprofessor für Decision Analytics, unterstützte das Team als Mentor. Er ergänzt: „Wir werden das Projekt im Rahmen des Masterstudiengangs weiterbetreuen. So haben die Studierenden Zeit, ihren Ansatz zu vertiefen und aus der ersten Idee möglicherweise einen funktionsfähigen Prototypen zu entwickeln.

Mehr als nur ein Wettbewerb: Brücke zur Praxis

Während die Preisgelder einen zusätzlichen Anreiz boten, lag der wahre Gewinn für viele Teilnehmende im direkten Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern aus Industrie, Dienstleistung und Freizeitwirtschaft. Sie lernten Methoden kennen, die sich in keinem Lehrbuch so vermitteln lassen wie unter realen Bedingungen und mit echtem Zeitdruck. Pedro Campos Silva, Geschäftsführer der Bielefeld Research + Innovation Campus GmbH, betont: „Der Makerthon beweist: Wenn Wissenschaft und Wirtschaft interdisziplinär zusammenrücken, entstehen in kürzester Zeit echte Mehrwerte für unsere Region.“ (BRIC/she)

Weitere Informationen

MittelstandsMAKERTHON NRW
Der MittelstandsMAKERTHON NRW ist eine Initiative zur Förderung von Innovation und Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und jungen Talenten in Nordrhein-Westfalen. Durch die Kombination von Wissenschaft, Technologie und unternehmerischem Denken sollen zukunftsweisende Lösungen entwickelt und die Wettbewerbsfähigkeit der Region gestärkt werden.Unterstützt wurden die Teams von Forschenden des Campus Bielefeld, erfahrenen Methodentrainer*innen sowie von Coaches von KI.NRW. Gemeinsam wurden Ideen für smarte Produkte, Prozesse, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle erarbeitet, die das Potenzial der Künstlichen Intelligenz nutzen, um die regionale Wirtschaft voranzubringen.

ThinkTank OWL
Der ThinkTank OWL am Bielefeld Research + Innovation Campus (BRIC) bringt Unternehmen, Start-Ups und Deep-Tech-Spins-Offs mit Forschenden der Hochschule Bielefeld und der Universität Bielefeld zusammen. Gemeinsam wird an spannenden Forschungsprojekten gearbeitet, die die Grundlage für entscheidende Entwicklungen unserer Zukunft bilden. Aus dem gewonnenen Wissen sollen so Innovationen für die Region entstehen und der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Ostwestfalen-Lippe nachhaltig gestärkt werden.