28.01.2026

Adem Cirakoglu, jahrgangsbester Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen an der HSBI, engagiert sich für ArbeiterKind.de

Adem Cirakoglu hat sein Bachelorstudium Wirtschaftsingenieurwesen mit der Gesamtnote von 1,2 abgeschlossen
Adem Cirakoglu hat sein Bachelorstudium Wirtschaftsingenieurwesen mit der Gesamtnote von 1,2 abgeschlossen. © S. Jonek/HSBI
Adem engagiert sich bei ArbeiterKind de und möchte andere Menschen bei ihrem Weg ins Studium unterstützen
Der 21-Jährige engagiert sich bei ArbeiterKind.de und möchte andere Menschen bei ihrem Weg ins Studium unterstützen. © S. Jonek/HSBI
In seiner Pausenecke hat sich Adem gerne etwas Sueßes gegoennt
In den Lernpausen hat sich Adem gerne etwas Süßes in seiner „Pausenecke“ gegönnt. © S. Jonek/HSBI
Adem ist mittlerweile im Masterstudium an der Technischen Uni Dortmund eingeschrieben und macht ein Praktikum bei Forvia Hella im Bereich Merger und Acquisition
Mittlerweile ist er im Masterstudium an der TU Dortmund eingeschrieben und macht ein Praktikum bei Forvia Hella im Bereich „Merger & Acquisition“. © S. Jonek/HSBI
In der Maschinenhalle der HSBI konnte der Bachelor Absolvent praktische Erfahrungen sammeln
In der Maschinenhalle der HSBI konnte der Bachelor-Absolvent bereits während des Studiums praktische Erfahrungen sammeln. © S. Jonek
Adem hat die Regelstudienzeit des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen um ein Semester unterboten
Adem hat die Regelstudienzeit des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen um ein Semester unterboten. © S. Jonek/HSBI
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nur jeder vierte Studierende hierzulande kommt aus einer Familie, die einen nicht-akademischen Hintergrund hat. Adem Cirakoglu ist einer davon. Seinen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen hat er an der HSBI innerhalb kurzer Zeit mit Bestnote absolviert. Inzwischen ist er ehrenamtlich für die Organisation ArbeiterKind.de unterwegs. Adems Geschichte soll andere ermutigen, ihren Weg an eine Hochschule zu finden.

Bielefeld (hsbi). Am liebsten hat er sich immer in der Magistrale aufgehalten, kurz hinter der Abzweigung, die in den Trakt E des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik führt: Eine Theke, ein paar Holztische, ein Snackautomat, ein Getränkeautomat. „Meine Pausenecke“, sagt Adem Cirakoglu. „Hier habe ich mir immer was Süßes gegönnt, um für ein paar Minuten runterzukommen“.

Man kann davon ausgehen, dass sich der 21-Jährige während seines Studiums an der Hochschule Bielefeld (HSBI) eher selten eine Pause gegönnt hat. Bei Adem handelt es sich nämlich um einen ausgesprochen erfolgreichen Studierenden. Das hat mit seinen Leistungen zu tun, die ihn im August 2025 zum besten Bachelorabsolventen seines Jahrgangs im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen gemacht haben mit einer Gesamtnote von 1,2. Außerdem hat es damit zu tun, dass er seine Ergebnisse im Eiltempo vorgelegt hat. Für die 36 Modul- und Teilprüfungen benötigte er lediglich sechs Semester – und hat damit die Regelstudienzeit um ein Semester unterboten.

Anspruchsvolle Bachelorarbeit zu Merger & Acquisitions

Wirtschaftsingenieure bilden die Schnittstelle zwischen Entwicklung, Produktion und Vertrieb
Wirtschaftsingenieure bilden die Schnittstelle zwischen Entwicklung, Produktion und Vertrieb.

Noch dazu hat sich Adem Cirakoglu einer anspruchsvollen Abschlussarbeit hingegeben über die „Kritische Würdigung des DCF-Verfahrens im Rahmen der Hauptfunktionen der Kölner Funktionenlehre“. DCF steht für Discounted Cash Flow, und die Kölner Funktionenlehre beschäftigt sich mit der finanziellen Bewertung von Unternehmen zum Beispiel bei Firmenzusammenschlüssen und -akquisitionen – ein diffiziles Thema. „Ich wollte mit dem Bachelor zeigen, dass ich in der Lage bin, kontinuierlich exzellente Ergebnisse zu erbringen“, sagt Adem. Diesen Beweis hat er erbracht. Sein Studiengangsleiter Prof. Dr. Hubertus Wameling hat ihn inzwischen für ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes vorgeschlagen – nun kann das Masterstudium kommen.

Vor drei Jahren sah das noch anders aus, als sich der einstige Abiturient des Bielefelder Ceciliengymnasiums an der HSBI einschrieb. „Ich hatte damals einige Selbstzweifel, ob das der richtige Schritt für mich ist“, erzählt Adem rückblickend. Die Zweifel waren auf seine Herkunft zurückzuführen, konkret auf seinen familiären Hintergrund. Die Familie hat eine Zuwanderungsgeschichte, der Großvater kam Anfang der 70er-Jahre über das Anwerberabkommen aus der türkischen Schwarzmeer-Stadt Rize zum Arbeiten nach Deutschland. Ende der 70er-Jahre holte er seine Frau und seine Kinder hinzu, darunter auch Adems Vater. Der arbeitet heute als Maschineneinrichter in einem Unternehmen in Halle, die Mutter ist in einem Krankenhaus beschäftigt. „Von daher konnte ich mich mit konkreten Fragen zu einem Studium nicht an meine Eltern wenden“, sagt Adem. Dennoch haben seine Eltern ihn – wie auch seine zwei Geschwister – dazu ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen und eine akademische Laufbahn einzuschlagen. „Unseren Eltern war klar, dass sie ihren Kindern damit Chancen und Perspektiven schaffen würden, die sie selber nie hatten“, sagt Adem. „Wir waren klug genug, auf sie zu hören.“

Adem Cirakoglu ist Vorbild für junge Menschen ohne akademischen Familienhintergrund

Adem hat diese Chance genutzt. Damit zählt er hierzulande zu jener Minderheit an Studierenden, deren Eltern keinen Uni-Abschluss in der Tasche haben. Das belegen die Zahlen von ArbeiterKind.de, einem bundesweiten Netzwerk, dass sich für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzt. Demnach kommen rund drei Viertel aller Studierenden noch immer aus Familien, in denen schon die Eltern einen akademischen Abschluss gemacht haben. Lediglich jeder vierte Studierende an deutschen Hochschulen und Universitäten entstammt einer nicht-akademischen Familie.

Entsprechend groß ist die Freude innerhalb des Netzwerks über Adems bisherigen Bildungsweg. „Adem ist ein tolles Vorbild und Mutmacher für alle, die als Erste in ihrer Familie den Weg des Hochschulstudiums gehen“, sagt Sabine Hoffmann. Seit Sommer vergangenen Jahres arbeitet Hoffmann von der HSBI aus als Bundeslandkoordinatorin für NRW-Ost bei ArbeiterKind.de. Die Art und Weise, in der Adem seinen Bachelor absolviert hat, wertet sie als einen „großen Kraftakt für einen jungen Menschen, der keine akademische Familientradition hat“.

Bafög und Stipendien sind unverzichtbar, frühzeitige Betreuung durch ArbeiterKind.de hilfreich

Studiengangsleiter Professor Doktor Hubertus Wameling hat Adem für ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes vorgeschlagen
Studiengangsleiter Prof. Dr. Hubertus Wameling hat Adem für ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes vorgeschlagen.

In der Tat war es ein Kraftakt, von dem auch Adem zu berichten weiß. Nicht nur, weil er sich erst einmal an das neue Umfeld gewöhnen musste und sein Studiengang viel von einem Studierenden erwartet. Es gab für ihn auch in anderer Hinsicht anfangs einiges zu erledigen, vor allem mit Blick auf die Finanzen. Bafög hat ihm dabei geholfen – Adem: „Ein Muss!“ Außerdem konnte er sich zweimal erfolgreich für ein Deutschlandstipendium bewerben. „Das war alles anfangs sehr mühselig für mich, bis ich mich endlich in die Anträge und Bewerbungsverfahren eingearbeitet hatte“, erinnert er sich. „Hätte ich das Angebot von ArbeiterKind.de schon vor drei Jahren gekannt, ich hätte es zu 100 Prozent in Anspruch genommen.“

Mittlerweile ist Adem selbst Teil dieses Angebots. Seit gut einem Jahr ist er ehrenamtlich für die Organisation unterwegs. Das heißt, er erzählt seine Geschichte – an Infoständen, in Schulen, auf Messen, um auch andere zu ermutigen, den Schritt an eine Hochschule zu wagen. „Das Wichtigste ist, dass es uns gibt“, sagt Adem, und dass es für ihn vermutlich kein Ehrenamt gibt, das „besser zu mir passt“.

Und wie geht es weiter mit dem Studium? Inzwischen ist Adem für ein Masterstudium an der Technischen Universität Dortmund eingeschrieben. Dafür macht er gerade ein Praktikum bei dem Unternehmen Forvia Hella in Lippstadt im Bereich „Merger & Acquisition“. „Meine Aufgaben können sich grundsätzlich stark unterscheiden, drehen sich aber immer um die strategische Ausrichtung des Unternehmens“, erklärt er. Ein Eindruck bleibt: Adem Cirakoglu wird sich auch künftig nur selten eine Pause gönnen. (tc)

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