Vom 30. Januar bis zum 1. Februar zeigt die aktuelle Schau 51 Abschlussarbeiten aus den Studienrichtungen „Digital Media and Experiment“, „Fotografie und Bildmedien“, „Kommunikationsdesign“ und „Mode“. Unter dem Leitmotiv „Moiré“ thematisieren die Arbeiten unter anderem gesellschaftliche Phänomene, Stereotype und blinde Flecken.In dem satirischen Bildband von Julia Cammann entfaltet sich ein vielschichtiges Panorama aus Personenkult, Wissenschaftsethik, Reue und Feminismus.
Bielefeld (hsbi). Ein Muster, das sich nicht festhalten lässt: Unter dem Leitmotiv „Moiré“ präsentiert der Fachbereich Gestaltung der Hochschule Bielefeld (HSBI) seine aktuelle Werkschau. Sie wird am Freitag, 30. Januar, um 18 Uhr im Gebäude des Fachbereichs an der Lampingstraße eröffnet und ist auch am Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Präsentiert werden 36 Bachelor- und 15 Masterarbeiten aus den vier Studienrichtungen „Digital Media and Experiment“, „Fotografie und Bildmedien“, „Kommunikationsdesign“ und „Mode“ sowie aus der Fachgruppe ästhetische Theorie und künstlerische Praxis. Der Eintritt ist frei.
Die Studienrichtung Mode präsentiert außerdem, erneut angedockt an die Werkschau, herausragende Abschlusskollektionen und ausgewählte Semesterarbeiten in zwei bereits ausverkauften Modenschauen.
Gestaltung beginnt mit Blickarbeit
„Wir möchten die Studierenden ermutigen, Kontraste zu verhandeln, anstatt zu polarisieren, also Interferenzen im Sinne von Wechselwirkungen und Überschneidungen zu untersuchen.“
Prof. Nils Hoff, Dekan des Fachbereichs Gestaltung
„Ich finde bemerkenswert am diesjährigen visuellen Motto, dass man das Key visual praktisch nicht sehen kann“, sagt Prodekanin Prof. Claudia Rohrmoser. Das Moiré, eine Interferenz kontrastreicher Linienmuster, erinnere „an eine Art von Blindheit gegenüber dem, was man sehen will.“ Es lasse sich nicht festhalten, wie bei Apparaten, die man scharf stellen möchte und die doch nie ganz perfekt funktionieren. Genau darin liege die Metapher: Gestaltung beginne mit Blickarbeit. Dekan Prof. Nils Hoff hebt hervor, dass diese Wahrnehmung in zahlreichen Abschlussarbeiten selbst zum Thema werde. Viele Projekte verhandeln gesellschaftliche Phänomene, Stereotype und blinde Flecken. Rohrmoser fasst es so: „Wie schauen wir durch unsere Apparate in die Welt und wie erkennen wir sie zugleich nicht?“ Mit der wachsenden Eigenmächtigkeit neuer technischer Werkzeuge werde die Frage drängender, ob eigentlich der Mensch gestalte oder der Apparat. Und Hoff ergänzt: „Wir möchten die Studierenden ermutigen, Kontraste zu verhandeln, anstatt zu polarisieren, also Interferenzen im Sinne von Wechselwirkungen und Überschneidungen zu untersuchen.“
Vom 30. Januar bis 1. Februar zeigt die aktuelle Werkschau 51 Abschlussarbeiten aus den Studienrichtungen „Digital Media and Experiment“, „Fotografie und Bildmedien“, „Kommunikationsdesign“ und „Mode“.
Die beiden Lehrenden knüpfen daran eine zweite Linie: die Entwicklung der Ausbildung hin zu mehr Austausch zwischen Disziplinen. „Alte Berufsbilder sind heute nur noch bedingt tragfähig“, betont Hoff. Wichtig sei die Verknüpfung von Praxis, Theorie und Experiment. Besonders im Masterstudium spielen methodisch untersuchende und interdisziplinär verbindende Ansätze eine immer wichtigere Rolle für eine künstlerisch-gestalterische Forschung.
Exemplarisch im Folgenden einige Erläuterungen zu ausgewählten Abschlussarbeiten des aktuellen Wintersemesters:
Studienrichtung DMX: Isa Freese – Gefühlte Wahrheiten (Master-Abschlussarbeit)
In ihrer Videoarbeit setzt Isa Freese sich mit der wachsenden Bedeutung künstlicher Intelligenz für die politische Kommunikation auseinander.
Die Videoinstallation untersucht, wie KI-generierte Visualisierungen politische Kommunikation prägen. Parteien nutzen soziale Medien als zentrale Bühne; Fragen nach Authentizität und Wirkung polarisierender Inhalte werden drängender. Durch Replizieren und Dekonstruieren typischer KI-Bildwelten macht Isa Freese Narrative sichtbar und hinterfragt die zunehmende Verwischung zwischen Fakten, Fiktion und algorithmisch erzeugten Realitäten. Die Arbeit wirbt dafür, den demokratischen Diskurs nicht verzerrenden Plattform-Mechanismen zu überlassen, sondern in respektvolle persönliche Begegnungen zurückzuholen.
Studienrichtung Fotografie und Bildmedien: Josephine Kowalewsky – Über rote Autos (Bachelor-Abschlussarbeit)
Fotografie-Absolventin Josephine Kowalewsky beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit patriarchalen Strukturen sowie der Suche nach Wegen des Widerstandes und der Selbstermächtigung gegen diese.
Wer einmal von einem roten Auto angefahren wird, hat künftig einen besonderen Fokus auf rote Autos. Aus dieser Metapher hat Josephine Kowalewsky eine typologische Sammlung von über 220 roten Fahrzeugen erstellt, die als Zeichen für alltägliche Trigger und allgegenwärtige patriarchale Gewalt dienen. In Form experimenteller performativer Selbstporträts und Performances nimmt Kowalewsky als wiederkehrende Protagonistin sowohl die Rolle einer Identifikationsfigur ein als auch die einer analytischen Akteurin. Humorvoll, provokativ und spielerisch richtet die Arbeit den Blick auf Selbstermächtigung und solidarische Rebellion.
Studienrichtung Kommunikationsdesign: Julia Cammann – Katzen und Koryphäen (Master-Abschlussarbeit)
Der Bildband von Julia Cammann ist eine satirische Karikatur der Physiker Stephen Hawking, Albert Einstein und Erwin Schrödinger.
„Es ist, als suche man eine schwarze Katze in einem Kohlenkeller.“ – Das behauptete Stephen Hawking über die Suche nach schwarzen Löchern. Julia Cammann erzählt in ihrem satirischen Bildband von Stephen Hawking, Albert Einstein und Erwin Schrödinger und ihren Alter Egos. Hawking wird aus dem Cambridge der 1980er ins New York der 1950er geschleudert. Einstein reflektiert auf dem Sterbebett sein Leben. Und Schrödinger? Was zunächst wie eine skurrile Sammlung von Anekdoten über „Halbgötter in Tweed“ wirkt, entfaltet beim näheren Hinsehen ein vielschichtiges Panorama aus Personenkult, Wissenschaftsethik, Reue und Feminismus.
Studienrichtung Mode: Jennifer Stellwag – DΛSH 89 (Magister-Abschlussarbeit)
Die Kollektion von Mode-Absolventin Jennifer Stellwag beschreibt einen Dialog zwischen Schutz und Verletzlichkeit.
Die Kollektion verhandelt Aspekte von Schutz, Bedürfnissen nach Geborgenheit sowie Verwundbarkeit. Sie ist inspiriert von kolumbianischen „Gravity Bikern“, die ihre Fahrzeuge improvisiert bauen und ohne Bremsen mit bis zu 120 km/h kilometerlang bergab rasen. Jennifer Stellwag dekonstruiert die in ihrer Kleidung verborgenen Motorsport-Codes und übersetzt sie in Kleidung für ein fiktives post-fossiles Zeitalter. Upcycling und Re-Design machen Material, Oberfläche und Konstruktion gleichzeitig zu Bedeutungsträgern. Das Material wird zum symbolischen Schutz genutzt und wird zusätzlich Ausdruck von Empfindsamkeit und Bewusstsein.
Bereich Theorie: Jutta Meisen – Re-Learning (Fashion)Design (Master-Abschlussarbeit)
Wie kann man Nachhaltigkeit in die berufliche Praxis der Modebranche integrieren? Mit dieser Frage hat sich Jutta Meisen auseinandergesetzt und dabei ein Workshop- und Lehrmodulkonzept für Designer:innen entwickelt.
Wie lässt sich Nachhaltigkeit in der Mode jenseits von Schlagworten gestalten? Jutta Meisen betrachtet die Branche als System aus Wachstumslogik und globalen Folgen. Sie setzt bei der Ausbildung von Gestalterinnen und Gestaltern an. Systemisches Denken wird dabei zum Schlüssel: Wer Wechselwirkungen der Produktions- und Entscheidungsketten erkennt, kann Entscheidungen im Designprozess bewusster treffen und Verantwortung übernehmen. Die Arbeit entwickelt ein Workshop- und Lehrmodulkonzept, das dazu befähigt, Zusammenhänge zu erkennen und Veränderung mitzugestalten. In der Werkschau lädt Meisen zum Mitdenken, Diskutieren und Ausprobieren ein. (rm)
Werkschau Wintersemester 2025/26
Die Eröffnung der Werkschau und die Verabschiedung der Absolvent:innen des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Bielefeld findet am Freitag, 30. Januar um 18:00 Uhr bis 23 Uhr, statt. Am Samstag, 31. Januar, sowie am Sonntag, 1. Februar, ist die Werkschau von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Außerdem werden die Arbeiten in die Werkschau-Website integriert, die jedes Semester ergänzt wird.