09.03.2026

Die Cellistin von Auschwitz: Ausstellung für Grundschulkinder in der VHS Bielefeld in Kooperation mit der HSBI

Foto: Elif Celik spricht mit den Kindern
Entstanden ist das Konzept aus einem Projekt an der Hochschule Bielefeld, das bereits im vergangenen Jahr erstmals erprobt wurde. © K. Schradi/HSBI
Foto: Ein Mädchen sitz auf dem Boden vor der Ausstellung und liest einen Zettel
Die Ausstellung richtet sich an Kinder ab dem späten Grundschulalter. © K. Schradi/HSBI
Die Ausstellung „Die Cellistin von Auschwitz – die Geschichte von Anita Lasker-Wallfisch“ und ein begleitendes Rahmenprogramm in der VHS Bielefeld eröffnen Kindern, Lehrkräften, pädagogischen Fachkräften und weiteren Interessierten vom 7. bis 29. März neue Zugänge zur Vermittlung von Holocaust und Nationalsozialismus.

Bielefeld (hsbi/vhs). Großformatige Bildtafeln, reduzierte Texte und viel Raum für Fragen: Vom 7. bis 29. März ist im kleinen Saal des Hauptgebäudes der VHS Bielefeld die Ausstellung „Die Cellistin von Auschwitz – die Geschichte von Anita Lasker-Wallfisch“ zu sehen. Sie richtet sich gezielt an Kinder ab dem späten Grundschulalter und zeigt, wie eine sensible, altersgerechte Annäherung an die Themen Nationalsozialismus und Holocaust gelingen kann. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Bildungs- und Rahmenprogramm. Entstanden ist das Konzept aus einem Projekt an der Hochschule Bielefeld (HSBI), das im vergangenen Jahr erstmals erprobt wurde und nun in Kooperation mit der VHS Bielefeld weitergeführt wird.

Foto: Mehrere Kinder schauen sich die Ausstellung an
Die Ausstellung richtet sich an Kinder ab dem späten Grundschulalter.

„Mit der Ausstellung schlägt die VHS gemeinsam mit der HSBI eine Brücke in die Schul- und Bildungslandschaft und gibt Kindern und jungem Menschen einen neuen Zugang in eine aktive Erinnerungskultur und Demokratiebildung,“ so Mehtap Yilmaz-Gerlich, Fachbereichsleitung Diversität an der VHS.

So war die Ausstellung im vergangenen Jahr bereits für eine Woche an der HSBI zu sehen. Dort entwickelte sich daraus ein pädagogisches Projekt mit Grundschulkindern, konzipiert von Elif Çelik, Absolventin des Studiengangs Soziale Arbeit an der HSBI.

Biografischer Zugang statt reiner Faktenvermittlung

„Viele pädagogische Fachkräfte scheuen eine Thematisierung des Holocaust im Grundschulalter. Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass Kinder bereits über Vorwissen verfügen – sei es zum Beispiel über Medien oder aufgeschnappte Gespräche. Ein pädagogisches Aufgreifen ist daher sinnvoll, um verkürzte oder fehlerhafte Vorstellungen einzuordnen“, erklärt Prof. Dr. Erika Schulze, Professorin für Soziologie der Kindheit und Jugend, die das Projekt von Seiten der HSBI begleitet.

Die Ausstellung verfolgt laut Schulze dabei keinen rein wissensvermittelnden Ansatz. Im Mittelpunkt stehen Fragen und eigenständiges Nachdenken. Die Geschichte der Holocaust-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch dient dabei als persönlicher Zugang zu einem komplexen historischen Thema. „Formate wie diese Ausstellung schaffen einen geschützten Raum, in dem Fragen gestellt, Zusammenhänge verstanden und Empathie entwickelt werden können,“ betont Prof. Dr. Erika Schulze.

Die Ausstellung „Die Cellistin von Auschwitz“

Konzipiert wurde die Ausstellung von der Museums- und Gedenkstättenpädagogin Barbara Kirschbaum. Auf großformatigen Bildtafeln wird Anita Lasker-Wallfischs Geschichte erzählt: von der Zwangsarbeit über die Deportation nach Auschwitz-Birkenau bis zur Befreiung nach der Verlegung in das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Die Darstellungen sind kindgerecht gestaltet und verzichten auf explizite Gewaltdarstellungen, ohne das Geschehen zu verharmlosen.

Foto: Mehrere Kinder schauen sich die Arusstellung an

Grundlage der Ausstellung ist das Kinderbuch „Du wirst gerettet werden. Die Cellistin von Auschwitz“, ebenfalls von Barbara Kirschbaum. Die Ausstellung greift Text und Illustrationen des Buches auf und überträgt sie in ein Ausstellungsformat, das Kindern einen behutsamen Zugang zu Anita Lasker-Wallfischs Geschichte ermöglicht.

Rahmenprogramm mit Bildungsangebot

Foto: Barbara Kirschbaum hält ihr Buch in den Händen
Museums- und Gedenkstättenpädagogin Barbara Kirschbaum hat das Buch „Du wirst gerettet werden. Die Cellistin von Auschwitz“ verfasst, auf dem die Ausstellung basiert.

Begleitet wird die Ausstellung in der VHS von einem Rahmenprogramm, das sich an unterschiedliche Zielgruppen richtet. Im Mittelpunkt steht das bereits ausgebuchte Bildungsprogramm für Schulklassen: Vom 10. bis 25. März werden Workshops unter dem Titel „Mit Kindern über den Holocaust reden“ angeboten, die von HSBI-Absolventin Elif Çelik durchgeführt werden. Mit den Workshops wird Schulklassen ein begleiteter und methodisch aufbereiteter Besuch der Ausstellung angeboten.

Darüber hinaus richtet sich das Rahmenprogramm auch an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Eltern und weitere Interessierte: Am 12. März spricht Prof. Dr. Erika Schulze über Kinderbücher zu Nationalsozialismus, Holocaust und jüdischem Leben in der Gegenwart und ordnet diese aus fachlicher Perspektive ein. Und zum Abschluss der Ausstellung findet am 26. März eine Lesung aus dem autobiografischen Bericht „Ihr sollt die Wahrheit erben“ statt. In der Lesung nähert sich Barbara Kirschbaum der Geschichte Anita Lasker-Wallfischs aus heutiger Perspektive an, begleitet von einer Cellistin.

Handreichung für Schulen

Ergänzend wurde eine Handreichung für Lehr- und pädagogische Fachkräfte entwickelt. Sie enthält methodische Anregungen und Arbeitsblätter zur Arbeit mit dem Kinderbuch „Du wirst gerettet werden. Die Cellistin von Auschwitz“ – unabhängig von der Ausstellung, aber auch zur Vorbereitung eines Ausstellungsbesuchs. Die Handreichung wurde von Elif Çelik unter Mitarbeit von Prof. Dr. Erika Schulze und Mehtap Yilmaz-Gerlich, erarbeitet und wird Schulen auf Anfrage kostenlos zur Verfügung gestellt. (abo)

Weitere Informationen

Bachelorstudiengang Soziale Arbeit
Pressemitteilung „Wie Kindern den Holocaust vermitteln? HSBI-Absolventin besucht mit Schüler:innen eine Ausstellung über die KZ-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch“

Auf einen Blick

Die Cellistin von Auschwitz – die Geschichte von Anita Lasker-Wallfisch
7. - 29. März 2026
Montags - freitags, 10 bis 18 Uhr
Sonntags, 11 bis 17 Uhr
Kleiner Saal der VHS, Ravensberger Park 1, 33607 Bielefeld

Für weiteres Bildmaterial können Sie sich gerne an presse@hsbi.de wenden.