17.12.2025

Rein digital, aber mit Bundfalte und doch irgendwie „printig“: Die neue GUM, das Magazin des Fachbereichs Gestaltung an der HSBI, ist da!

Screenshot: Voransicht einer Seite des GUM
Das Magazin wird seit 1997 in unregelmäßigen Abständen vom Institut für Buchgestaltung der HSBI herausgegeben. © Institut für Buchgestaltung/HSBI
Foto: Nina Michler sitzt vor mehreren Bildschirmen und designt die GUM
Die 14. Ausgabe der GUM ist eine Reise durch herausragende Projekte des Fachbereichs Gestaltung der vergangenen fünf Jahre. © K. Schradi/HSBI
Screenshot: Voransicht einer Seite des GUM
Das Magazin wird seit 1997 in unregelmäßigen Abständen vom Institut für Buchgestaltung der HSBI herausgegeben. © Institut für Buchgestaltung/HSBI
Ein Mann liegt auf einem Sofa und lies die entwürfe der GUM
Kommunikationsdesign-Student Lars Vieth: „Es ging darum, ein analoges Magazinlayout mit nativ digitalen Mitteln ins Digitale zu übertragen.“ © K. Schradi/HSBI
Seit 1997 bringt das Institut für Buchgestaltung am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Bielefeld in unregelmäßigen Abständen die GUM heraus, das Magazin für konzeptionelles Gestalten. Die mittlerweile 14. Ausgabe liegt nun vor – erstmals nicht gedruckt, sondern als Symbiose aus analogem Magazin und digitaler Plattform unter https://gum-magazin.de. Die Idee dazu ist in einem Seminar des HSBI-Alumnus und freien Gestalters Johannes Nathow entstanden. Irgendwo zwischen Nostalgie und Innovation lotet die GUM #14 die Möglichkeiten und Grenzen der Magazingestaltung aus. Und ist gleichzeitig eine Reise durch herausragende Projekte des Fachbereichs Gestaltung der vergangenen fünf Jahre.

Bielefeld (hsbi). Eines schönen oder eben weniger schönen Tages passiert es dann: Das letzte Magazin auf Erden wird gedruckt. Die Bindemaschine samt ihrem Erzeugnis wandert ins Museum, und dort staunen die Menschen. Wie umständlich es war, Bilder und Geschichten in die Welt zu tragen (angefangen mit dem Fällen von Bäumen). Und am Ende doch nur dieser ästhetische Kompromiss, verkörpert durch den Ur-Makel eines jedes analogen Magazins: die doppelte Wölbung in der Mitte, die das Lese- und Schauerlebnis so trübt. Der notorische Bund. Konnste knicken, wie du wolltest, meist wurde es nicht besser.

Sechs Jahre nach der letzten GUM macht das Magazin den nächsten Evolutionsschritt

Gruppenfoto Nina Michler Lars Vieth und Johannes Nathow vor der HSBI Lampingstraße
v.l.: Bachelorstudentin Nina Michler, Masterstudent Lars Vieth und HSBI-Dozent Johannes Nathow arbeiteten gemeinsam an der 14. Ausgabe der GUM.

Wer nun das gerade gelaunchte Magazin für konzeptionelles Gestalten (GUM) des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Bielefeld (HSBI) aufschlägt (was nur per Mausklick geht und zwar unter https://gum-magazin.de, staunt auch nicht schlecht: Da ist sie, die lästige Bundfalte! Hat sich trotzig behauptet im digitalen Raum, wo sie am wenigsten Not tut. Und wie wunderschön sie hier aussieht! „Schon ziemlich am Anfang des Projekts gab es die Idee, mit Doppelseiten zu arbeiten“, sagt Johannes Nathow, HSBI-Dozent, Alumnus der Hochschule und Teil der Kommunikationsdesign-Agentur Nathow & Geppert, der die 14. Ausgabe von GUM von vorne bis hinten begleitet hat. Die Doppelseiten-Idee wurde dann konsequent durchgezogen – inklusive der mittleren Trennung.

Bereits im Sommersemester 2023 kam Johannes Nathow mit dem Lehrauftrag an die HSBI, die prestigeträchtige GUM erstmals in eine digitale Form zu überführen. Das Magazin erscheint seit 1997 in unregelmäßigen Abständen. „Es ist als studentisches Projekt gestartet und hat sich dann zum Auflageobjekt entwickelt, herausgegeben vom Institut für Buchgestaltung der Hochschule Bielefeld“, erzählt Nathow. „Die 13. Ausgabe ist 2019 veröffentlicht worden. Und wir alle spürten jetzt, dass wir den nächsten Evolutionsschritt gehen mussten.“

Man scrollt scheinbar endlos durch die Doppelseiten – das geht auf dem Handy natürlich nicht

„Die Reise durchs Magazin bietet einen Ausblick in die Zukunft gestalterischer Praxis. Wir reflektieren die kreativen Prozesse und den innovativen Geist an unserer Hochschule aus den vergangenen fünf Jahren mit einer sorgfältig kuratierten Auswahl herausragender Projekte.“

Bachelor-Studentin Nina Michler

Der Dozent nahm sich die Zeit für einen langen Anlauf: „Also haben wir als erstes in Arbeitsgruppen recherchiert, was ein digitales Magazin eigentlich ausmacht, wie es sich von Blogs und anderen Webseiten unterscheidet und welche Elemente unser digitales Magazin haben könnte“, sagt Johannes Nathow. „Wir haben genau ausgelotet, welche Möglichkeiten wir haben und welchen Einschränkungen wir unterliegen.“

In der Arbeitsgruppe von Lars Vieth wurde dann die entscheidende Idee geboren: „Es ging darum, ein analoges Magazinlayout mit nativ digitalen Mitteln ins Digitale zu übertragen“, sagt Vieth, der an der HSBI im Master Kommunikationsdesign studiert. „Eine der prägenden Rahmenbedingungen war für uns, dass man das komplett von oben nach unten durchscrollen kann. Das sollte dann digital bespielt werden – mit Videos, Animationen, Interaktionen und Ton. In enger Verbindung mit analogen Elementen, die man nicht wirklich braucht.“ Wie der Hommage-artigen Doppelseitenstruktur mit Bund. „Aber auf den Computerbildschirm passt eine Doppelseite eben auch total gut drauf. Und genau deswegen gibt es die GUM #14 nicht fürs Handy.“

Eine Reise entlang der Schnittstellen multidisziplinärer Gestaltungslehre

Foto: Ein Tablet mit einer Seite des GUM liegt auf einem Tisch
© K. Schradi/HSBI

Erst im folgenden Semester nahmen die redaktionellen Inhalte Gestalt an, und die Bachelor-Studierende Nina Michler kam an Bord. „Ich hatte mich schon vorher mit Editorial-Design auseinandergesetzt, aber dies war noch einmal etwas vollkommen anderes für mich, und ich habe unheimlich viel gelernt“, erinnert sie sich. „Alle gestalterischen Themen wurden noch einmal durchdekliniert, immer mit der Frage: Wie übersetzt man das in die digitale Welt?“ Darüber hinaus hat sich Nina Michler um die Kommunikation mit allen Beteiligten und um die textliche Umsetzung gekümmert.

Auf der inhaltlichen Ebene funktioniert die GUM #14 dann tatsächlich wie ein klassisches Magazin. Bildlastige Strecken wechseln sich in einem breiten Spannungsbogen ab mit Elementen wie Essay und Interview. „In diesem Gerüst sind all unsere Studienrichtungen abgebildet – von Fotografie und Bildmedien über Kommunikationsdesign und Mode bis hin zu Digital Media and Experiment“, erklärt Michler. „Die Reise durchs Magazin bietet damit einen Ausblick in die Zukunft gestalterischer Praxis. Wir reflektieren die kreativen Prozesse und den innovativen Geist an unserer Hochschule aus den vergangenen fünf Jahren mit einer sorgfältig kuratierten Auswahl herausragender Projekte. In diesem Querschnitt schaffen wir Raum für neue Dimensionen und erkunden die Schnittstellen multidisziplinärer Gestaltungslehre.“

Analoges Denken mit quatschigen Ideen kann im Netz gut funktionieren

Drei Personen sitzen zusammen an einem Tisch und schauen sich ausgedruckte Entwürfe des GUM Magazins an
HSBI-Absolvent und -Dozent Johannes Nathow (l.): „Wir sehen uns jetzt nicht so sehr als Vorreiter, sondern eher als Einhorn.“

Steht schließlich auch die GUM #14 selbst für ein Stück Zukunft digitaler Magazingestaltung? „Wir sehen uns jetzt hier nicht so sehr als Vorreiter, sondern eher als Einhorn“, sagt Johannes Nathow. „Das Ganze ist ja aus einer Laborsituation heraus entstanden. Wir wollten vor allem experimentieren, herausfinden, was alles möglich ist, und eine neue Form generieren, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit.“ Nina Michler ergänzt: „Vor allem bei der Typografie haben wir versucht, einen sehr individuellen und auch experimentellen Ansatz zu finden. Und dass man die Umbrüche richtig schön setzt oder sogar einen Formsatz gestaltet – das gibt es im digitalen Bereich natürlich sehr selten.“

Lars Vieth, der mehr aus der Buchgestaltung und klassischen Magazinarbeit kommt, verweist auf die Limitierung, denen sich Gestalter im Netz offensichtlich unterwerfen, weil sie Nutzergewohnheiten nicht mehr infrage stellen. „Wir wollten mit unseren Inhalten ganz bewusst anders umgehen, eine andere Form von Spannung und Emotionalisierung erzeugen“, sagt er. „Ich dachte vorher eigentlich immer, dass ich zu analog denke, um digital zu gestalten. GUM #14 hat mich dazu ermutigt, ruhig experimenteller an Sachen heranzugehen, weil tatsächlich auch ein bisschen quatschige Ideen im durchgenormten Überbau von Internetformaten gut funktionieren können.“

Für Gestaltungs-Studierende wird jedenfalls auch die GUM #14 wieder Signalwirkung haben. „Jede Ausgabe war bisher schon so ein großes Ding, an dem man sich als Kommunikationsdesigner orientieren konnte, eine Quelle der Inspiration“, sagt Lars Vieth. „Und es ist im Übrigen ja absolut möglich, dass die nächste Ausgabe wieder gedruckt wird.“ Die Bindemaschine also bitte noch mal ein paar Jahre stehenlassen! (poe)

Für weiteres Bildmaterial können Sie sich gerne an presse@hsbi.de wenden.