29.10.2026

Einblicke für jede:n: Reger Austausch in den Laboren der HSBI beim gut besuchten Campustag der GENIALE 2026

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Das intelligente Pflegebett im Transferlab von ISyM berechnet die Druckverteilung zwischen Mensch und Matratze und warnt, an welchen Stellen die Belastung zu hoch werden kann. © P. Pollmeier/HSBI
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Im Skills Lab Pflege der HSBI gibt es eine Sitzgruppe, die einem Wohnzimmer nachempfunden ist, um die häusliche Pflege zu simulieren. © P. Pollmeier/HSBI
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Flur, Treppe, Fahrstuhl: Maurice und Axel Kobusch testeten den Alterssimulationsanzug, indem sie sich auf den Weg durch die HSBI begaben. © P. Pollmeier/HSBI
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Die Besucher:innen konnten einen Einblick in das Hebammen Skills Lab erhalten, wie hier bei der Simulation der Neugeborenenversorgung. © P. Pollmeier/HSBI
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Zum Campustag der GENIALE 2026 öffnete die HSBI vier ihrer Labore und gewährte Einblicke in aktuelle Forschung und Lehre, wie hier im Bewegungslabor. © P. Pollmeier/HSBI
Wissbegierige Besucher:innen und auskunftsfreudige Forschende: Zum Campustag der GENIALE 2026 öffnete die Hochschule Bielefeld vier ihrer Labore und gewährte Einblicke in aktuelle Forschung und Lehre. So war nicht nur zu erfahren, wie angehende Hebammen und Pflegekräfte die für den Beruf nötigen Fähigkeiten erlernen oder wie digitale Technologien die Pflege verbessern können, sondern auch, was ein Skills Lab auszeichnet.

Bielefeld (hsbi). Vorsichtig setzt Axel Kobusch die wuchtige Brille auf. „So“, sagt er und greift zu einer Broschüre. Streckt sie ein bisschen weiter weg, holt sie wieder näher heran, guckt noch genauer hin – und befindet schließlich: „Ich sehe schon mal – null, nichts.“ Kein Wunder, simuliert die Brille im Skills Lab Pflege der Hochschule Bielefeld (HSBI) doch den Grauen Star, eine altersbedingte Eintrübung der Augenlinse.

„Wie geht’s uns?“ lautet das Motto der GENIALE 2026. Im Oktober und November dieses Jahres widmet sich der zweimonatige Schwerpunkt der Bielefelder „Wissenswerkstadt“ dem Thema Gesundheit – eng eingebunden in die vielen Veranstaltungen: HSBI und Universität Bielefeld. Ein fester Bestandteil der GENIALE ist der Campustag. Zu diesem öffnete die HSBI vier ihrer Labore, in denen sich auch im Hochschulalltag alles um Gesundheit dreht: das Hebammen Skills Lab und das Pflege Skills Lab des Fachbereichs Gesundheit  sowie das TransferLab und das Bewegungslabor im Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik. „Wir wollen direkte Einblicke in die aktuelle Arbeit von Forschenden und Lehrenden ermöglichen und zeigen, wie Wissen an der Hochschule entsteht und weitergegeben wird“, sagt HSBI-Präsidentin Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk. Diese Einladung kam an: Den ganzen Tag über beantworteten HSBI-Forschende und Lehrende die Fragen interessierter Besucher:innen. Sie erklärten, demonstrierten, ließen ausprobieren und hatten sichtlich Freude daran, ihr Wissen zu teilen.

Fähigkeiten für den Kreißsaal entwickeln – im Hebammen Skills Lab

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Studierende der Hebammenwissenschaft können an der HSBI mithilfe von Simulationspuppen praxisnah Handlungskompetenzen erwerben.

Im Hebammen Skills Lab hält Dalila Kaim ihre acht Monate alte Tochter auf dem Arm. „Den Familienbesuch habe ich extra auf den Termin des Campustages gelegt. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen“, erzählt die gebürtige Bielefelderin, die inzwischen in Algerien lebt. Ausgiebig schaut sich Kaim die verschiedenen Stationen und Hilfsmittel der Geburtshilfe an, die im Skills Lab aufgebaut sind – vom breiten Entbindungsbett über Seil und mobile Badewanne bis zur Neugeborenenversorgung. Auf dem Bett liegt ein puppenähnliches, lebensgroßes Modell mit einem Babybauch, den Slavica Ninić jetzt mit geübten Händen abtastet. „Um die Lage des Kindes festzustellen“, erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Gesundheit, die nach ihrer Ausbildung zur Hebamme noch einen Abschluss in Hebammenwissenschaft (Midwifery B.Sc.)  gemacht hat. „Wo man Hohlräume spürt, sind beispielsweise die Extremitäten zu vermuten.“ Ninić öffnet die Bauchabdeckung des Schwangerschaftsmodells. Darunter wird ein Fötusmodell in der Fruchtblase sichtbar. „Die Studierenden können sofort überprüfen, ob sie richtig getastet haben, und dann noch mehrmals ausprobieren: Wie fühlt sich welche Lage an?“ Denn genau dafür ist ein Skills Lab da: Fähigkeiten – auf Englisch „skills“ – entwickeln, Handgriffe trainieren, Handlungsabläufe einüben, kurz: „Handlungskompetenz erwerben“, sagt Slavica Ninić.

Zwei Skills Labs für Pflegeberufe: Von Häuslicher Pflege über stationäre Pflege bis zur Intensivstation

Dalila Kaim findet das gut. „Praxisnahes Training im geschützten Raum – super!“ dann setzt sie ihre Tochter in den Buggy und schiebt sie vom Kreißsaal gleichsam direkt ins Pflegeheim: Hier im Skills Lab Pflege ist allerdings nicht nur ein Zimmer der stationären Krankenhauspflege nachgebaut mit jeweils einem Bett von Intensivstation, Normalstation und Kinderstation. Im Nebenraum gibt es auch eine Sitzgruppe samt Ohrensessel, Sofatischchen und Teppichläufer. „Für die häusliche Pflege“, erklärt Deborah Damkröger. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Gesundheit hilft gerade Axel Kobusch und seinem Sohn Maurice in eine Art Weste, legt ihnen Manschetten um Arme und Beine und verpasst ihnen besagte Grauer Star-Brille. Fehlen noch die Kopfhörer. „Lassen sie uns erst den Weg besprechen. Mit den Kopfhörern hören sie nämlich nichts mehr“, bremst Damkröger. Schnell steht die Route – Flur, Treppe, Fahrstuhl – dann laufen Vater und Sohn los.

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Mihilfe des Alterssimulationsanzuges haben Maurice und Axel Kobusch erlebt, wie sich der Körper im Alter oder mit extremen Einschränkungen anfühlt.

„Der Anzug simuliert typische körperliche Alterserscheinungen und -beschwerden wie Gleichgewichtsprobleme oder Kraftlosigkeit“, erklärt Damkröger. Denn im Skills Lab Pflege geht es neben der Handlungskompetenz um eine weitere essentielle Fähigkeit in Pflegeberufen: Einfühlungsvermögen! „Mit dem Alterssimulationsanzug können die Studierenden erleben, wie sich der Körper im Alter oder mit extremen Einschränkungen anfühlt“, sagt Damkröger. „Das schafft Verständnis zum Beispiel dafür, warum vieles im Alter länger dauert.“ Die beiden Kobuschs kommen von ihrer Tour zurück und sind geschafft. „Es war so anstrengend“, bekennt der 20-jährige Maurice. Deborah Damkröger nickt verständnisvoll und macht Hoffnung. „Den Alterungsprozess können wir positiv beeinflussen und länger fit bleiben, indem wir möglichst frühzeitig mit Kraft- und Gleichgewichtstraining beginnen. Und wenn es dann doch soweit ist, sollte man sich nicht scheuen, Hilfsmittel zu nutzen.“

Handschuh für die Schlaganfall-Reha im Bewegungslabor der AG Eingebettete Systeme und Biomechatronik

Wie Technik bei Einschränkungen helfen kann, demonstriert Dr. Hanno Meyer im Bewegungslabor der Arbeitsgruppe Eingebettete Systeme und Biomechatronik am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik. Vor der Anwendung braucht es aber auch an der HSBI zunächst Grundlagenforschung, erklärt Meyer: „Wir müssen wissen, wie Muskelaktivität und Bewegung zusammenhängen, um aus den Muskelsignalen beabsichtigte Bewegungen vorhersagen zu können.“ Um das herauszufinden, zeichnen die Forschenden Körperbewegungen berührungslos mit einem Kamerasystem auf und messen zugleich Muskelaktivität und Kräfte. Meyer deutet auf ein Rennrad im Versuchsstand: „Die Daten lassen sich dann beispielsweise für die Leistungsdiagnostik nutzen.“ Oder um Robotern Bewegungen beizubringen: Dazu haben die Forschenden ein KI-Lernverfahren umgesetzt. „Dabei lernt der Roboter durch Ausprobieren und Belohnung sich fortzubewegen“, erklärt Meyer, tätschelt dem „Laborhund“ den Kopf und zeigt in einem kurzen Film, wie sich die hundeähnliche Maschine auf vier Beinen recht geschickt fortbewegt.

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Besucher:innen konnten im Bewegungslabor einen Handschuh testen, der zum Beispiel in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten genutzt wird.

„Das Prinzip lässt sich auch für körpernahe Assistenzsysteme wie Orthesen nutzen“, sagt Hanno Meyer und nimmt einen Handschuh. „Wer möchte probieren?“ Maurice Kobusch streckt sofort seine Hand hinein – und erlebt das Gegenteil der Alterssimulation: „Wahnsinn“, staunt er, als sich seine Hand fast wie von selbst bewegt. „Der Handschuh unterstützt die natürliche Bewegung und wird etwa in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten genutzt“, erläutert Meyer und verrät den nächsten Entwicklungsschritt: „Mit Muskelsignalen wollen wir eine KI so trainieren, dass sie beabsichtigte Bewegungen vorhersagen kann, noch bevor sie beginnen. So sollen Assistenzsysteme früher unterstützen können.“

ISyM-Transferlab mit dem intelligenten Pflegebett, das vor Dekubitus schützt

Manchmal helfen aber alle Unterstützungssysteme nicht mehr, der Mensch kann nur noch liegen. Im Transferlab des Instituts für Systemdynamik und Mechatronik (ISyM)  hat Neevkumar Manavar schon mal ein Pflegebett vorbereitet – mit einer Besonderheit. „Es kann sozusagen mitdenken“ sagt der Doktorand lächelnd. Und dabei helfen, den gefürchteten Dekubitus zu verhindern: „Die Verletzung kann entstehen, wenn Haut und Gewebe durch die Druckbelastung geschädigt werden“, weiß Manavar. Er hat ein nicht-invasives Verfahren entwickelt, das die Drucküberwachung gefährdeter Patient:innen übernehmen kann. Der Doktorand schaut nach oben und macht auf eine Kamera aufmerksam: „Die spezielle Tiefenkamera über dem Bett erfasst die liegende Person, eine umfassend trainierte KI analysiert die Bilddaten, berechnet die Druckverteilung zwischen Mensch und Matratze und warnt, an welchen Stellen die Belastung zu hoch werden kann“, beschreibt Manavar sein System und fragt die Zuhörenden: „Möchte jemand probeliegen?“ Dalila Kaim schaut ihre Tochter an, die schaut zum Bett und protestiert lautstark. „Sie hat noch Zeit“, kommentiert ein Zuhörer lachend. Bis dahin ist Manavars intelligentes Bett vielleicht längst Standard. (uh)