Vom 11. bis 13. Juli zeigt die aktuelle Schau über 70 Abschlussarbeiten aus den Studienrichtungen „Digital Media and Experiment“, „Fotografie und Bildmedien“, „Kommunikationsdesign“ und „Mode“. Die Arbeiten thematisieren beispielsweise die Rolle des Menschen im digitalen Zeitalter, den Wert von Tieren in unserer Gesellschaft oder Nachhaltigkeit in der Modebranche. Fotografie-Absolvent Leon Adam Haas porträtierte Tiere auf Lebenshöfen, also an Orten, an denen sie frei von ökonomischer Verwertung leben dürfen.
Bielefeld (hsbi). Wie sehen Gestalterinnen und Gestalter auf die Welt – und was zeigen sie uns, wenn sie den Blick lenken? Die Werkschau des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Bielefeld gibt vom 11. bis 13. Juli 2025 einen Einblick in aktuelle Abschlussarbeiten. Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 11. Juli, um 18 Uhr im Gebäude des Fachbereichs an der Lampingstraße. Insgesamt 58 Bachelor- und 14 Master-Absolventinnen und Absolventen der Studienrichtungen Kommunikationsdesign, Mode, Fotografie und Bildmedien sowie Digital Media and Experiment (DMX) stellen ihre Abschlussarbeiten vor. Ergänzt wird die Ausstellung durch Semesterprojekte aller Jahrgänge. Die Ausstellung unter dem Oberthema „Punkt“ ist öffentlich zugänglich. Der Eintritt ist frei.
Punkt als Impuls, Schnittstelle, Orientierung
„In vielen Projekten an der Hochschule stellt sich aktuell die Frage: Wo verorten wir uns als Mensch? Wo finden unsere Identität? Und welche Rolle spielt unsere subjektive Sicht auf die Welt in Zeiten künstlicher Intelligenz?"
Prof. Nils Hoff, Dekan des Fachbereichs Gestaltung
„Der Punkt ist ein gesetztes Zeichen, ein Ansatzpunkt, ein Standpunkt, Anfangs- und Endpunkt, aber auch ein Moment des Übergangs; als Haltepunkt, Wendepunkt oder Kipppunkt.“ sagt Prof. Nils Hoff, Dekan des Fachbereichs. Das von Studierenden gewählte Oberthema taucht im Leitsystem der Ausstellung auf, kann aber als vieldeutige Metapher auch in vielen Arbeiten wiedergefunden werden. „In vielen Projekten an der Hochschule stellt sich aktuell die Frage: Wo verorten wir uns als Mensch? Wo finden unsere Identität? Und welche Rolle spielt unsere subjektive Sicht auf die Welt in Zeiten künstlicher Intelligenz?"
Prodekanin Prof. Claudia Rohrmoser erläutert: „Wir leben längst in einer postdigitalen Welt. Das meint: Es geht nicht mehr um ein 'Entweder analog oder digital', sondern um das Zusammenspiel beider Welten.“ Künstliche Intelligenz eröffne neue gestalterische Möglichkeiten, werfe aber zugleich die Frage auf, was im Gestaltungsprozess noch menschlich sei. Auch im Alltag wachse die Herausforderung, zu erkennen, ob ein Bild, ein Film oder eine Aussage noch menschlichen Ursprungs sei. „Viele Abschlussarbeiten setzten sich deshalb intensiv mit der eigenen Rolle der Gestalter auseinander“, so Rohrmoser. „Es sind elementare Fragen: Welchen Platz finde ich noch in der Arbeitswelt? Was wird automatisiert – und was bleibt mir, wenn Maschinen bereits so gut denken, sprechen, schreiben und sogar eigenständig Ideen entwickeln und umsetzen, kurz: gestalten können?“ In diesem Diskurs bleibe das Analoge stark präsent: als handwerklicher, bewusst unperfekter Zugang und als Gegenposition zu vollständig automatisierten Prozessen.
(von links:) „Ich-trau-dir-nicht-Linie" von Paul Scheide (Fotografie und Bildmedien); „Aeom Sand" von Maira Wissing (DMX); „mutter ohne skript" von Jule Ehlenz (Fotografie und Bildmedien)
Im Folgenden einige Erläuterungen zu ausgewählten Abschlussarbeiten des aktuellen Sommersemesters:
Studienrichtung Digital Media and Experiment: Juan Cruz Caamano – Data Bodies (Master-Abschlussarbeit)
In der interaktiven Arbeit von Juan Cruz Caamano können Besucher:innen nicht nur über persönliche Daten reflektieren, sondern ihren eigenen Datenkörper visuell erfahrbar machen.
Was bleibt vom Menschen, wenn in der Gesellschaft Daten zu seiner sichtbarsten Spur werden? Juan Cruz Caamano beschäftigt sich mit der Konstruktion sogenannter „Datenkörper“ im Zeitalter eines „Überwachungskapitalismus“. Seine Arbeit verbindet Theorie und Interaktion: In einer dreiteiligen Ausstellung können Besucher nicht nur über persönliche Daten reflektieren, sondern ihren eigenen Datenkörper visuell erfahrbar machen. Die Auseinandersetzung lädt dazu ein, Fragen nach Kontrolle, Selbstbild und digitaler Ethik neu zu verhandeln.
Studienrichtung Fotografie und Bildmedien: Leon Adam Haas – Über Tierleben (Bachelor-Abschlussarbeit)
Vom 11. bis 13. Juli zeigt die aktuelle Werkschau über 70 Abschlussarbeiten aus den Studienrichtungen „Digital Media and Experiment“, „Fotografie und Bildmedien“, „Kommunikationsdesign“ und „Mode“.
Was ist ein Tier wert, wenn es nichts mehr leisten muss? Leon Adam Haas porträtiert Tiere auf Lebenshöfen, also an Orten, an denen sie frei von ökonomischer Verwertung leben dürfen. Die Fotografien dokumentieren individuelle Geschichten. Besucher begegnen Blicken, Narben, Nähe – und einer Ethik der Fürsorge. Dabei stellt sich die Frage: Warum sind uns manche Tiere mehr wert als andere? Die Serie regt dazu an, bestehende Hierarchien zwischen Mensch und Tier zu überdenken. Und sie lädt dazu ein, sich neue Formen des Zusammenlebens vorzustellen.
Viele Farben, die heute im Siebdruck verwendet werden, enthalten Mikroplastik oder andere umweltbelastende Stoffe. Lis Stüwe geht in ihrer Arbeit der Frage nach, wie sich natürliche Alternativen selbst herstellen lassen. Sie entwickelte eigene Farben und erstellte eine Anleitung zur Farbherstellung in Form eines illustrierten Zine. Sie beschreibt unter anderem die Geschichte früherer Pigmente und vergleicht ihre Farben mit heute üblichen Siebdruckfarben. Gestaltung wird hier zur Suche nach umweltfreundlicheren Lösungen.
Aus Hibiskus, Kurkuma und Aktivkohle: Kommunikationsdesign-Studentin Lis Stüwe entwickelte Siebdruckfarben aus natürlichen und organischen Stoffen.
Studienrichtung Mode: Bahareh Razawi & Jana Przibylla – Skill-Sharing (Master-Abschlussarbeit)
Für ihre gemeinsame Abschlusskollektion setzten Mode-Absolventinnen Bahareh Razawi und Jana Przibylla auf traditionelles Kunsthandwerk – unter anderem Stickerei – und moderne Oberflächenbehandlung wie Fabric Slashing und 3D-Stickerei.
Ausgangspunkt dieser Arbeit ist der Widerspruch zwischen Innovation und Nachhaltigkeit in der Modebranche. Bahareh Razawi und Jana Przibylla greifen diesen Gegensatz auf und entwickeln eine fiktive Erzählung über fünf queere Personen aus dem Iran, China, Portugal, Japan und Marokko. Alle bringen sie ein eigenes Handwerk ein, das zum Ausgangspunkt für gemeinsame Kleidung wird. Inspiriert von der Hip-Hop- und Skate-Kultur der 1980er-Jahre, setzen die beiden Gestalterinnen auf traditionelles Kunsthandwerk – unter anderem Stickerei – und moderne Oberflächenbehandlung wie Fabric Slashing und 3D-Stickerei. Verarbeitet wurden gespendete Materialien. So entsteht Mode als kultureller Austausch und nachhaltiger Entwurf. (rm/she)
Werkschau Sommersemester 2025
Die Eröffnung der Werkschau und die Verabschiedung der Absolvent:innen des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Bielefeld findet am Freitag, 11. Juli um 18:00 Uhr bis 23 Uhr, statt. Am Samstag, 12. Juli, sowie am Sonntag, 12. Juli, ist die Werkschau von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Außerdem werden die Arbeiten in die Werkschau-Website integriert, die jedes Semester ergänzt wird.