11.05.2026

HSBI intensiviert Lehr-Kooperation in den Ingenieurwissenschaften mit der belgischen PXL und weiteren ausländischen Hochschulen

Foto: Treppenhaus in der PXL
Seit 2013 pflegt die HSBI eine Hochschulpartnerschaft mit der PXL im limburgischen Hasselt. © K. Schradi/HSBI
Foto: Studierende stehen vor dem Gebäude der PXL und lernen sich kennen
Die HSBI-Studierenden aus Prof. Dr. Mariam Dopslafs Lehrveranstaltung hatten die Möglichkeit, ihre belgischen Team-Kolleg:innen vor Ort kennenzulernen. © K. Schradi/HSBI
Foto: Studierende meistern gemeinsam Spiele um sich kennenzulernen
Die Studierenden der beiden Hochschulen hatten viel Spaß bei den gemeinsamen Team-Building-Aktionen. © K. Schradi/HSBI
Foto: Porträt Mariam Dopslaf
Prof. Dr. Mariam Dopslaf, Professorin für Technisches Dienstleistungsmanagement und Beauftragte für Internationales am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik. © P. Pollmeier/HSBI
Die Austauschprogramme zwischen der Hochschule Bielefeld und der PXL University of Applied Sciences and Arts aus Belgien ermöglichen den Studierenden beider Häuser internationale Erfahrungen auch ohne Auslandssemester. Nun zieht die Kooperation weitere Partner an – aus dem hohen Norden und Südosteuropa. In Blended International Programmes von Erasmus+ arbeiten derweil belgische und Bielefelder Studierende online an praxisnahen Projekten zusammen – immer mit kurzen Zusammentreffen vor Ort.

Bielefeld (hsbi.) Ein Freitag im März, morgens um vier Uhr liegt der Campus der Hochschule Bielefeld (HSBI) noch im Dunkeln. Das schreckt eine Gruppe Studierender und Professor:innen nicht: Etwas müde aber fröhlich besteigen sie einen Reisebus. Das Ziel: die PXL University of Applied Sciences and Arts in Belgien.

Bereits seit 2013 pflegt die HSBI eine Hochschulpartnerschaft mit der PXL im limburgischen Hasselt, vor allem zum Fachbereich Green&Tech in Diepenbeek. Initiiert wurde die Kooperation vom mittlerweile pensionierten HSBI-Professor Dr. Franz Feyerabend. Der Austausch war zunächst eher locker und individuell abgestimmt, wenn etwa belgische Studierende die Labore der damaligen Fachhochschule nutzten oder Bielefelder Studierende ihr Auslandspraktikum an der PXL absolvierten. Nach der Corona-Pause intensivierte sich der Kontakt: „Die Belgier fragten uns als Partner in einem Erasmus-Netzwerk im Bereich Mechatronik an“, erzählt Prof. Dr. Marc-Oliver Schierenberg. Der Professor für Physik/Messtechnik am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik hat aus der lockeren Vernetzung eine handfeste Zusammenarbeit gemacht. Er übernahm die Koordination der Hochschulpartnerschaft und machte sich kurzerhand auf den Weg nach Belgien.

3,5 Stunden Fahrt – und schon sind die Studierenden an der Partneruniversität

„Die Nähe ist ein großer Pluspunkt, sie erleichtert persönliche Treffen und das Kennenlernen der Partner“, sagt Schierenberg. Vor Ort am Campus in Diepenbeek war ihm schnell klar: „Das matcht.“ PXL und HSBI sind sich nicht nur räumlich nah, sondern auch thematisch – vor allem in den Ingenieurwissenschaften: „Für beide Hochschulen steht Nachhaltigkeit klar im Fokus. Beide arbeiten an technischen Lösungen in der Forschung und verankern das Thema in der Lehre“, erklärt Schierenberg. Gleichzeitig werden in Belgien und Bielefeld unterschiedliche Methoden, Herangehensweisen und Perspektiven genutzt. Für Prof. Dr. Mariam Dopslaf, Professorin für Technisches Dienstleistungsmanagement und Beauftragte für Internationales am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik, ist es genau das, was Internationalisierung ausmacht: „Die Unterschiede erweitern den eigenen Horizont und öffnen den Blick für neue Lösungsmöglichkeiten. Eine echte Bereicherung!“

Durch Schierenbergs Einstieg ins Netzwerk kamen zur Partnerschaft von HSBI und PXL weitere internationale Kontakte hinzu: „Auch zwei finnische Hochschulen gehören dazu, und zusammen haben wir die Umsetzung eines Blended International Programmes, kurz BIP, beschlossen.“ Ein BIP ist ein Förderformat innerhalb von Erasmus+, dem Programm der Europäischen Union zur Förderung der Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen. Hochschulen oder Universitäten aus mindestens drei europäischen Ländern erstellen gemeinsam ein Kursangebot, das virtuelle Lehrformate mit einer kurzen Mobilitätsphase an einer der beteiligten Einrichtungen verknüpft. „Damit ermöglichen wir unseren Studierenden, internationale Erfahrungen zu sammeln und interkulturelle Kompetenzen aufzubauen, auch ohne Auslandssemester“, sagt Dopslaf.

Studierende können in den internationalen Kooperationsprojekten ECTS-Punkte sammeln

Foto: Drei Lehrende stehen zusammen
Die Lehrenden Prof. Dr. Jan van Hecke, Prof. Dr. Kris Moors (beide PXL) und Prof. Dr. Marc-Oliver Schierenberg (HSBI) nutzen die gemeinsame Zeit, um die Zusammenarbeit zwischen der HSBI und PXL weiterzuentwickeln.

Das Konzept geht auf. Längst ist das BIP am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik fest etabliert. „Es ist für alle Studierenden des Fachbereichs offen und ermöglicht auch den Erwerb von ECTS-Punkten“, betont Marc-Oliver Schierenberg. Der Kreis der teilnehmenden Hochschulen hat sich bereits erweitert, auch albanische und kroatische Einrichtungen sind jetzt dabei. Im März erst war die HSBI Gastgeberin des BIP „Sustainable Minds“: Eine Woche lang arbeiteten rund 50 Studierende in internationalen Teams an Projekten zur nachhaltigen Mobilität. Die Partnerschaft zur PXL hat aber noch mehr zur Internationalisierung des Fachbereichs beigetragen. Bereits zum zweiten Mal bietet Mariam Dopslaf im Sommersemester zusammen mit ihrem belgischen Kollegen Frank Joosten die gemeinsame Lehrveranstaltung „Sustainable Minds“ im COIL-Format an. „COIL steht für Collaborative Online International Learning – ein virtuelles Lehrkonzept, bei dem Studierende von Hochschulen aus mindestens zwei verschiedenen Ländern in internationalen Teams online an einem Projekt arbeiten“, erklärt Dopslaf. Ihr COIL-Thema treibt die Internationalisierung noch weiter: Die Studierenden entwickeln nachhaltige Lösungen für reale Herausforderungen in Kakuma, einem der größten Flüchtlingscamps der Welt in Kenia.

Im Fall der Bielefeld-belgischen Kooperation bleibt die Zusammenarbeit in der COIL-Veranstaltung aber nicht auf den virtuellen Raum beschränkt: Der Bus ist inzwischen in Diepenbeek angekommen. Noch leicht verschlafen steigen die Studierenden aus. Sie haben Mariam Dopslafs Lehrveranstaltung belegt und die Gelegenheit genutzt, ihre belgischen Team-Kolleg:innen vor Ort kennenzulernen. „Auch wenn Online-Meetings manchmal nützlich sind, können sie Face-to-face-Treffen mit ihren persönlichen Interaktionen und wachsendem Teamzusammenhalt nicht vollständig ersetzen“, findet Samuel Beza, HSBI-Student im Bachelorstudiengang Industrial Engineering. Auch nach Erfahrung von Prof. Dopslaf wirkt sich der persönliche Kontakt positiv auf die spätere virtuelle Zusammenarbeit aus: „Es schafft persönliche Verbindungen und dadurch auch mehr Verbindlichkeit in der Projektarbeit. Mit wem man eine gute Zeit verbracht hat, den lässt man nicht leichtfertig hängen.“

Foto: Die Lehrenden der Lehr-Kooperation stehen um einen Tisch
v.l.n.r.: Prof. Dr. Mariam Dopslaf (HSBI), Dr. Maria Kobert (HSBI), Prof. Dr. Marc-Oliver Schierenberg (HSBI), Prof. Dr. Frank Joosten (PXL), Evelien Verdonck (PXL).

Während die mittlerweile deutlich wacheren Studierenden und ihre belgischen Kommiliton:innen Spaß an den Team-Building-Aktionen vor Ort haben, entwickelt Marc-Oliver Schierenberg im Gespräch mit den belgischen Kolleg:innen die Zusammenarbeit zwischen HSBI und PXL weiter: „Aktuell planen wir ein weiteres gemeinsames Erasmus-Projekt.“ Das internationale Netzwerk soll dabei noch größer werden: Auch eine Hochschule aus Cluj-Napoca in Rumänien ist diesmal dabei. (uh)