04.11.2026

HSBI-Promotion fragt: Sind akademische Pflegefachpersonen die besseren Schnittstellenmanager im Gesundheitswesen?

Zwei Frauen stehen über einem Pflegebett
Ziel des Forschungskollegs ist es, Erkenntnisse für eine hochwertige und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung zu gewinnen und damit zur Weiterentwicklung des Gesundheitssystems in NRW beizutragen. © P. Pollmeier/HSBI
Vier Frauen laufen auf dem Vorplatz der Hochschule Bielefeld
Das hochschulübergreifendes Projektteam: (v.l.) Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck (HSBI), Prof. Dr. Daniela Holle (HS Bochum - Konsortialführung). Prof. Dr. Christiane Knecht (FH Münster) und Prof. Dr. Karin Tiesmeyer (EvH Bochum) © P. Pollmeier/HSBI
Zwei Personen stehen vor einer Wand an der mit einem BEamer eine Folie mit der Überschrift IMPACT-Health geworfen ist
Im Rahmen ihres Teilprojekts untersuchen HSBI-Forscher:innen unter anderem, ob das Schnittstellen- und Überleitungsmanagement durch Pflegefachpersonen mit Masterabschluss zu einer verbesserten Gesundheitsversorgung in NRW beitragen kann. © P. Pollmeier/HSBI
Ein Mann und vier Frauen sitzen und stehen auf und neben einem Tisch und schauen in die Kamera
Prof. Dr. Anant Patel, HSBI-Vizepräsident für Forschung und Entwicklung und Mitglied des Vorstandes des PK NRW (links) mit den (Teil)Projektleiterinnen von der HSBI, der Hochschule Bochum, der FH Münster und der Evangelische Hochschule Bochum. © P. Pollmeier/HSBI
Zwei Frauen sitzen nebeneinander und schauen in ein Laptop
Prof. Dr. Christiane Knecht (FH Münster) und Prof. Dr. Karin Tiesmeyer (EvH Bochum) © P. Pollmeier/HSBI
Die Hochschule Bielefeld arbeitet mit in einem der beiden ersten geförderten Forschungskollegs des Promotionskollegs NRW, die jetzt an den Start gegangen sind: IMPACT-Health will berufliche Rollen im Gesundheitswesen weiterentwickeln. Im Rahmen ihres Teilprojekts untersuchen HSBI-Forscher:innen unter anderem, ob das Schnittstellen- und Überleitungsmanagement durch Pflegefachpersonen mit Masterabschluss zu einer verbesserten Gesundheitsversorgung in NRW beitragen kann – was Erfahrungen aus dem europäischen Ausland zeigen.

Bielefeld (hsbi). Wenn der Übergang zwischen Krankenhaus, häuslicher Pflege und anderen Versorgungseinrichtungen gut gemanagt wird, haben nicht nur die Patient:innen etwas davon, es kann auch die Kosten senken und die Verwaltung vereinfachen. An der Hochschule Bielefeld (HSBI) wird ab sofort im Rahmen des Forschungskollegs IMPACT-Health untersucht, worauf es ankommt bei einem solchen optimalen Schnittstellen- und Überleitungsmanagement. Unter der Teilprojektleitung von Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck entsteht u.a. eine Promotion zum Thema.

Die Abkürzung IMPACT-Health steht für „Interprofessional Modernization and Professional Advancement in Complex Treatment – Health“. Das Projekt ist eines von zunächst zwei Forschungskollegs des Promotionskollegs NRW (PK NRW), die vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert werden und in denen Forschende verschiedener Fachrichtungen über einen Zeitraum von vier Jahren gemeinsam an aktuellen gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen arbeiten.

Die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems in NRW ist das Ziel

„Mangelnde Abstimmung und Doppelstrukturen führen bei uns zu oft zu Informations- und Zeitverlusten, Doppeluntersuchungen, unnötigen Behandlungen und hohen Verwaltungskosten sowie erhöhtem bürokratischen Aufwand für Leistungserbringende."

Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck

Bei IMPACT-Health geht es um die Weiterentwicklung und Professionalisierung von Berufen im Gesundheitswesen. Ziel ist es, Erkenntnisse für eine hochwertige und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung zu gewinnen und damit zur Weiterentwicklung des Gesundheitssystems in Nordrhein-Westfalen beizutragen. Wissenschaftler:innen aus den Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften untersuchen die Arbeit von Fachleuten mit sogenannten „erweiterten Rollen“ im Gesundheitswesen. Das sind Personen, die auf Masterniveau ausgebildet sind. Beteiligt an IMPACT-Health sind mit jeweils einem Teilprojekt die Hochschule Bochum als Konsortionalführer, die FH Münster, die Evangelische Hochschule Bochum und die HSBI.

Hier wird das das Thema Schnittstellen- und Überleitungsmanagement bearbeitet, das sich auf ein wesentliches Problem im deutschen Gesundheitswesen konzentriert. Gemeint ist die ausgeprägte Sektorentrennung, die komplexe Versorgungssituationen hierzulande häufig zusätzlich verkomplizieren. „Mangelnde Abstimmung und Doppelstrukturen führen bei uns zu oft zu Informations- und Zeitverlusten, Doppeluntersuchungen, unnötigen Behandlungen und hohen Verwaltungskosten sowie erhöhtem bürokratischen Aufwand für Leistungserbringende“, berichtet Teilprojektleiterin Latteck. „Die Folgen können Fehl-, Unter- oder Überversorgung, erhöhte Kosten, geringere Effizienz und im schlimmsten Fall sogar die Patient:innengefährdung sein.“

Zwei Frauen stehen über ein Pflegebett gebeugt
Die Abkürzung IMPACT-Health steht für „Interprofessional Modernization and Professional Advancement in Complex Treatment – Health“.

Erfahrungen aus dem Ausland zeigen: Pflegegeführte Interventionen verbessern die Versorgung

Die Wirksamkeit und Implementierung eines professionellen Schnittstellenmanagements zum Beispiel durch sogenannte „nurse-led Modelle“, bei denen Pflegefachpersonen mit Masterabschluss die Hauptverantwortung für Patientenversorgung, Koordination und Organisation übernehmen, ist in vielen europäischen Ländern bereits nachgewiesen und zeigt sich insbesondere im Übergang zwischen Krankenhaus, häuslicher Pflege und anderen Versorgungseinrichtungen, so Latteck weiter. „Pflegegeführte Interventionen, wie Fallmanagement, Entlassungsplanung, Edukation und kontinuierliche Nachsorge verbessern die Versorgung, fördern Selbstmanagementfähigkeiten, reduzieren Krankenhausaufenthalte und steigern die Lebensqualität der Patient:innen.“ Wie dies insbesondere in NRW helfen kann, die Gesundheitsversorgung zu verbessern – das will das Teilprojekt untersuchen, indem es die Advanced-Practitioner-Rollen im Bereich Schnittstellen- und Überleitungsmanagement analysiert.

Neben der erwähnten Promotion wird an der HSBI auch eine Professurvertretung mit einem Stellenanteil von 50 Prozent über das Projekt finanziert. Außerdem sollen im Rahmen des Teilprojekts Kolleg:innen aus dem PK NRW und assoziierte Mitglieder in das Gesamtprojekt und die Betreuung der Promotion eingebunden werden, um hier Erfahrungen zu sammeln und die fachliche Erweiterung des Promotionsvorhabens durch interdisziplinäre Perspektiven zu sichern.

Chancen für Promovierende, neue Perspektiven für die Gesundheitsversorgung

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Hochschulübergreifendes Projektteam: (v.l.) Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck (HSBI), Prof. Dr. Daniela Holle (HS Bochum - Konsortialführung). Prof. Dr. Christiane Knecht (FH Münster) und Prof. Dr. Karin Tiesmeyer (EvH Bochum)

Prof. Dr. Anant Patel, HSBI-Vizepräsident für Forschung und Entwicklung und Mitglied des Vorstandes des PK NRW: „Es ist ein großer Erfolg für die HSBI, an einem der beiden ersten bewilligten Forschungskollegs des PK NRW beteiligt zu sein. So zeigt sich einmal mehr die Leistungsfähigkeit unserer praxisorientierten hochschulübergreifenden Forschung. Besonders begrüße ich die Chancen, die diese Förderinitiative Promovierenden bietet. Hier können wir das Potenzial der nächsten Generation von Forscher:innen nutzen, um neue Perspektiven für die Entwicklung der Gesundheitsversorgung zu gewinnen.“

Die Teilprojektleitungen der vier an IMPACT-Health beteiligten Hochschulen haben sich bereits mit Projektstart im Oktober an der HSBI getroffen, um auf Basis des Projektplanes die ersten Arbeitspakete und die gemeinsame Zusammenarbeit zu besprechen. Änne-Dörte Latteck: „Es ist eine sehr schöne Chance für die Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften, so in der Tiefe und Breite zu ‚erweiterten Rollen‘ in den Gesundheitsberufen zu forschen und langfristig Impulse für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung geben zu können. Das Forschungskolleg gibt dafür den Freiraum und die Anbindung aller Interessierten Kolleg:innen und Partner aus Praxis und Wissenschaft – wunderbare Rahmenbedingungen!“ (lk)