Ein weiteres Ergebnis: Die Fachgruppe Wirtschaftsinformatik wird im Sommersemester der Frage nachgehen, ob es für die Studierenden eine Art „Grundlagenausbildung" zu KI geben soll.
Foto: S.Jonek/HSBI
Bielefeld (hsbi). „ChatGPT, wirst du ein Studium überflüssig machen?“ lautet die Frage, die bei der Klausurtagung zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) des Fachbereichs Wirtschaft der HSBI an die Wand geworfen wird. ChatGPTs Antwort: „Die Frage, ob KI ein Studium überflüssig machen wird, ist komplex. Zunächst ist es wichtig zu betonen, dass KI ein Werkzeug ist, das das Lernen unterstützen kann, aber es ersetzt nicht die umfassende und tiefgehende Bildung, die ein Studium bietet.“
Doch der Einfluss von Programmen wie ChatGPT ist da. Studierende nutzen KI zum Lernen und auch bei Abschlussarbeiten. Die Lehre muss darauf reagieren, findet Prof. Dr. Frederik Bäumer, Professor für Wirtschaftsinformatik an der HSBI. Er war einer der Redner bei der Klausurtagung. Sein Thema: Generative KI. „Ich sehe große Chancen von KI in Studium und Lehre vor allem darin, dass Sprachmodelle Studierende beim Recherchieren, Strukturieren und Verstehen von Inhalten unterstützen können.“ Doch er betont auch: „Gleichzeitig müssen wir uns bewusst machen, dass diese Systeme vor allem Sprache erzeugen und kein echtes Wissen besitzen. Deshalb ist ein kritischer Umgang entscheidend.“
Tagungsteilnehmer:innen erarbeiten Pro und Kontra von KI in Studium und Lehre
Prof. Dr. Eika Auschner hat sich mit dem Thema Internationales beschäftigt.
Ein Pro und Kontra von KI in Studium und Lehre haben die Tagungsteilnehmer:innen auch in Arbeitsgruppen herausgearbeitet und präsentiert. Die Ergebnisse fallen bei allen ähnlich aus und knüpfen an Prof. Dr. Bäumers Auffassung an. Sorgen bereitet vor allem die Richtigkeit und Validierung der Quellen und Ergebnisse. Zudem können Probleme mit Copyright und Datenschutz entstehen. Und Lehrenden fehlt ausreichendes aktuelles Wissen zu KI, da die Entwicklungen in diesem Feld rasant voranschreiten.
Ein weiterer Punkt ist die Beurteilung von Haus- und Abschlussarbeiten. Wie sollen diese künftig bewertet werden? Die Teilnehmer:innen wünschen sich einheitliche Regeln für die Bewertung von Arbeiten mit KI-generierten Inhalten. „Außerdem ist die Vorstellung, KI-Texte zuverlässig erkennen zu können, derzeit eher eine Wunschvorstellung. Hochschulen müssen die Grundlagen verstehen und aktiv Kompetenzen im Umgang mit KI vermitteln. Fachübergreifend und nicht nur als Beobachter der Entwicklung“, so Prof. Dr. Frederik Bäumer.
Doch die Tagungsteilnehmer:innen erarbeiten auch Lösungsvorschläge. Abschlussprüfungen könnten fortan durch Kolloquien ergänzt werden oder eine Präsentation des Entstehungsprozesses der Arbeit voraussetzen. Zusätzlich könnte die Gewichtung der ECTS neu gedacht werden. Es braucht auch Schulungen für Prüfer:innen, um KI-Nutzung zuverlässiger erkennen zu können.
Mit dabei waren auch Prof. Dr. Ulrich Schäfermeier (Bild links), Prof. Dr. Frederik Bäumer (1.v.r. im rechten Bild) und Sergej Schultenkämper (1. v.l. im rechten Bild). Prof. Bäumer hielt einen Vortrag zu „Generativer KI“.
Kamingespräch mit Miele-Geschäftsleiter zu KI in der Berufswelt
Von links: Dekan Prof. Dr. Riza Öztürk, Prof. Dr. Natalie Bartholomäus, Dr. Stefan Breit (Miele & Cie. KG) und Prodekan Prof. Dr. Peter Hartel.
Ein Highlight der Tagung war das Kamingespräch am Abend. Die Vizepräsidentin für Transfer und gesellschaftliche Wirkung der HSBI, Prof. Dr. Natalie Bartholomäus, kam dabei mit dem Geschäftsführer der Miele & Cie. KG, Dr. Stefan Breit, ins Gespräch. Das Fazit des Gesprächs: KI verändert auch die Berufswelt maßgeblich. Viele Unternehmen setzen einen sicheren Umgang mit KI voraus. Hierauf muss das Studium vorbereiten. Prof. Dr. Natalie Bartholomäus: „Die Zukunft der Hochschullehre entscheidet sich im Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis, und genau diesen Dialog müssen wir als Hochschule aktiv gestalten.“
Fachgruppen setzen sich ab Semesterstart zusammen
Prodekan Prof. Dr. Peter Hartel geht die Lösungsvorschläge schon im Sommersemester 2026 an.
Der Dekan des Fachbereichs Wirtschaft, Prof. Dr. Riza Öztürk, und Prodekan Prof. Dr. Peter Hartel gehen die Lösungsvorschläge der Tagung im Sommersemester 2026 an. „Dass KI in den Curricula unserer Studiengänge künftig eine wichtige Rolle spielen muss, ist durch die Tagung noch einmal deutlich geworden“, sagt Prof. Dr. Peter Hartel. „Wie wir das Thema KI in unserer Lehre konkret adressieren und profilieren, sollte nun in Fachgruppen und Studiengängen weiter diskutiert werden.“
Zu Beginn der Vorlesungszeit des Sommersemesters wird sich eine Arbeitsgruppe mit dem Thema „Abschlussarbeiten und KI“ beschäftigen. In dieser Gruppe ist jeweils eine Person aus jeder Studienrichtung vertreten. Die Frage, ob es für die Studierenden eine „Grundlagenausbildung“ im Bereich KI geben sollte und wie diese ausgestaltet sein kann, wird parallel die Fachgruppe Wirtschaftsinformatik erörtern. (sab)