Mindener Studenten suchen im Königreich Bhutan nach Glück und Nachhaltigkeit
Bei der Willkommenszeremonie am College of Science and Technology haben die Studenten einen weißen Schal als Begrüßungsgeschenk erhalten. Dr. Hari Kumar Suberi (2. v.l.) war 2023 bereits am Campus Minden zu Gast.
Das berühmteste Monument Bhutans, das Kloster „Tigers Nest“, ist in eine Felswand auf 3200 Metern Höhe gebaut. Der Besuch des Klosters war für die beiden Mindener Studenten eines der Highlights ihrer Reise.
Unzählige Gebetsfahnen findet man an vielen Orten in Bhutan.
Die Studenten haben auch einige buddhistische Tempelanlagen mit den typischen Gebetsmühlen besucht, hier der „Zangto Pelri Lhakhang" in Phuntsoling.
Verabschiedet wurden die beiden Studenten durch den Präsidenten (4. von links) und Lehrende des College of Science and Technology zusammen mit zwei kanadischen Gastreferentinnen, die für drei Monate in Bhutan waren.
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Benjamin Goltsch und Leon Büsing studieren Wirtschaftsingenieurwesen am Campus Minden der HSBI und haben zusammen Bhutan bereist: Drei Wochen lang haben sie in dem Himalaya-Staat über Nachhaltigkeit und das „Bruttonationalglück“ für ihre Bachelorarbeiten recherchiert – und eine einzigartige Kultur kennengelernt.Benjamin Goltsch (links) und Leon Büsing vor der größten sitzenden Buddha-Statue der Welt in Thimphu, der Hauptstadt des Königreichs Bhutan.
Minden (hsbi). Zwei angehende Wirtschaftsingenieure vom Campus Minden sind die ersten Studenten der Hochschule Bielefeld (HSBI), die das Königreich Bhutan besucht haben. Benjamin Goltsch (25) aus Minden und Leon Büsing (21) aus Barsinghausen haben dort drei Wochen lang für ihre Bachelorarbeit recherchiert und die einzige Universität des Landes, die Royal University of Bhutan besucht und das dortige College of Science and Technology kennengelernt. Der Kontakt zu der Universität entstand über ihren Professor Frank Hamelmann, der 2023 einen Gastwissenschaftler aus dem Königreich nach Minden eingeladen hatte. Die Reise der beiden Studierenden wurde finanziell unterstützt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen des Austauschprogramms „Bhutan meets Germany“.
Bachelorarbeit über „Glück statt Burnout“
Hier befinden sich Leon Büsing und Benjamin Goltsch vor dem CBS, dem Centre for Bhutan Studies and Gross National Happiness Research.
Ziel der beiden war es, für ihre Bachelorarbeit zu recherchieren, und natürlich auch, eine andere Kultur kennenzulernen und etwas von der Welt zu sehen. Die Bachelorarbeit von Benjamin Goltsch trägt den Arbeitstitel: „Glück statt Burnout: Wie Bhutans Bruttonationalglück deutsche Arbeitskultur inspirieren kann", wie er erklärt: „Es soll thematisch darum gehen, ob die Work-Life Balance und die generelle mentale Verfassung deutscher Arbeitnehmer:innen in Industriebetrieben durch die Einbringung von Impulsen aus Bhutans Arbeitswelt verbessert werden kann, da die Menschen in Bhutan allgemein als sehr glücklich gelten, obwohl deren Arbeitspensum im Schnitt deutlich höher ist als in Deutschland.“ Benjamin Goltsch ergänzt: „Ich hatte die Chance, mit einer von der Regierung koordinierten Forschungseinrichtung, dem CBS – Bhutan Centre for Bhutan Studies and Gross National Happiness Research, bezüglich meines Themas zu sprechen.“
Was kann Deutschland in Sachen Nachhaltigkeit von Bhutan lernen?
Sein Kommilitone Leon Büsing schreibt seine Abschlussarbeit über Nachhaltigkeit innerhalb der Wertschöpfungskette (Supply Chain). Leon Büsing: „Es geht um die Frage, wie Industriebetriebe in Bhutan Material zukaufen und dabei ökologisch verantwortlich handeln, und was man davon auf deutsche Unternehmen übertragen kann.“ Beispielsweise müssen sich Firmen um staatlich finanzierte Projektausschreibungen bewerben, beim Vergabe-Ranking spielen auch Nachhaltigkeitsfaktoren eine wichtige Rolle. Für ihre Untersuchung haben die Studenten Befragungen mittels Fragebögen und Experteninterviews mit Beschäftigten und Führungskräften in privaten und staatlichen Einrichtungen geführt.
Auslandsaufenthalt im praxisintegrierten Studium? Klar geht das!
Da die beiden praxisintegriert studieren, also während des gesamten Studiums in einem Unternehmen beschäftigt sind, ist auch ein Bezug der Themen zu ihren Unternehmen geplant, die genaue Ausgestaltung steht jedoch noch nicht fest. Benjamin Goltsch ist bei Hautau in Helpsen beschäftigt, Leon Büsing bei ZF in Hannover. Doch wie bekommt man das unter einen Hut – Studium, Job und einen Auslandsaufenthalt? „Das geht, wenn man gut plant und das müssen wir in unserem Job sowieso“, findet Benjamin Goltsch. „Wir sind sehr dankbar, dass unsere Arbeitgeber uns unterstützen und erlaubt haben, die Reise während der Praxisphase anzutreten.“
Reise in eine einzigartige Kultur
Das „Paro Tshechu Fest", eines der größten Volksfeste Bhutans.
Die Vorbereitungen zogen sich einige Monate hin und waren mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden, "unter anderem da der Tourismus in Bhutan relativ beschränkt ist“, blickt Leon Büsing zurück. Aber insgesamt hat dann doch alles recht reibungslos geklappt. Untergebracht waren die beiden in einem Gästehaus auf dem Campus der School of Science and Technology, „zu moderaten Kosten“, wie Leon findet. Und Benjamin ergänzt: „Bhutan ist ein sehr ruhiges und friedliches Land, die Menschen sind unglaublich gastfreundlich, und sie sind sehr stolz auf ihre Kultur. Der Buddhismus ist allgegenwärtig, es gibt sehr viele Tempel und Gebetsmühlen. Das Essen basiert sehr stark auf Reis und ist im allgemein sehr scharf. Die Chillischote ist wohl das verbreitetste Gemüse. Wir konnten sehr viele traditionelle Gerichte probieren.“ Das College befindet sich direkt an der Grenze zu Indien auf nur 250 Metern über Null. Unter anderem für das Interview mit der Regierungsorganisation ging es aber auch in die Hauptstadt Timphu auf rund 2.500 Metern Höhe. Ein Ausflug zum berühmtesten Monument Bhutans, dem Kloster „Tigers Nest“, das in eine Felswand auf 3200 Metern Höhe gebaut wurde, war ein weiteres Highlight. Abschließend fasst Benjamin Goltsch ihre Erfahrungen zusammen: „Bhutan war für uns eine wirklich einmalige Erfahrung und ist definitiv eine Reise wert. Ein so unberührtes Land mit einer derart gut erhaltenen Kultur ist vermutlich nahezu einzigartig auf dieser Welt. Wir sind sehr dankbar, dass wir diese Chance bekommen haben.“ (vku)