Als ausgebildeter Lokführer hat Johannes Reinholz sich noch einmal für ein Studium entschieden: Der 28-Jährige studiert am RailCampus OWL in Minden den Bachelorstudiengang Digitale Bahnsysteme. Den Ausschlag dafür gab die einzigartige Kombination von grundlegenden ingenieurwissenschaftlichen Inhalten, bahntechnischen Spezialisierungen und ausgeprägter Praxisnähe – für eine nachhaltige, zukunftsorientierte Mobilität. Im Wintersemester startet der nächste Jahrgang – Bewerbungen sind noch bis zum 31. August möglich.Aus dem Wunsch, sich persönlich und fachlich weiterzuentwickeln entschied sich Johannes Reinholz für den BA-Studiengang Digitale Bahnsystem am RailCampus OWL in Minden.
Bielefeld (hsbi). Die Eisenbahn als Berufsmöglichkeit? Johannes Reinholz schüttelt den Kopf. „Das hatte ich erst gar nicht auf dem Schirm.“ Der 28-Jährige steht auf dem RailCampus OWL in Minden und strahlt zufrieden. Inzwischen ist er nicht nur ausgebildeter Lokführer, sondern Student im Bachelorstudiengang Digitale Bahnsysteme: „Der hat ein spannendes und einzigartiges Profil und bietet tolle Perspektiven.“ Auch über die Bahn hinaus.
Im Lehramtsstudium merkt er schnell: „Das ist nichts für mich.“
Sein Kontextwissen als ausgebildeter Lokführer hilft Reinholz beim Verständnis mancher Studieninhalte, ist aber keine Voraussetzung für das Studium.
Nach dem Abitur begann Johannes Reinholz erst einmal ein Lehramtsstudium, Sozialwissenschaften und Physik. Und merkte: „Das ist nichts für mich.“ Den Abschluss machte er noch, dann schlug er aber einen ganz anderen Weg ein: „Über Social Media bin ich auf die Lokführerausbildung bei der Deutschen Bahn aufmerksam geworden“, erzählt Reinholz. Ein Faible fürs Bahnfahren hat er spätestens, seit er neun Jahre alt ist: „Da haben mich meine Eltern in Bad Bentheim in den Zug gesetzt, und meine Tanten haben mich in Berlin in Empfang genommen.“ Kurzerhand bewarb er sich bei der DB Cargo in Hamburg und wurde zum Lokführer ausgebildet. „Die Freiheit, mit der Bahn einfach irgendwohin fahren zu können, ist faszinierend“, beschreibt Reinholz seine Motivation. „Und die Technik ist es auch.“
Welche Technologien bewegen das Bahnsystem?
Von der Steckverbindung bis zum Radkasten: Studierende der Bahnstudiengänge am RailCampus in Minden lernen alle Herausforderungen der Bahntechnik aus unmittelbarer Nähe kennen.
Als Lokführer über tausend Tonnen zu bewegen – „das macht schon Spaß“, sagt Johannes Reinholz. Aber schon bald wollte er mehr wissen über die Technologien, die dahinterstecken, wollte sich persönlich und fachlich weiterentwickeln. Über einen bahninternen Newsletter erfuhr er vom Bachelorstudiengang Digitale Bahnsysteme. „Der kam wie gerufen, die Inhalte haben mich sofort angesprochen“, sagt Reinholz. Gemeinsam entwickelt von der Hochschule Bielefeld (HSBI), der Technischen Hochschule OWL, den Universitäten Bielefeld und Paderborn kombiniert der innovative Studiengang verschiedene ingenieurwissenschaftliche Fächer mit spezifischen bahnrelevanten Inhalten. „Digitalisierung und Automatisierung sind zentral für die technologische Transformation der Bahn. Mit dem Studienangebot bereiten wir künftige Fachkräfte optimal auf die Anforderungen der modernen, nachhaltigen Mobilität vor“, sagt Studiengangsleiter Prof. Dr. Rolf Naumann. Nicht nur das: Als Basis erhalten die Studierenden eine grundlegende ingenieurwissenschaftliche Ausbildung in den Bereichen Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik. An der HSBI in Bielefeld besuchen sie die Lehrveranstaltungen zusammen mit den Studierenden der klassischen ingenieurwissenschaftlichen Fächer. „Das schafft Kontakte und man guckt über den eigenen Tellerrand“, findet Johannes Reinholz. Die bahnspezifischen Module gibt es on top. Naumann: „Damit sind die Absolvent:innen nicht auf den Bereich Eisenbahn festgelegt, sondern generell gefragt als Ingenieur:innen mit fundierten Kenntnissen in der Digitalisierung und der elektronischen Automatisierungs- und Steuerungstechnik.“
Digitalisierung und Automatisierung der Bahn sind die Inhalte des Studiengangs
Fahrzeugtechnik wie der Aufbau eines Waggons ist neben Digitalisierung und Automation ein weiterer wichtiger Bestandteil des Studiengangs.
Breite Grundlagenkenntnisse und bahntechnische Spezialisierung – für Johannes Reinholz ist das genau die richtige Kombination. „Etwas Vergleichbares habe ich bei meiner Studiengangsrecherche nicht gefunden“, erzählt der Student. Ihm gefällt vor allem die besondere Anbindung an die Praxis: Der Studiengang ist angesiedelt auf dem RailCampus OWL in Minden, hier werden auch die bahntechnischen Module gelehrt. Gelegen auf dem Areal der DB Systemtechnik, einem der wichtigsten Kompetenzzentren für Bahntechnik in Europa, bietet der RailCampus ein bundesweit einzigartiges Innovations-Ökosystem, in dem Hochschulen, Deutsche Bahn und regionale Wirtschaftsunternehmen gemeinsam zukunftsweisende Konzepte und Technologien erforschen und entwickeln. Weil dazu auch Projekte gehören, die noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, darf man sich auf dem Gelände nur mit der entsprechenden Berechtigung bewegen. Der ausrangierte ICE der ersten Generation auf dem Gelände schlägt dagegen eine Brücke zur Geschichte der Bahn: Reinholz wirft einen Blick in den Führerstand und sagt lächelnd: „Die Technik ist schon etwas veraltet.“
Lehrende aus der Praxis bieten Einblicke in aktuelle Herausforderungen
„In der Lokführerausbildung stand etwa die Frage nach der betrieblichen Bedeutung eines Bauteils im Zentrum. Im Studium geht es eher darum, wie man das Bauteil überhaupt konstruiert.“ Johannes Reinholz, BA-Studierender Digitale Bahnsysteme
Die Studierenden profitieren aber nicht nur räumlich von der Nähe zur DB Systemtechnik, die ausgewiesenen Praktiker:innen des Unternehmens übernehmen auch die Lehre in den bahntechnischen Modulen. „Sie kennen sich bestens aus mit den aktuellen Anforderungen und Herausforderungen der Bahntechnik, wir lernen so absolut praxisrelevant und auf der Höhe der Zeit“, erzählt Johannes Reinholz begeistert. Dazu gehören auch unmittelbare Einblicke in die Praxis, etwa in den Relais-Raum des Stellwerks. „Der ist eigentlich tabu, denn da sitzt die ganze systemrelevante Technik“, weiß der gelernte Lokführer. „Trotzdem Einblick zu bekommen, fördert das Verständnis und weitet den Horizont.“ Erst recht, wenn die am RailCampus OWL beteiligten Unternehmen ihre Tore öffnen. „Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, was das bahnspezifische an einer Steckverbindung sein soll“, erzählt Reinholz. Firmen-Besichtigungen bei Wago und Harting brachten mehr als Aufklärung: „Absolut faszinierend, was alles dahintersteckt! Eigene Unternehmenssparten beschäftigen sich nur mit speziellen Anwendungen in der Bahntechnik.“
Vorwissen hilft, ist aber keine Voraussetzung für das Studium
Kleine Gruppen und ein vertrauter Umgang zwischen Studierenden und Lehrenden prägen die Bedingungen am RailCampus.
Auch sein Vorwissen aus der Ausbildung ist manchmal hilfreich, erzählt Johannes Reinholz: „Ich kann daran anschließen, das macht manches einfacher. Vor allem, wenn es allgemein um das System Bahn geht, beispielsweise den Bahnbetrieb.“ Aber eine Vorbedingung sei es keineswegs, denn gerade bei den technischen Inhalten seien zwar die Themen ähnlich, Fokus oder Tiefe aber oft ganz andere: „In der Lokführerausbildung stand etwa die Frage nach der betrieblichen Bedeutung eines Bauteils im Zentrum. Im Studium geht es eher darum, wie man das Bauteil überhaupt konstruiert.“ Da hilft auch bei Reinholz nur eines: lernen. Die Bedingungen dafür? „Ideal!“ Ein Dozent schlendert über den Campus, die Kaffeetasse in der Hand begrüßt er die wartenden Studierenden mit Namen. Reinholz: „Wir sind eine eher kleine, verschworene Gruppe. Der Kontakt zu den Lehrenden ist daher eng, und sie können auf unsere Fragen individuell eingehen.“
Kleine Gruppen und persönliche Kontakte zu den Lehrenden schaffen gute Lernbedingungen
Johannes Reinholz würde sich sofort wieder für den Bachelorstudiengang Digitale Bahnsysteme entscheiden. Auch, wenn er sich immer wieder Kritik an der Bahn anhören muss. Der Student verdreht die Augen. „Alle schimpfen, aber keiner will Verantwortung übernehmen. Das System Bahn ist hochkomplex, die Technik ist nur ein Teil davon.“ Dass sie funktioniert, dazu will Reinholz beitragen. Denn an der Bahn führt in einer nachhaltigen Verkehrswende kein Weg vorbei – und Fachkräfte sind gefragt. „Wer als Ingenieur im Eisenbahnbereich arbeiten möchte oder sich sehr viel Praxis im Studium wünscht, für den ist der Studiengang genau richtig.“ Noch bis zum 31. August sind Bewerbungen möglich. (uh)