17.06.2025

MONOCAB: Akzeptanzforschung im deutsch-niederländischen Grenzgebiet

Eine internationale Gesellschaft aus der Umgebung von Kleve besuchte Dörentrup und Extertal, um das MONOCAB als mögliche Ergänzung zum klassischen ÖPNV kennenzulernen. Das MONOCAB ist ein autonom fahrendes Einschienenfahrzeug und ist Teil des Forschungsprojektes enableATO/DZM am RailCampus OWL in Minden.

Bielefeld / Dörentrup / Extertal (hsbi). Mit einem ganzen Reisebus reisten am 23. Mai rund 50 Personen aus dem Rheinland und den angenzenden Niederlanden zur MONOCAB-Montagehalle in Dörentrup und zum Testfeld in Extertal. Die Interessenten waren im Vorfeld als Probanden für die KI-Akzeptanzforschung der Hochschule Rhein-Waal gewonnen worden. Eine Machbarkeitsstudie unter Leitung der Hochschule Rhein-Waal zusammen mit dem Rad- und Verkehrsplanungsbüro Loedersloot Consultancy aus Nijmegen erforscht die gesellschaftliche Akzeptanz der MONOCAB-Technik sowie den grenzüberschreitenden Mobilitätsbedarf.
Es ging also nicht nur um das reine Nutzererlebnis. Es wurden auch Akzeptanzaspekte untersucht, die für einen MONOCAB-Einsatz zum Beispiel auf der stillgelegten Strecke Kleve-Kranenburg-Groesbeek (NL) relevant sind. Dies betrifft beispielsweise die Interessen und Vorbehalte der Anwohnerinnen und Anwohner entlang einer möglichen Strecke. Sie konnten sich vor Ort davon überzeugen, wie schnell eine solche Kabine fährt und welche Geräusche dabei entstehen. Dies galt auch für politische Entscheidungsträger und Beteiligte in Verwaltungen, sollte in Zukunft über die Einrichtung einer solchen Strecke nachgedacht werden.

Unterschiedliche Interessenlagen

Menschen am MONOCAB-Testfed in Extertal
Das Testfeld für das MONOCAB befindet sich in Extertal.

Unter den 50 Teilnehmern aus dem Rheinland waren auch mehrere Niederländer. Dazu kamen 25 Interessierte aus der heimischen Region. Aufgrund der besonderen Grenzsituation ist es wichtig, herauszufinden, ob die oben genannten Aspekte auf beiden Seiten der Grenze ähnlich gesehen werden oder ob die Interessenlage unterschiedlich ist. Für ein grenzüberschreitendes Mobilitätsangebot ist dies ein entscheidender Faktor. Das Projekt wird durch das Interreg-Programm Deutschland-Nederland sowie seine Programmpartner ermöglicht und von der Europäischen Union kofinanziert.
Die Organisator:innen und Teilnehmenden sind sich einig: Der Besuch hat sich gelohnt. Der Ausflug in die Montagehalle und anschließend zum Testfeld bot viel Raum für Detailfragen – sowohl technischer Art als auch im Hinblick auf die Integration in den Alltag. Die Resonanz auf das Fahrzeug fiel überwiegend positiv aus: Viele der Besucher:innen aus dem Rheinland zeigten sich erfreut darüber, dass an einer praxistauglichen Alternative gearbeitet wird. Auch deswegen wurde die derzeit noch wahrnehmbare Geräuschentwicklung beim Fahren im Testfeld weitgehend akzeptiert. Sie ist dem frühen Entwicklungsstand des MONOCAB als Versuchsfahrzeug geschuldet und wird bis zum späteren Regelbetrieb gezielt reduziert.

Über enableATO/DZM in Minden

Das DZM-Projekt enableATO in Minden verfolgt das automatisierte Fahren für Schienenfahrzeuge als Ziel und ist dabei insbesondere auf neuartige, kleine Fahrzeuglösungen fokussiert. Der Schwerpunkt liegt auf Technologien im Zusammenhang mit dem automatisierten Fahren, wie z.B. der Wahrnehmung durch Sensoren, Zulassungsfragen, intelligenter Wartung und der Demonstration der Technologien. Parallel werden erste Fragen der Nutzerakzeptanz untersucht und der wissenschaftliche Dialog gestärkt. Die Projektpartner sind die Universität Bielefeld, die Universität Paderborn, die Hochschule Bielefeld, die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, die DB Systemtechnik GmbH, Wölfel Engineering GmbH + Co. KG, HARTING Technologiegruppe, Pilz GmbH & Co. KG und die Fraunhofer-Institute IEM (Paderborn) und IOSB-INA (Lemgo).

Über MONOCAB

MONOCABs sind kompakte, kreiselstabilisierte und autonom fahrende Einschienenfahrzeuge, die bidirektional auf einem Gleis verkehren können. Sie unterstützen die autonome und vernetzte Mobilität im öffentlichen Verkehr in polyzentrischen und ländlichen Räumen, indem sie stillgelegte Bahnstrecken kostengünstig reaktivieren und somit einen flexiblen, innovativen Verkehrsträger bereitstellen. Die Fahrzeuge können bis zu sechs Personen barrierefrei transportieren, fahren batterieelektrisch mit bis zu 60 km/h und stellen nur geringe Anforderungen an die Infrastruktur. (Text: RailCampus OWL)

Über den RailCampus OWL e.V.

Hochschulen, Bahn und Wirtschaft entwickeln im Rahmen dieses Vereins am Standort Minden ein einzigartiges Innovationsnetzwerk für die Bahntechnologie der Zukunft. Mit Forschung, Transfer und Studium wird die Bahn für die Zukunft gestärkt. Projektinitiatoren sind die Universität Bielefeld, die Hochschule Bielefeld, die Universität Paderborn, die Technische Hochschule Ostwestfalen Lippe, die Deutsche Bahn mit der DBSystemtechnik und DBCargo, HARTING, WAGO, die Stadt Minden und der Kreis Minden-Lübbecke. Weitere Mitglieder sind PILZ, Wölfel, UKL iT & Logistik, ABB Stotz-Kontakt, VV OWL, OWITA, Hanning & Kahl, DBInfraGo, ASC und Mindener Kreisbahnen. Ziel der Aktivitäten ist es, das System Bahn gemeinsam zu stärken und weiterzuentwickeln.

Auf einer Schiene zum individuellen Personennahverkehr

Website MONOCAB OWL