17.07.2026

Per App womöglich schneller beim Herz-Stillstand-Patienten: Bielefelder Feuerwehr schult HSBI-Hebammenstudierende zu „Mobilen Rettern“

Bild von Andrea Hermelingmeier und Professorin Annette Bernloer Hermelingmeier steht links Sie hat rote Haare und trägt eine Brille mit dünnem Rand sie hat grüne Augen und Sommersprossen im Gesicht Bernloer steht neben ihr in einem schwarzen Oberteil
Verankern das Thema Reanimation schon länger fest im Studienverlauf des Studiengangs Angewandte Hebammenwissenschaft: Andrea Hermelingmeier (li.) und Prof. Dr. Annette Bernloer. © K. Schradi/HSBI
Bild einer Präsentation die während der Schulung an eine Wand projiziert wird Zu sehen ist eine Hand die einen Handybildschirm vor einem blauen Untergrund hält Auf dem Handy ist der Startbildschirm der App Mobile Retter zu sehen.
„Mobile Retter“ heißt das Schulungsprogramm und die gleichnamige App, mit der die Feuerwehr Bielefeld ausgebildete Ersthelfer:innen in der Nähe von Notfällen zusätzlich zum Rettungsdienst benachrichtigt. © K. Schradi/HSBI
Bild von Astrid B
Astrid Bonensteffen koordiniert bei der Berufsfeuerwehr Bielefeld die Mobilen Retter. Das Angebot soll das gesetzliche garantierte Notfallrettungssystem ergänzen. © K. Schradi/HSBI
Auf einem Sideboard im Haupgebäude der HSBI liegen verschiedene Formulare Dvor steht eine Frau in einem schwarzen T Shirt. Mit einem Stift in ihrer rechten Hand füllt sie eines der Dokumente aus
Das Training zu:r „Mobile Retter:in“ soll zukünftig regelmäßig im Studiengang Angewandte Hebammenwissenschaft angeboten werden. Auch die Lehrkräfte und Mitarbeiterinnen des Studiengangs haben sich registriert. © K. Schradi/HSBI
BIld von Astrid Bonensteffen die an einem Tisch sitzt und auf einen aufgeklappten Laptop vor ihr schaut SIe hat ein weißes Hemd mit Schulterabzeichen der Feuerwehr an und trägt eine blaue Hose Neben ihr hockt Andrea Hermlingmeier in einem grüngestreiften
Seit 2019 gibt es die von der Feuerwehr ausgehende Initiative auch in Bielefeld. Nun kooperiert auch der Studiengang vom Fachbereich Gesundheit der HSBI. © K. Schradi/HSBI
Bei einem Herz-Stillstand zählt jede Sekunde. Wenn eine geschulte Person vor dem Rettungsdienst vor Ort ist, kann das Leben retten. Hebammen-Studierende der Hochschule Bielefeld haben sich nun in einem Training der Feuerwehr Bielefeld als „Mobile Retter“ qualifiziert: Die Ehrenamtlichen werden bei bestimmten Notfällen zusätzlich zum Rettungsdienst per App alarmiert. Damit leisten die Studierenden einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag – und erhalten nebenbei einen Mehrwert für ihr Studium und die spätere Berufstätigkeit. Das Training soll künftig regelmäßig im Studiengang Angewandte Hebammenwissenschaft angeboten werden. Auch die Lehrkräfte und Mitarbeiterinnen des Studiengangs haben sich registriert.

BIelefeld (hsbi). Die Studierende schaut auf die vor ihr liegende Puppe in Erwachsenengröße, kniet sich neben sie, legt die Hände auf den Brustkorb und beginnt mit der Herzdruckmassage. Victoria Schuma studiert im 6. Semester Angewandte Hebammenwissenschaft an der Hochschule Bielefeld (HSBI). Zusammen mit ihren Kommilitoninnen hat sie ein „Mobile Retter“-Training der Feuerwehr Bielefeld absolviert. Seit 2019 gibt es diese Initiative auch in Bielefeld: „Geht in der Leitstelle ein Notruf wegen eines Herz-Kreislauf-Stillstands oder einer bewusstlosen Person ein, werden parallel zum Rettungsdienst über eine App auch registrierte ,Mobile Retter‘ in der Nähe des Notfalls alarmiert“, erklärt Astrid Bonensteffen. Bonensteffen koordiniert bei der Berufsfeuerwehr Bielefeld die Mobilen Retter und betont, dass die ehrenamtlichen Helfer das etablierte Notfallrettungssystem keinesfalls ersetzen, aber sinnvoll ergänzen können. Denn: „Mobile Retter können oft schneller da sein und schon mit der Reanimation beginnen. Das kann Leben retten.“

Hebammenstudierende verfügen über die notwendige medizinische Vorqualifikation

Gruppenbild von Astrid Bonensteffen, Annette Bernloer und Andrea Hermlingmeier die von links nach rechts um einen Reanimationsdummy knien
Leiteten das Reanimationstraining für das Programm „Mobile Retter“ (v.l): Astrid Bonensteffen von der Feuerwehr Bielefeld, Prof. Dr. Annette Bernloer und Andrea Hermelingmeier vom FB Gesundheit der HSBI.

Von der Notwendigkeit schneller Reanimationsmaßnahmen muss Prof. Dr. Annette Bernloehr nicht erst überzeugt werden. Das Thema ist fest im Curriculum des Bachelorstudiengangs Angewandte Hebammenwissenschaft verankert, Studiengangsleiterin Bernloehr lehrt selbst die Reanimation von Neugeborenen, Andrea Hermelingmeier, wissenschaftliche Mitarbeiterin, ist für die Erwachsenen zuständig: „Es ist uns ein Herzensanliegen – auch aus eigener Erfahrung.“ Für beide war es keine Frage, dass die Qualifikation zum „Mobilen Retter“ auch ihre Studierenden überzeugt. „Über die notwendige medizinische Qualifikation, die Voraussetzung ist für die Aufnahme in das Netzwerk, verfügen sie auf jeden Fall“, sagt Hermelingmeier. Fehlte nur das obligatorische Training durch die Feuerwehr Bielefeld.

„Tok, tok, tok, tok“ – im Senatssaal tönt ein monotoner Rhythmus durch das Stimmengewirr. „Ein Metronom“, erklärt eine Studentin und zeigt mit einem Augenzwinkern ihr Handy: „Über Spotify.“ Im Takt drückt sie den Brustkorb einer Kinderpuppe nach unten. Victoria Schuma wird an der Erwachsenen-Puppe inzwischen von Kommilitonin Franka de Corte unterstützt: „Der Handballen sollte bei der Druckmassage durchgängig auf dem Brustkorb aufliegen und nicht abgehoben werden. So lässt sich der Druck konstant und gleichmäßig ausüben“, rät de Corte. Die Studentin ist bereits Profi, vor ihrem Studium an der HSBI hat sie schon eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin bei der Bielefelder Feuerwehr absolviert und ist längst als „Mobiler Retter“ registriert. Sie erzählt von einer Alarmierung während eines Restaurantbesuchs. „Nebenan war eine Person bewusstlos zusammengesackt. Wir sind sofort rüber und konnten die Person stabilisieren, bis der Rettungsdienst kam.“

Rund 1.000 Ehrenamtliche sind mittlerweile „Mobile Retter“ in Bielefeld

Für Franka de Corte ist das Training eine Art Auffrischung, für ihre Kommilitoninnen eine Bonus-Einheit Reanimation. An einer Babypuppe wird die Mund-zu-Mund-Beatmung geübt. „Ein Extra-Skill“, sagt Andrea Hermelingmeier. „Im Kreißsaal machen wir das nämlich anders, da nutzen wir professionelles Beatmungsequipment.“ Und im Kreißsaal geht es meist darum, dass die Neugeborenen erst einmal anfangen zu atmen. „Aber ältere Kinder verschlucken auch mal etwas und bekommen deshalb Atemprobleme. Was machen wir dann?“, fragt Lilith Angelike. Die Studentin hat sich eine Kinderpuppe bäuchlings über den Arm gelegt und schlägt ihr mit der flachen Hand wiederholt auf den Rücken. Sie findet die zusätzlichen Reanimations-Übungen hilfreich: „Es gibt mehr Sicherheit, schließlich können Notfälle auch bei einem Wochenbettbesuch passieren. Und dass wir jetzt auch noch zur zivilen Rettung beitragen können, ist toll.“ (uh)

Während der Schulung stehen Andrea Hermlingmeier und zwei Studierende vor einem Tisch auf dem eine Babypuppe liegt und üben an der Puppe eine Herzdruckmassage Im Hintergrund sind weitere Studierende zu sehen
© K. Schradi/HSBI
Mobile Retter Bielefeld

Die Berufsfeuerwehr Bielefeld betreibt in Zusammenarbeit mit lokalen Hilfsorganisationen, Feuerwehren und Krankenhäusern „Mobile Retter Bielefeld“. Mobile:r Retter:in kann werden, wer eine passende medizinische oder rettungsdienstnahe Qualifikation mitbringt. Dazu gehören zum Beispiel Angehörige von Hilfsorganisationen, Feuerwehr, Rettungsdienst, DLRG, THW, Sanitätsdienst der Bundeswehr, Polizei, Ärzte, Pflegefachkräfte oder vergleichbar qualifizierte Personen. Wer mitmachen möchte, registriert sich in der App beziehungsweise im Portal der „Mobilen Retter“ (https://identity.mobile-retter.de/Account/Login). 

Weitere Informationen

https://portal.mobile-retter.org/regionen/stadt-bielefeld
Bachelorstudiengang Angewandte Hebammenwissenschaft (praxisintegriert)