Die diesjährige Weltstillwoche vom 28. September bis zum 4. Oktober informiert über gesundheitliche Vorteile des Stillens für Mutter und Kind, den Abbau von Vorurteilen und Aufmerksamkeit für eine bestmögliche Unterstützung. Unter dem Motto „Stillen. Deine Superkraft.“ engagieren sich auch Mitarbeitende und Studierende des Studiengangs Angewandte Hebammenwissenschaft an der Hochschule Bielefeld. Sie organisieren im Rahmen der GENIALE 2026 zwei Veranstaltungen und bieten praktische Hilfestellungen und Austausch für alle Interessierten an.In der Weltstillwoche geht es um die Aufklärung zu gesundheitlichen Vorteilen des Stillens für Mutter und Kind und den Abbau von Fehlannahmen.
Bielefeld (hsbi). Dass Stillen die Gesundheit von Mutter und Kind nachhaltig fördert, ist wissenschaftlich gut belegt. Trotzdem ist Stillen oft kein Selbstläufer und von vielen verunsichernden Fehlannahmen begleitet. Die Weltstillwoche, die seit 1991 jährlich stattfindet, macht in der Gesellschaft auf die Vorteile des Stillens aufmerksam und will das Stillen schützen, fördern und unterstützen. Sie findet stets in der 40. Kalenderwoche statt, da eine regulär verlaufende Schwangerschaft 40 Wochen andauert. Dieses Jahr findet die Weltstillwoche vom 28. September bis zum 4. Oktober statt und steht unter dem Motto „Stillen. Deine Superkraft.“ Auch an der Hochschule Bielefeld (HSBI) wollen engagierte Studierende und Mitarbeitende des Studiengangs Angewandte Hebammenwissenschaft mit Aufklärung und Unterstützung Vorurteile abbauen, das Wissen in der Gesellschaft vertiefen und Mütter besser begleiten.
„Ziel der von WHO und UNICEF initiierten Weltstillwoche ist es, Stillen als natürliche und selbstverständliche Ernährung für Säuglinge in den Mittelpunkt zu stellen und sowohl Familien als auch die Gesellschaft über die positiven Effekte des Stillens zu informieren.“
Maike Lammert, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HSBI
Auch wenn es keine flächendeckenden aktuellen Daten gibt, ist anhand von Studien davon auszugehen, dass durchschnittlich 87 Prozent der Kinder in Deutschland jemals gestillt werden. Schon nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sinkt die Stillrate auf etwa 70 Prozent. Nach sechs bis zwölf Monaten stillen noch deutlich weniger Mütter – so sind es nach einem halben Jahr nur noch etwa 15%. Dabei empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO eine ausschließliche Stillzeit von sechs Monaten, die dann durch Teilstillen bis ins zweite Lebensjahr und auch darüber hinaus fortgesetzt werden kann, soweit gewünscht. In Deutschland spielen beim Stillen Faktoren wie Bildung und Gewicht der Mutter eine Rolle: Frauen mit höherem Bildungsabschluss stillen häufiger, während übergewichtige Mütter und Mütter von Mehrlingen und Frühgeborenen seltener stillen. Als Hauptgründe nennen Betroffene hingegen zu wenig Milch, gesundheitliche Probleme oder Entzündungen. „Einige dieser Hindernisse könnten durch eine bessere, auf aktuellem Kenntnisstand beruhende Betreuung und gezielte Unterstützung vermieden werden“, erklärt Maike Lammert, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrkraft für besondere Aufgaben am Fachbereich Gesundheit der HSBI. Die Weltstillwoche will genau hier ansetzen: mit Aufmerksamkeit für das Thema, unabhängiger Aufklärung, Sensibilisierung von Fachkräften und einer stärkeren Unterstützung der gesetzlich geschützten Vereinbarkeit von Stillen und Berufstätigkeit.
Maike Lammert, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Gesundheit, ist eine sensible und kompetente Begleitung von Müttern sehr wichtig.
Maike Lammert ist wichtig, dass über die Vorteile für Kind und Mutter aufgeklärt wird. Das Stillen ist als natürliche Ernährungsquelle gut für die Ausbildung des Immunsystems des Kindes und fördert die Entwicklung, auch senkt Stillen bei beiden die Risiken für Erkrankungen beispielsweise des Herz-Kreislaufsystems. Der regelmäßige, enge Hautkontakt beim Stillen mit einem liebevollen Reagieren auf kindliche Signale fördert zudem die Bindung von Mutter und Kind. Ebenso wichtig sei bei allen Gründen zum Stillen aber auch zu betonen: „Eine nicht stillende Mutter muss genauso sensibel, kompetent und bindungsfördernd beraten werden, wie eine Stillende!“, so Lammert. Denn in Deutschland hergestellte Flaschennahrung sei sicher für das Kind und ermögliche ebenso eine gute Entwicklung des Kindes. Eine enge, sichere Bindung entsteht zudem über ein Zusammenspiel zahlreicher Handlungen und Verhaltensweisen und ist nicht an das Stillen als Ernährungsform gebunden. „Die bewusste, aufgeklärte Entscheidung der Mutter steht immer im Vordergrund“, ergänzt Lammert. Dabei spielen das Umfeld und die erhaltene fachliche und soziale Unterstützung eine große Rolle, damit Frauen nicht allein für das Stillen verantwortlich sind. Als einen Wunsch im Rahmen der Weltstillwoche nennt Lammert zudem mehr Prominente die positiv über das Stillen berichten und damit einen Diskurs in der Öffentlichkeit normalisieren.
Stillförderung im Hebammenalltag und -studium
Im Studium der Angewandten Hebammenwissenschaft ist das Stillen durchgängig ab dem ersten Semester Thema.
Für Studierende der Angewandten Hebammenwissenschaft an der HSBI ist das Thema Stillen wiederkehrender Lehrinhalt ab dem ersten Semester. Sie lernen, eine gute und wertfreie Stillberatung durchzuführen und die Bindung von Baby und Mutter dadurch zu fördern. Die hierfür erforderlichen Kenntnisse können Sie im Rahmen der Lehrveranstaltungen theoretisch erwerben und im Skills Lab des Studiengangs praktisch erproben und vertiefen. Diese Grundlagen sind besonders wichtig, da die realen Rahmenbedingungen, unter denen Stillen stattfindet, nicht immer unbedingt leicht sind. Auch die Herausforderungen, denen Stillende in der Gesellschaft ausgesetzt sind, sollten angehenden Hebammen bekannt sein, um ihnen gegenwirken zu können. Dazu gehört beispielsweise die noch immer zu geringe Akzeptanz des Stillens in der Öffentlichkeit und Werbung, die zum Kauf von Babynahrung anregen soll und damit Unsicherheiten hervorrufen kann.
Eine gute Begleitung bedeutet objektiv zum Stillen zu beraten: Hebammen betonen und realisieren die Notwendigkeit einer selbstbestimmten Stillentscheidung ohne gesellschaftlichen Druck.
Die Stillberatung im Hebammenalltag beschreibt Maike Lammert: „Eine gute Stillberatung zeichnet sich durch körperliche und emotionale Präsenz sowie fundiertes Wissen aus. Die Hebamme hört zu, achtet auf feine Signale der Frau und des Kindes, sie handelt vorurteilsfrei und beachtet den individuellen Kontext und die Lebensbedingungen der Frau.“ Hebammen stärken somit Autonomie und Selbstbewusstsein der Frau und respektieren ihre Entscheidungen. Denn nur sie weiß, wie es in ihrem Leben und mit ihrem Umfeld für sie und das Baby bestmöglich laufen kann. Dabei informieren Hebammen über Gründe für das Stillen und wie es gut funktionieren kann. Schwangere und Gebärende werden vor, während und nach der Geburt passgenau unterstützt, sodass sie ihr Baby gut versorgen können und das erste Anlegen und ein enger Hautkontakt unter kompetenter Anleitung geschehen kann. In den folgenden Wochen und Monaten unterstützen Hebammen bei Fragen, erklären Säuglingsverhalten und helfen, die Zeichen des Babys zu deuten. Darüber hinaus tragen sie durch Beratung dazu bei, Stillprobleme vorzubeugen. Sie sind damit nah an den Familien und helfen, Druck und Zwang zu minimieren. Dabei sind sie den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ausgesetzt, die eine persönliche und umfängliche Begleitung durch knappe Personallagen und Finanzierungsmöglichkeiten erschweren können. „Umso wichtiger ist es, dass Hebammen auch bei Zeitnot die richtigen Worte finden und das maximal Mögliche aus der jeweiligen Situation herausholen können. Wir versuchen die Hebammenstudierenden hierauf vorzubereiten.“ betont Maike Lammert.
Stillförderung auch bei der GENIALE in der Wissenswerkstadt
Auch auf der GENIALE 2026 gibt es zwei Veranstaltungen, bei der Hebammenstudierende über das Stillen und Bindungsförderung informieren.
Zum Thema Bindungs- und Stillförderung organisieren Mitarbeitende und Studierende des Studiengangs Angewandte Hebammenwissenschaft zwei Veranstaltungen bei der GENIALE 2026 in der Wissenswerkstadt in Bielefeld. Die GENIALE steht unter dem Motto „Wie geht’s uns?“. Ein extra für die Weltstillwoche gestaltetes T-Shirt soll Besucher:innen der GENIALE zusätzlich aufmerksam machen. Passend dazu wird es am Tag des Babys, am 14. Oktober, einen Informationsabend geben: „Ein guter Start für das Baby: Bindungs- und Stillförderung“. Dieses Angebot dient als Ort für Austausch und Aufklärung für alle Interessierten. Gleichzeitig können in einem offenen Angebot praktische Fähigkeiten erlernt werden. Dieses Angebot heißt „Handling, Wickeln, Baden, Tragen – Neugeborene optimal versorgen“ und ist ohne Anmeldung spontan besuchbar. Angeleitet durch Hebammenstudierende lernen Besucher:innen einen liebevollen Umgang mit Babys und sie sicher und geborgen zu baden und zu tragen. Dabei steht der Aufbau von Nähe und Vertrauen im Mittelpunkt. Da nicht allein Mütter die Verantwortung für ihr Baby tragen, ist dieses Angebot explizit für alle offen. (nbe)