23.10.2026

Summer School an der HSBI: 14 Studierende entwickeln Ideen für zirkuläre Produkte und Geschäftsmodelle

Die Studierenden, Lehrenden und Unternehmensvertreter:innen bei der Summer School an der HSBI.
14 Studierende der Hochschule Bielefeld (HSBI), der Universität Bielefeld und der Universität Paderborn nutzten eine Woche ihrer vorlesungsfreien Zeit, um mehr über zirkuläre Wertschöpfung zu lernen. © S. Jonek/HSBI
Ein Mann hält einen weißen Staubsauger in den Händen. Er hat rote Haare und trägt eine Brille.
Dr. Jannik Jilg von Miele setzte in seinem Workshop mit den Studierenden das Thema Demontierbarkeit in den Fokus. © J.Wunder/HSBI
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Zum zweiten Mal hat in diesem Jahr eine Summer School zum Thema Circular Economy stattgefundet. Das Projekt CirQualityOWL plus organisiert die Veranstaltung. © J. Wunder/HSBI
Ein Mann klebt mit einer Heisklebepistole ein Kunststoffteil.
Die Studierenden erarbeiteten zirkuläre Produkt- und Geschäftsideen und erhielten dabei Unterstützung und fachlichen Input von Unternehmensvertreter:innen. © S. Jonek/HSBI
Eine Studierende steht an einer Flipchart und präsentiert ihre Produktidee.
Beim Studierendenprojekt „Trash2Beet“ entstand die Idee, Altholz aus Terrassensanierungen für den Bau von Hochbeeten weiterzuverwenden. © S. Jonek/HSBI
Ein Miele-Staubsauger liegt mittig auf den Tischen im Schüler:innenlabor der HSBI. Was eben noch ein intaktes Haushaltsgerät war, ist wenige Minuten später kaum wiederzuerkennen. Studierende demontieren Bauteil für Bauteil: Gehäuse, Saugschlauch, Kabel und Filter liegen einzeln nebeneinander. Dabei geben die Studierenden genau Acht: Welche Bauteile lassen sich einfach lösen? Wo braucht es Spezialwerkzeug? Wo eine genaue Anleitung? Produkte, die sich gut auseinanderbauen lassen, sind leichter zu reparieren und damit länger nutzbar. Um diese und weitere Chancen und Herausforderungen der Circular Economy ging es beim Circular Future Lab, einer einwöchigen Summer School an der Hochschule Bielefeld.

Bielefeld (hsbi). Zum zweiten Mal fand im Rahmen des Projekts CirQualityOWL plus eine Summer School zum Thema Circular Economy an der HSBI statt. 14 Studierende der Hochschule Bielefeld (HSBI), der Universität Bielefeld und der Universität Paderborn nutzten eine Woche ihrer vorlesungsfreien Zeit, um mehr über zirkuläre Wertschöpfung
zu lernen. Dabei blieb es nicht nur theoretisch: Unter dem Motto „Innovation durch Nachhaltigkeit“ entwickelten die Studierenden eigene Ideen für zirkulär nutzbare Produkte und Geschäftsmodelle. Durch die Unterstützung der Teams des Instituts für Technische Energie-Systeme (ITES) und des Transferprojekts InCamS@BI wurden Workshops, eine Unternehmensführung bei Schüco sowie Praxisimpulse von Miele, Wago, Smart-ET und pro Wirtschaft GT ermöglicht. Die Studierenden erhielten auf diese Weise Einblicke in die praktische Umsetzung zirkulärer Wertschöpfung. Die fachlichen Impulse und Workshops unterstützten sie dabei, eigene Ideen für Praxisprojekte wie ein zirkuläres Produkt oder Geschäftsmodell zu entwickeln..

Besuch bei Schüco: Einblicke in Unternehmen, Produkte und Nachhaltigkeitsstrategie

Gruppenfoto der Summer School-Gruppe bei Schüco.
Welche Nachhaltigkeitsziele Schüco verfolgt und wie diese umgesetzt werden, erfuhren die Studierenden bei einem Unternehmensbesuch.

Der zweite Tag der Summer School begann mit einem Besuch des Schüco-Hauptsitzes in Bielefeld. Die Studierenden erhielten Einblicke in die Produktausstellung und das fast vollständig automatisierte Logistikzentrum. Außerdem erfuhren sie mehr über die Nachhaltigkeitsstrategie des Herstellers für Fenster- und Fassadensysteme: Knapp 40 Prozent des weltweiten Energie- und Materialverbrauchs entfallen derzeit auf den Bausektor. Schüco will hier seine Mitverantwortung ernst nehmen. „Manchmal muss man sich im Kreis bewegen, um wirklich voranzukommen“, beschrieb Sebastian Köhne, Projektmanager Recycling Sustainability, das Verständnis der zirkulären Wertschöpfung im Unternehmen. Schüco arbeitet daran, die CO₂-Bilanz seiner Produkte zu reduzieren und nutzt dazu beispielsweise recyceltes Aluminium. „Nachhaltige Produktalternativen stellen derzeit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil gegenüber Produkten aus dem asiatischen Raum dar“, so Köhne. Zudem entwickelt das Unternehmen derzeit Rücknahmekonzepte für seine Produkte.

Zirkuläre Wertschöpfung zum Anfassen im Workshop mit Miele

Miele setzt beim Thema Nachhaltigkeit auf lange Produktnutzungsphasen durch hohe Qualität. Zudem hat das Unternehmen das Ziel, seine Produkte recyclebar zu machen. Das geschieht etwa dadurch, dass weniger verschiedene Werkstoffe eingesetzt werden. Außerdem gilt der Grundsatz „repair over replace“. Daher bietet Miele seinen Kund:innen eine umfangreiche Sammlung von Videos zur selbstständigen Reparatur an. In einem Workshop mit Dr. Jannik Jilg und Isabell Komor von Miele bauten die Studierenden im Schüler:innenlabor der HSBI Staubsauger auseinander und prüften dabei, ob und wie Reparaturprozesse noch weiter vereinfacht werden könnten.

Nachhaltige Materialien im Fokus: Wago zeigt Circular Design in der Praxis

Dass zirkuläres Produktdesign bei der Wahl nachhaltiger Materialien beginnen kann, zeigte auch Sina-Marie Schneider, Circular Economy Managerin bei Wago. Das Unternehmen aus Minden ist Weltmarktführer im Bereich der Federklemmtechnik. Mit der Wago-Klemme „Green Range“ hat das Unternehmen seit 2021 eine nachhaltige Alternative seiner gängigen Produktserie 221 im Angebot. Hierbei veränderte Wago das verarbeitete Kunststoffmaterial. Die „Green Range“ besteht aus biozirkulären und recycelten Kunststoffen. „Unser Ziel war es, Ressourcen im Kreislauf zu halten. Dabei ist die Qualität unseres Produkts gleichgeblieben“, so Schneider. Gemeinsam mit den Studierenden erarbeitete die Managerin Ideen, an welchen Stellen innovative Materialien genutzt werden könnten.

Wie fördert man nachhaltige Entscheidungen im Alltag? Input vom Projekt InCamS@BI

Mirko Petersen und Eliza Starke aus dem Team von InCamS@BI geben Input zum Thema nachhaltige Entscheidungen.
Dr. Mirko Petersen und Eliza Starke sind Teil des Projektteams von InCamS@BI. In ihrem Input ging es um nachhaltige Entscheidungen im Alltag von Verbraucher:innen.

Um die Perspektive der Verbraucher:innen ging es in der Fokussession mit Dr. Mirko Petersen und Eliza Starke aus dem Team von InCamS@BI. Ein Innovationsökosystem rund um Maël Corboz, den ehemaligen Kapitän des DSC Arminia Bielefeld, und die InCamS@BI-Forschungsgruppe Innovationsmanagement arbeitet daran, Sportveranstaltungen in Ostwestfalen-Lippe nachhaltiger zu machen. Mirko Petersen gab Einblicke in die größten Veränderungspotenziale wie die Fanmobilität an Spieltagen oder nachhaltige Catering-Konzepte. Wirtschaftspsychologin Eliza Starke machte deutlich, wie Verbraucher:innen mit kleinen Stupsern, sogenannten „Green Nudges“, zur Wahl einer nachhaltigen Alternative angeregt werden können. Beispielsweise machte Arminia Bielefeld seinen Fans das Angebot, kostenlos mit dem Leih-Fahrrad zum Heimspiel zu gelangen, um so zur nachhaltigen Gewohnheitsbildung anzuregen.

Vom Input zur Anwendung: Die studentischen Projekte

Mit Fachwissen zur Circular Economy und zahlreichen Impulsen aus der Unternehmenspraxis ausgestattet, entwickelten die Studierenden in Kleingruppen eigene Ideen für zirkuläre Geschäftsmodelle und Produkte. Ihre Studienhintergründe reichen von den erneuerbaren Energien über das Ingenieurwesen bis hin zur Wirtschaftspsychologie, was die gemeinsame Arbeit bereicherte. Dementsprechend vielfältig waren die entstandenen Ideen: „cirkid“ denkt den Kinderwagen neu und ermöglicht beispielsweise eine spätere Nutzung als Boller- oder Einkaufswagen. Eine modulare Kaffeemaschine setzt auf austauschbare und erweiterbare Komponenten, während bei „Bakkaffee“ Kaffeesatz als Nährstoff für Bakterien genutzt werden soll, die Biokunststoffe herstellen. Mit „Trash2Beet“ entstand die Idee, Altholz aus Terrassensanierungen für den Bau von Hochbeeten weiterzuverwenden. „ReForm“ zeigt, wie digitale Produktpässe und künstliche Intelligenz für Zirkularität genutzt werden können. Mit ihrer Hilfe können gebrauchte Bauteile erfasst und bewertet werden, um geeignete Bauteile gezielt in einen zweiten Nutzungskreislauf zu bringen.

Studierende präsentieren ihre Projektarbeiten.
Studierende aus verschiedenen Studiengängen der HSBI, der Universität Bielefeld und der Universität Paderborn nahmen an der Summer School von Cirquality OWL plus teil.

„Wie im vergangenen Jahr war es uns wieder eine große Freude, Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen für die Circular Economy zu sensibilisieren“, zog Prof. Dr.-Ing. Eva Schwenzfeier-Hellkamp nach der Summer School Resümee. Die Leiterin des Instituts für Technische Energie-Systeme (ITES) an der HSBI hatte das Blockseminar gemeinsam mit ihrem Team, bestehend aus Leon Diel, Kerstin Schmidt und Joy Remberg, organisiert. Schwenzfeier-Hellkamp: „Die zirkuläre Wertschöpfung funktioniert vor allem durch innovative Ideen und Impulse. Interdisziplinäres Denken und Arbeiten, wie hier in der Summer School, bietet dafür den perfekten Nährboden." (sas)

Weitere Informationen

Institut für Technische Energie-Systeme
Zirkuläre Wertschöpfung

CirQualityOWL plus
InCamS@BI

Das Projekt CirQualityOWL plus wird Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) von der Europäischen Union und des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein‑Westfalen finanziert.

 Für weiteres Bildmaterial können Sie sich gerne an presse@hsbi.de wenden!