04.11.2026

Wenn das Überleben an der Steckdose hängt: HSBI erforscht Schutz vor dem Blackout in den eigenen vier Wänden

Kick-off zum Forschungsprojekt „RESILIENT CARETECH@HOME“: Projektteam und Praxispartner untersuchen am Beispiel der Stadt Bielefeld, wie die Versorgung von Menschen, die auf elektrisch betriebene Medizintechnik angewiesen sind, bei längeren Stromausfällen sichergestellt und ihre Einbindung in den kommunalen Katastrophenschutz verbessert werden kann.

Bielefeld (hsbi). Was passiert, wenn der Strom über längere Zeit ausfällt und Menschen zu Hause auf elektrisch betriebene Medizintechnik angewiesen sind? Wie kann ihre Versorgung in einer solchen Krisensituation sichergestellt werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das inter- und transdisziplinäre Forschungsprojekt RESILIENT CARETECH@HOME der Hochschule Bielefeld (HSBI). Beim ersten Kick-off kamen das Projektteam und Vertreter:innen aus der Praxis zusammen, um die Ausgangslage zu diskutieren und die Arbeitsschritte miteinander abzustimmen.

Wenn der Strom ausfällt, wird die Versorgung zur Herausforderung

„Die Perspektive der ambulanten Versorgung ist für das Vorhaben wesentlich. Pflegedienste kennen die Herausforderungen in der häuslichen Versorgung und können dazu beitragen, gemeinsam mit der Gefahrenabwehr tragfähige Lösungen zu entwickeln.“

Prof. Dr. Christina Anna Hajek

Im Fokus des Projekts stehen Menschen, die im häuslichen Umfeld auf elektrisch betriebene Medizintechnik angewiesen sind. Dazu gehören beispielsweise Beatmungsgeräte, Sauerstoffkonzentratoren, Absauggeräte, Ernährungspumpen oder Geräte zur Heimdialyse. Auch kühlpflichtige Medikamente können bei einem längeren Stromausfall eine besondere Herausforderung darstellen.

Während Krankenhäuser und andere stationäre Einrichtungen in der Regel über Notfallpläne und zumindest grundlegende Notstromversorgung verfügen, ist die Situation im häuslichen Umfeld eine andere: „Bislang ist häufig unklar, wie Menschen mit technikabhängiger Versorgung im häuslichen Umfeld in der kommunalen Katastrophenschutzplanung berücksichtigt werden“, erklärt Prof. Dr. rer. cur. Christina Anna Hajek, Professorin für Pflegewissenschaft an der HSBI und Projektleiterin von RESILIENT CARETECH@HOME.

Machbarkeitsstudie untersucht Anforderungen für den Katastrophenschutz 

Das Forschungsprojekt untersucht als Machbarkeitsstudie diese Frage am Beispiel der Stadt Bielefeld. Ziel ist es, herauszuarbeiten, welche Informationen über die eingesetzten Medizingeräten und die damit verbundenen Versorgungsbedarfe für eine bessere Einsatzplanung benötigt werden. Darüber hinaus wird analysiert, welche organisatorischen Voraussetzungen nötig sind und wie die Zusammenarbeit zwischen ambulanter Versorgung und Gefahrenabwehr gestaltet werden kann. Auf dieser Grundlage soll ein praxisorientiertes Anforderungsprofil für den kommunalen Katastrophenschutz entstehen.

Ambulante Versorgung als wichtige Perspektive

Beim Auftakttreffen diskutierten die Beteiligten unter anderem, welche Planungs- und Einsatzunterlagen für die Analyse relevant sein könnten und welche pflegerischen Versorgungsbedarfe bei der Einsatzvorbereitung berücksichtigt werden müssen. Ein weiterer Schwerpunkt war der verantwortungsvolle Umgang mit sensiblen Informationen. Die Planungen sollen eine bessere Entscheidungsgrundlage ermöglichen, ohne personenbezogene Daten einzelner betroffener Menschen in Einsatzunterlagen abzubilden.

Eine wichtige Rolle kommt dabei der ambulanten Versorgung zu: „Die Perspektive der ambulanten Versorgung ist für das Vorhaben wesentlich. Pflegedienste kennen die Herausforderungen in der häuslichen Versorgung und können dazu beitragen, gemeinsam mit der Gefahrenabwehr tragfähige Lösungen zu entwickeln“, so Prof. Dr. rer. cur. Christina Anna Hajek.

Nächste Schritte: Dokumentenanalyse und Gespräche mit Pflegediensten

Im nächsten Schritt führen die Projektbeteiligten eine Dokumentenanalyse durch, erarbeiten einen Interviewleitfaden und sprechen weitere ambulante Pflegedienste als mögliche Kooperationspartner an. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend gemeinsam mit den Praxispartner:innen ausgewertet und in das Anforderungsprofil einbezogen.

Ambulante Pflegedienste, die an einer Mitarbeit im Pilotprojekt interessiert sind, sind herzlich eingeladen, sich an die Projektleitung zu wenden: christina_anna.hajek@hsbi.de

Über RESILIENT CARETECH@HOME

An RESILIENT CARETECH@HOME arbeiten Prof. Dr. rer. cur. Christina Anna Hajek (Fachbereich Gesundheit), Prof. Dr.-Ing. Jens Otto (Fachbereich Wirtschaft) und Dr. phil. Marén Schorch (CareTech OWL) sowie wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der HSBI. Das Vorhaben verbindet Pflegewissenschaft, Gesundheitstechnologie und zivile Sicherheitsforschung.

Das sechsmonatige Forschungsprojekt startete am 1. Oktober 2026. Es untersucht die Versorgungssicherheit technikabhängiger Menschen in Krisen und Katastrophen. Gefördert wird es über die hochschulinterne Anschubfinanzierung der HSBI für sicherheitsrelevante Forschung. Im Mittelpunkt steht ein länger andauernder Stromausfall als Referenzszenario. Die Machbarkeitsstudie wird am Fallbeispiel Bielefeld durchgeführt.