Zwischen Buenos Aires und Bielefeld: HSBI-Student Juan Caamaño aus Argentinien erhält den diesjährigen Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD)
Bielefeld (hsbi). Juan Caamaño trägt zwei Welten in sich. Geboren in Argentinien, aufgewachsen mit deutscher Sprache und Kultur. Jetzt wurde der kreative Südamerikaner, der an der Hochschule Bielefeld (HSBI) den Master Gestaltung absolviert hat, mit dem DAAD-Preis 2025 ausgezeichnet. „Wenn wir uns etwas vornehmen, lassen wir uns von keinem Hindernis aufhalten“, sagt er über seine argentinische Seite. Gleichzeitig habe er gelernt, sorgfältig zu arbeiten und auf jedes Detail zu achten. Aus dieser Mischung ist eine Haltung entstanden, die ihn prägt: unermüdlich im Dranbleiben, präzise im Ergebnis. Wer seine Arbeiten sieht, erkennt beides sofort. Schon früh war die Fotografie sein Medium, Geschichten zu erzählen. Doch bald wollte er mehr Werkzeuge, mehr Möglichkeiten, Bilder und Gedanken zu formen. Er schrieb sich für Kommunikationsdesign in Würzburg ein, wo er unterschiedliche Schwerpunkte ausprobierte: Grafik, interaktive Medien, visuelle Experimente. Am Ende stand der Entschluss: Die Zukunft soll digital sein. „Ich wollte größer denken – technisch, räumlich, konzeptionell.“ Also wechselte er in den Master Gestaltung mit der Studienrichtung Digital Media and Experiment an der HSBI, und was mit Neugier begann, endete mit Bestnote.
„Das Unsichtbare erfahrbar machen"
Caamaño's Abschlussprojekt beschäftigte sich mit digitalen Datenkörpern.
Besonders fasziniert ist er vom menschlichen Körper. Biofeedback- und Neurofeedback-Technologien sind seine Werkzeuge, um sichtbar zu machen, was sonst verborgen bleibt: Ströme, Prozesse, Muster. Juan Caamaño: „Es geht nicht nur darum, Daten zu sammeln. Es geht darum, das Unsichtbare erfahrbar zu machen, Geschichten aus unserem Innersten zu erzählen.“ Seine Arbeiten blieben nicht unbeachtet. Der erste große Preis: „Design Talent Gold“ bei den CommAwards 2021. „Der Moment, als ich von der Auszeichnung erfuhr, war unvergesslich“, erinnert er sich. Es folgten weitere Preise – vom ADC Talent Award bis zum Deutschlandstipendium. Besonders eindrücklich: das Projekt „Nulllabor – Biologische Systeme & Verhaltensweisen“, gemeinsam mit Kommiliton:innen entwickelt. Ein Katalog mit eigener App, der Naturprozesse sichtbar macht und Biodesigner:innen inspirieren soll. Eine Arbeit, die internationale Beachtung fand – und ein Beispiel dafür, wie Caamaño Technologie, Ästhetik und Forschung verschränkt.
Spürbare Offenheit im Denken und im Miteinander
„Seine Haltung ist international, dialogisch, neugierig – und zutiefst menschlich.“
Prof. Dr. Rafael Dernbach
Sein Engagement fiel seinem Dozenten Prof. Dr. Rafael Dernbach auf. Dernbach lehrt Medientheorie am Fachbereich Gestaltung und lernte Juan im Seminar „Futures Thinking“ kennen. „Von Anfang an fiel Juan durch seine außergewöhnlichen akademischen Leistungen auf – aber auch durch etwas, das man nicht benoten kann: eine spürbare Offenheit im Denken und im Miteinander. Juan versteht Gestaltung nicht als individuelles Genieprojekt, sondern als kollektive Praxis. Seine Haltung ist international, dialogisch, neugierig – und zutiefst menschlich.“ Dernbach nominierte ihn daher für den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit über 20 Jahren an deutschen Hochschulen verliehen und würdigt die Leistungen und das Engagement internationaler Studierender. Persönlich gratulieren konnte Dernbach leider nicht, denn Caamaño war zu dem Zeitpunkt bereits nach Argentinien zurückgekehrt. Die Live-Zuschaltung via Zoom funktionierte an dem Abend bedauerlicherweise auch nicht. Doch das tat Juans Freude über die Auszeichnung keinen Abbruch.
Bei seinen 'data doubles' wird eine zweite, unsichtbare Haut, gewebt aus Sensoren und Zahlen erzeugt.
Auch in der Praxis hat Juan vielfältige Spuren hinterlassen. Bei der Agentur „Moby Digg“ lernte er, seine Stimme zu erheben – „meine Meinung ist genauso wichtig wie die der Vorgesetzten“, sagten ihm damals die Kollegen. Ein Satz, der ihm den Mut gab, später eigene Ideen konsequent einzubringen. Bei „NAMENAME Creative Partners“ genießt er bis heute die enge Zusammenarbeit mit seinen Mentoren. Und in Projekten mit dem Steinbeis Forschungszentrum erlebte er hautnah, wie Design Forschung vorantreiben kann: in Lille, Frankreich, entwickelte er Konzepte für eine App, die Chirurgen bei der Planung von Wirbelsäulenoperationen unterstützt – inklusive Klinikbesuchen, Patientengesprächen und Live-Operationen.
„Vielfalt ist kein Hindernis, sondern eine Ressource"
Bei allem Erfolg geht es ihm nicht nur um Technik oder Form. „Ich möchte mit meiner Arbeit langfristig etwas bewegen. Menschen zum Nachdenken bringen, neue Perspektiven eröffnen.“ Deshalb engagierte er sich für den interkulturellen Dialog an der Hochschule. Vielfalt, sagt er, sei kein Hindernis, sondern eine Ressource. Man lernt voneinander, gewinnt neue Perspektiven. Das ist genauso wichtig wie jedes technische Werkzeug." (yda)
Die anderen Stipendiat:innen bei der Feier am 13.10.2025 (v.l.n.r.): Mohammad Alsagheer, Aurele Mingue Noubissi, Fatemeh Gholami, Anna Ivanova, Katherin Odalys Rojas Rayo, Jhon Deyvis Pereira Mejia, Ezgi Naz Yildirim, Zahra Haghpanahi, Negin Garshasbi, dahinter: Nadeim Abdalla, Rawan Hamak, dahinter: Ibrahim Ammar und Hannah Möhring vom International Office der HSBI. (Juan Caamaño ist nicht auf dem Bild, da er zum Zeitpunkt der Verleihung bereits wieder in seiner Heimat Argentinien war.)
Weitere Informationen
Bei der Stipendienfeier am 13.10.2025 wurden neben dem mit 1.000 Euro dotierten DAAD-Preis folgende weitere Stipendien vergeben:
Vier Jahresstipendien zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit und zwei Engagement-Jahresstipendien aus hochschulinternen Qualitätsverbesserungsmitteln,
ein Semesterstipendium aus internen Qualitätsverbesserungsmitteln und Unterstützung der Fördergesellschaft Hochschule Bielefeld e.V.,
zwei Engagement-Semesterstipendien aus Qualitätsverbesserungsmitteln und Unterstützung der Familie Böllhoff,
vier Semesterstipendien zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit aus der Programmrichtlinie STIBET I mit Mitteln des Auswärtigen Amts.