Bielefeld (fhb). Gelernter Werkzeugmacher, studierter Maschinenbauer und 25 Jahre im öffentlichen Dienst, seit 1990 beschäftigt an der Fachhochschule Bielefeld. Was so eindeutig das Interesse an Technik und Naturwissenschaften dokumentiert, hätte beruflich auch anders ausgehen können: "Mein großes Hobby und meine Leidenschaft, das war und ist die Fotografie und das Design", sagt Dipl.-Ing. Dieter Dröge (57), wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM), als ihm die Ehrenurkunde zum Dienstjubiläum von FH-Präsidentin Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff am 2. Dezember übergeben wird.
Vielleicht umschreibt der Begriff "Gestalter" am besten sein Wirken an der FH und bringt Technisches und Kreatives gleichermaßen zum Ausdruck. Er zeichnet verantwortlich für die Betreuung des CAD-Labors am Fachbereich, das mit 30 hochwertigen Arbeitsplätzen ein bedeutender Baustein in der Ausbildung des Maschinenbaunachwuchses ist. Dröge: "Konstruieren am Reißbrett ist natürlich nicht mehr angesagt. Aber die Skepsis damals vor 15 oder 20 Jahren, dass man demnächst am PC komplexe Konstruktionsaufgaben wird lösen können, war am Fachbereich ausgeprägt."
Als Ingenieur schlägt sein Herz natürlich für den technischen Fortschritt, und da ist er etwas enttäuscht, dass nicht alles so schnell umgesetzt wird, wie es eigentlich möglich erscheint: "Schon vor Jahren habe ich gedacht, wir können am Rechner bald auf die Maus und die Tastatur weitestgehend verzichten und mit Mimik, Gestik und Worten den PC bedienen. Aber da macht die Industrie wohl nicht mit. Die etablierten Entwicklungen müssen noch vertrieben werden."
Immerhin: Technische Neuerungen oder gar Innovationen hat es in seiner Spezialdisziplin CAD in jüngster Vergangenheit reichlich gegeben. Heute, wo das computerunterstützte Konstruieren längst 3-dimensional am Rechner erfolgt, können die Fachleute auf dieser CAD-Grundlage Modelle im Rapid-Prototyping-Verfahren herstellen, die detailgetreu und funktionstauglich sind. "Auf Serienproduktion ist das RP-Verfahren noch nicht angelegt, aber es kann viel Geld gespart werden, weil keine Prototypen mühsam als Model und möglicherweise noch per Hand gebaut werden müssen." Angesichts der heutigen Forderungen nach kurzen Entwicklungszeiten, schnellem Markteintritt und hoher Produktivität auch in der Produktentwicklung, sei es unverzichtbar, CAD-Konzeptmodelle im gesamten Konstruktionsablauf zu verwenden, schreibt Dröge auf der Fachbereichs-Homepage zum Labor.
Großartig Werbung für sich und seine Kompetenz macht das CAD-Labor nicht. Aber es ist mit seinem Angebot im Internet zu finden. Und es gibt Anfragen. Vom Herzzentrum Bad Oeynhausen etwa, das an einem exakten Herz-Modell eines Patienten die Operation vorab simulieren wollte. Oft sind Aufträge von Firmen patentrelevante Entwicklungen, die dann auch mit entsprechender Geheimhaltung erstellt werden müssten, fasst der CAD-Experte die Erfahrungen der letzten Jahre zusammen.
Dieter Dröge hatte vor seinem Wechsel an die FH Bielefeld, an der er studiert hatte, sieben Jahre Industrieluft geschnuppert, davon vier Jahre im eigenen, mit Kollegen betriebenen Büro. Die Entscheidung pro FH war dann eine, die "die Familienplanung sicherer machte". Und vom ersten Tag an verstand ein seinen Arbeitsplatz als Auftrag, für die Studierenden da zu sein und das Labor auszubauen. Mittlerweile darf er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Lehre aktiv sein, hat ein 70-seitiges Script erarbeitet und zahlreiche Konstruktionsaufgaben ausgedacht. Dröge: "Ich bin mir sicher, dass die CAD-Erfahrungen unserer Studierenden entscheidend seien können, wenn ein Arbeitgeber einen qualifizierten Maschinenbauer sucht."
Kreativ und "multi-kulti" ist Dröge seit 1996 unterwegs. Er war einer der ersten, der sich für den "Carnival der Kulturen" in Bielefeld stark gemacht hat, ihn organisieren half und noch heute diese Form des kulturellen Miteinanders lobt und wohl auch lebt. Eben ein Gestalter - am Fachbereich IuM.