Soziale Arbeit in der Sucht- und Drogenhilfe: HSBI-Studierende besuchen JVA und Drogenkonsumraum in Berlin
Um sich mit dem Thema Drogensucht aus nächster Nähe zu beschäftigen, ging es für die Seminargruppe „Soziale Arbeit in der Sucht- und Drogenhilfe“ im Studiengang Soziale Arbeit an der Hochschule Bielefeld für eine Exkursion nach Berlin. Dort besuchten die Studierenden zusammen mit Prof. Dr. Tim Middendorf die JVA Moabit und den ältesten Drogenkonsumraum der Stadt, die „Birkenstube“. Am dritten Exkursionstag gab es eine alternative Stadtführung des Vereins Querstadtein e.V., bei der eine ehemals von Obdachlosigkeit betroffene Stadtführerin von ihrem Leben auf der Straße berichtet hat.Studierende vom Fachbereich Sozialwesen haben die Druck- und Rauchräume im ältesten Drogenkonsumraum in Berlin besichtigt.
Bielefeld/Berlin (hsbi). Die Mauern der JVA Moabit in Berlin sind streng bewacht. Doch die Studierenden des Seminars „Soziale Arbeit in der Sucht- und Drogenhilfe“ des Studiengangs Soziale Arbeit an der Hochschule Bielefeld (HSBI) bekamen einen Einblick hinter die Mauern. Nach einem Sicherheitscheck und ohne Smartwatches und Handys am Körper lernten die Teilnehmenden den Alltag in der Untersuchungshaftanstalt für Männer kennen. Sie hatten die Möglichkeit, Zellen zu betreten und inhaftierten Menschen auf den Gängen zu begegnen. „Durch den Besuch konnte diese spezifische Soziale Arbeit gefühlt und erlebt werden“, so Prof. Dr. Tim Middendorf. „Hier verliert man das Gefühl für Zeit und Raum“, kommentierte eine der Studierenden.
Studierende erkunden Druck- und Rauchräume in ältestem Drogenkonsumraum Berlins
Sie haben viele bedeutende Orte besucht.
Am zweiten Exkursionstag ging es zum ältesten Drogenkonsumraum der Stadt Berlin, der „Birkenstube“. Angeleitet durch zwei Mitarbeitende erkundete die Gruppe die Druck- und Rauchräume. Sie diskutierten verschiedene Aspekte der Drogen- und Suchthilfe und konnten dabei Vergleiche zum Hilfesystem in Bielefeld ziehen. Das Bielefelder Drogenhilfezentrum war bereits Ziel einer anderen Seminarsitzung. Zudem ging es um mögliche Substanzen, die drogenabhängige Menschen konsumieren, und das Verfahren des Drucheckings, also die chemische Analyse dieser Substanzen. Nach dem Besuch teilte sich die Seminargruppe in kleinere Gruppen auf, um szenespezifische Aufenthaltsorte im öffentlichen Raum zu erkunden.
Ehemals obdachlose Frau zeigt Studierenden, wie sie auf der Straße lebte
Zu den Highlights gehörte eine Stadtführung mit einer ehemals von Obdachlosigkeit betroffenen Person.
Am Sonntag endete die Exkursion mit einer alternativen Stadtführung des Vereins Querstadtein e.V. Stadtführerin Janet erzählte von ihrem Leben auf der Straße, ihren eigenen Erfahrungen mit Drogen und von Übergriffen, die sie selbst bereits erlebt hatte. „Das Überleben auf der Straße mit all seinen Facetten wurde erfahrbar. Zugegeben: Das Gehörte war teilweise schwer zu ertragen“, sagt Seminarleiter Middendorf.
Voller Eindrücke und mit intensiven Gedanken ging es anschließend zurück nach Bielefeld. Prof. Middendorf sind derartige Exkursionen wichtig: „Das leibhaftige Erleben Sozialer Arbeit mit Menschen mit Suchterfahrungen kann im Seminar nur ansatzweise nachempfunden werden. Exkursionen schaffen hingegen ein tiefgreifendes Fühlen und Verständnis für diese Form der prekären Lebenslagen.“ (sad/TM)