Wissenschaft gegen Faschismus: Fachbereich Sozialwesen der HSBI beteiligte sich mit vielfältigem Programm an bundesweiter Aktionswoche
Mit Seminaren, Workshops, einer Ausstellung und Austauschformaten rückten Studierende, Lehrende und Mitarbeitende des Fachbereichs Sozialwesen der Hochschule Bielefeld faschistische Tendenzen, wie sie in Rassismus, Ableismus und Antifeminismus zum Ausdruck kommen, in den Fokus und schufen Räume für Begegnung und kritische Auseinandersetzung.Zur Halbzeit der Aktionswoche kamen Studierende, Lehrende, Mitarbeitende und weitere Interessierte bei einem Get-together im Theater der HSBI zusammen.
Bielefeld (hsbi). Der Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Bielefeld (HSBI) beteiligte sich vom 1. bis 7. Juni an der bundesweiten Aktionswoche „Wissenschaft gegen Faschismus“, die von der Initiative „Studis gegen Rechts“ und Wissenschaftler:innen ins Leben gerufen wurde: Bundesweit waren Hochschulen dazu aufgerufen, Lehrveranstaltungen, Diskussionen und weitere Formate zu organisieren, die sich mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaft und der wachsenden Gefahr des Faschismus auseinandersetzen. An der HSBI erwartete die Teilnehmenden ein vielfältiges Programm aus Seminaren, Workshops, Vorträgen, einer Ausstellung und Austauschformaten. „Mit der Teilnahme an der Aktionswoche wollten wir einen Rahmen schaffen, in dem aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen kritisch reflektiert und Perspektiven für demokratisches Handeln diskutiert werden können“, erklärt Prof. Dr. Erika Schulze, Professorin für Soziologie der Kindheit und Jugend am Fachbereich Sozialwesen.
Vielfältige Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen
Einen Schwerpunkt der Aktionswoche bildeten an der HSBI 15 geöffnete und thematisch neu ausgerichtete Lehrveranstaltungen des Fachbereichs Sozialwesen. Das Spektrum reichte von theoretischen und begrifflichen Diskussionen über Filmvorführungen bis hin zu Argumentationstrainings. Begleitend dazu wurde auf der Magistrale der HSBI die Ausstellung „Antisemitismus, Krankenmorde und Deportationen aus Bielefeld und Bethel im Nationalsozialismus“ gezeigt, die von Prof. Dr. Claus Melter initiiert wurde, der am Fachbereich für das Lehrgebiet Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft zuständig ist.
Austausch, Empowerment und persönliche Perspektiven
Mit dem Safer Space für Black, Indigenous and People of Color (BIPoC) wurde ein geschützter Raum geschaffen, in dem Betroffene von Rassismus ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig stärken konnten. „Im Zusammenhang mit dem Austausch sind Räume für Betroffene von Diskriminierung und Gewalt notwendig“, betont Momo Stötzer. „Denn die Stimmen von Betroffenen werden im Gesamtdiskurs oft überhört. Deshalb ist es wichtig, sie zu stärken und hörbar zu machen“, ergänzt Güler Arapi. Die beiden sind Erziehungswissenschaftlerinnen und Promovendinnen am Fachbereich Sozialwesen.
Auch das Open Mic bot Gelegenheit für persönliche Perspektiven: Studierende präsentierten eigene oder fremde Texte, Gedichte und Songs, die ihre Gedanken und Gefühle zur aktuellen gesellschaftlichen Situation ausdrückten. Die Veranstaltung schuf damit Möglichkeiten für Dialog, Reflexion und kreative Formen des Protests.
Rassismus, Ableismus und Antifeminismus im Fokus
Beim Get-together wurde eine Performance aufgeführt, bei der Studierenden mit eigenen Texten und Fotos an verschiedene Personen erinnert haben.
Im Seminar „Politische Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen“ wurde mithilfe von Trainingskarten, die zur Multiplikator:innenschulung entwickelt wurden, und dem Dokumentarfilm „Der zweite Anschlag“, der rassistische Gewalt aus Sicht der Betroffenen dokumentiert, rassistische Gewalt und ihre oft geringe mediale Sichtbarkeit fokussiert.
Der Workshop zum HSBI-Forschungsprojekt ABLE beschäftigte sich mit ableistischen Mustern in KI-generierten Texten. Die Teilnehmenden diskutierten anhand von Forschungsergebnissen und live generierten Texten, wie Sprache Vorstellungen von Normalität, Leistungsfähigkeit und Zugehörigkeit prägt. Eine zentrale Erkenntnis des Projekts ist, dass KI nicht als neutrales Werkzeug verstanden werden kann, sondern an der Hervorbringung und Stabilisierung gesellschaftlicher Wirklichkeiten beteiligt ist – mithin Diskriminierung verstärken kann.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema Antifeminismus als ideologischer Knotenpunkt rechter Denkweisen. Im Seminar „Rechte Landnahme in der Sozialen Arbeit und der Pädagogik“ setzten sich die Teilnehmenden mit antifeministischen Narrativen und Strategien auseinander. Ein Positionierungsspiel regte dazu an, mögliche Reaktionen und Argumentationsstrategien in konkreten Situationen zu reflektieren.
Begegnung und Vernetzung beim gemeinsamen Get-together
Zur Halbzeit der Aktionswoche kamen Studierende, Lehrende, Mitarbeitende und weitere Interessierte bei einem Get-together im Theater der HSBI zusammen. Dort wurden Ergebnisse aus den Seminaren vorgestellt, ein Kurzfilm gezeigt und eine Performance aufgeführt. Büchertische mit Graphic Novels, Kinderbüchern und weiterführenden Materialien sowie ein Infostand der Initiative „Studis gegen Rechts“ boten zusätzliche Möglichkeiten zur Information und Vernetzung.
Vollversammlung setzt Zeichen für Demokratie und Engagement
Auch nach dem offiziellen Ende der Aktionswoche wird der Austausch fortgesetzt: Den Abschluss bildet eine hochschulübergreifende Vollversammlung am Donnerstag, 11. Juni 2026, um 18.30 Uhr im Audimax der Universität Bielefeld, die sich ebenfalls an der bundesweiten Aktionswoche „Wissenschaft gegen Faschismus“ beteiligt. „Wir möchten gemeinsam für Demokratie einstehen, miteinander ins Gespräch kommen und Menschen ermutigen, sich gesellschaftlich zu engagieren“, so Prof. Dr. Isabelle Zinsmaier, Professorin für Kulturelle Bildung am Fachbereich Sozialwesen. Auf dem Programm stehen unter anderem eine Podiumsdiskussion und Poetry-Slam-Beiträge. (abo)