Frühe Erfahrungen mit Sprache, Geschichten, Büchern und Schrift sind eine wichtige Grundlage für Bildungsbeteiligung und späteres Lesen- und Schreibenlernen. Early Literacy ist damit ein wichtiger Bestandteil des Bildungswegs von Kindern und auch in Kindertageseinrichtungen präsent. Kinder wachsen in einer immer digitaler werdenden Lebenswelt auf. Deshalb bringen sie bereits vielfältige Erfahrungen mit Sprache, Geschichten und Medien mit in die Kitas. Gleichzeitig aber unterscheiden sich die Voraussetzungen und Erfahrungen, die Kinder mitbringen zum Teil deutlich. So erleben Kinder in ihren Familien Sprache, Schrift und Medien in unterschiedlichem Maße; zudem wachsen viele Kinder heute mehrsprachig auf. Für Kindertageseinrichtungen stellt sich die Frage, wie sie angesichts dieser unterschiedlichen Erfahrungen Literacy gezielt fördern können. Wichtige Hinweise liefert dabei die Forschung der vergangenen Jahre. Sie zeigt, dass Sprachbildung insbesondere dann gelingt, wenn sie eingebettet ist in alltägliche Situationen und Routinen und dabei an die vielfältigen auch digitalen Erfahrungen der Kinder anknüpft. Mit diesem Ansatz können kindheitspädagogische Prinzipien aufgegriffen werden, indem Kinder selbstbestimmt im Kita-Alltag mit Sprache, Geschichten und Schrift umgehen und eigene Erfahrungen machen können. Dies gelingt insbesondere dann, wenn die räumliche Umgebung entsprechend gestaltet wird. Das Projekt „Alltagsintegrierte Literacyförderung in hybriden Lernumgebungen (Allhybrid)” greift genau diese Herausforderung auf. Das Zusammenspiel und die Verschränkung digitaler und analoger Praktiken im Kita-Raum steht bei Allhybrid im Vordergrund. Digitale Medien eröffnen neue Möglichkeiten, die bisher noch nicht systematisch mit analogen Materialien und Raumgestaltung zusammengedacht werden. Allhybrid untersucht daher, wie analoge und digitale Materialien miteinander verbunden werden können - in hybriden Lernumgebungen.
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Allhybrid möchte nicht zwischen analogem und digitalem Material entscheiden, sondern herausfinden, welches Potenzial für die sprachliche Bildung von Kindern entsteht, wenn beides sinnvoll zusammenkommt.
Wo und wie forschen wir?
Die zentrale Forschungsfrage für Allhybrid ist, wie analoge und digitale Materialien sowie die räumliche Umgebung in Kindertageseinrichtungen so zusammenspielen können, dass hybride Lernumgebungen entstehen, die Kinder im Alltag selbstständig für ihre sprachlichen und literacybezogenen Aktivitäten nutzen können. Ziel ist es, die Förderung von Early Literacy alltagsnah und zugleich systematisch zu gestalten.
Forschungsdesign: In einer Ist-Stand-Analyse erfassen wir zunächst die bereits vorhandenen analogen und digitalen Angebote und Praktiken zur Unterstützung von Early Literacy im Kita-Alltag. Dafür nutzen wir ein Mixed-Methods-Design: Interviews, Gruppendiskussionen, Raumanalyse, Bildungsdokumentationen und kindgerechte partizipative Fotoverfahren bilden die qualitative Erhebung ab. Mit der Auswertung von Sprachstandserhebungen wird das Vorhaben durch einen quantitativen Zugang ergänzt. Auf dieser Grundlage entwickeln und erproben wir gemeinsam mit den beteiligten Kitas hybride Lernumgebungen, die analoge und digitale Möglichkeiten verbinden und die Förderung von Early-Literacy-Kompetenzen im Kita-Alltag unterstützen. Dabei steht das Zusammenspiel aus wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen und praxisorientierter Umsetzbarkeit im Vordergrund. So sollen Konzepte entstehen, die sich gut in den Kita-Alltag integrieren lassen und eine alltagsintegrierte Literacyförderung ermöglichen.
Welchen (theoretischen) Ansatz verfolgen wir?
Der Arbeit im Projekt liegt das Modell hybrider Literacyumgebungen (MohLi) zugrunde. Es bietet einen konzeptionellen und heuristischen Zugang zur frühkindlichen Sprachbildung. MohLi konzeptualisiert sprachförderliche hybride Lernumgebungen in Kindertageseinrichtungen als Zusammenspiel verschiedener Dimensionen, die vom Kind selbstgesteuerte Literacy-Praktiken ermöglichen. Das Modell wurde entwickelt, um die konzeptionelle Trennung von analogen und digitalen Ansätzen zu überwinden.
Abbildung 1: Modell hybrider Literacyumgebungen (MohLi)
Im Mittelpunkt stehen die selbstgesteuerten hybriden Literacypraktiken, die durch Kinder mit Verwendung von analogem und digitalem Material entstehen. Den Rahmen für diese Praktiken bilden Interaktion, Material und Raum. Material wird so im Raum arrangiert, dass es Anlässe zum Erzählen, Lesen und zur Schriftkultur entstehen lässt. Die professionelle Gestaltungskompetenz der Fachkräfte entscheidet dann schließlich darüber, wie Material, Räume und Interaktionen didaktisch sinnvoll miteinander verknüpft werden, um sprach- und literacyförderliche Anlässe zu schaffen. Vier Dimensionen kennzeichnen diese Gestaltungskompetenz: Wahrnehmen und deuten der Literacypraktiken von Kindern im Alltag, das Arrangieren und Kombinieren von Material im Raum, Interaktionen lernförderliche gestalten und die Passung hybrider Elemente systematisch reflektieren, insbesondere mit Blick auf Mehrsprachigkeit als Querschnittsperspektive. Damit eröffnet das MohLi eine Perspektive auf hybride Sprachbildungsumgebungen als dynamische Erfahrungsräume, in denen analoge und digitale Elemente, sprachliche Ressourcen und professionelle Gestaltung in wechselnden Konstellationen zusammenwirken.