10.04.2011

„Die Zeit geht - die Bilder bleiben“

Ausstellung „Wahre Helden“ zeigt rund 80 Fotografien von Jörg Boström und Jürgen Heinemann.

Bielefeld (fhb). „Die Zeit geht, die Bilder bleiben“. Und: „Fotografie ist Vergangenheit.“ Professor Dr. Andreas Beaugrand hielt das fest, und er begrüßte damit rund 50 Interessierte, die zur Eröffnung der Ausstellung „Wahre Helden – Arbeiterfotografien von Jörg Boström und Jürgen Heinemann“ erschienen waren. Treffpunkt Hochschulbibliothek an der Lampingstraße, Fachbereich Gestaltung. Genau diese Fotografien belegen aber auch, wie gegenwärtig Vergangenes anmutet und wie wichtig die Rückbesinnung sein kann, um Zukünftiges einordnen zu können.    

Jörg Boström, 1936 in Duisburg geboren, und Jürgen Heinemann, Jahrgang 1934 und in Osnabrück aufgewachsen, beide über lange Jahre am Fachbereich Gestaltung für die Ausbildung des Fotografie-Nachwuchses verantwortlich, haben selber fotografiert: in Zechen, Textilfabriken, Stahlwerken und Metallbetrieben in ganz Westfalen, vor allem im Ruhrgebiet und in Bielefeld. Von 1982 bis Anfang der 90er-Jahre und immer im Rahmen von Studienarbeiten mit ihren Studierenden. Im Mittelpunkt: Malocherinnen und Malocher im besten Sinne, die ihre harte Arbeit konzentriert verrichten, unter Tage, in der Schlachterei, in der Großbäckerei oder bei der Müllentsorgung abgelichtet. Harte Gesichtszüge, gezeichnet vom Alltag.   

Zum Ausdruck komme immer wieder „dieser Stolz auf das eigene Tun und die eige­ne Leistung“, so Beaugrand in der Ankündigung zur Ausstellungseröffnung. „Sensibel und nie voyeurhaft zeichnen sie ein Bild dieser endenden Industriegesellschaft und setzen damit auch ih­ren Akteuren ein Denkmal.“ Die damalige Industriegesellschaft existiert heute nicht mehr. Viele Betriebe wurden bereits wenige Jahre später ge­schlossen. „Die Bilder Boströms und Heinemanns geben allerdings noch heute einen eindringlichen Blick in diese inzwischen historische Epoche“, so Professor Beaugrand.

Boström selber erinnert sich, dass das Fotografieren damals ein vergleichsweise unkompliziertes Handwerk war: „Ich habe die Menschen einfach bei ihrer Arbeit fotografiert.“ Keine Probleme mit dem Copyright oder mit der Wiederholung der Aufnahmen, weil das Licht hätte besser gesetzt werden können oder der Proband nicht glücklich genug in die Kamera gelächelt hatte. Boström: „Die mussten nicht erst eine Einwilligung unterschreiben. Wir konnten einfach fotografieren. Dadurch wirken die Bilder auch nicht gestellt. Heutzutage ginge das nicht mehr.“

Boström, von 1972 bis 1999 an der FH Bielefeld, war immer „ein Verfechter des Projektstudiums“. Thematisiert wurden soziale Phänomene oder, um mit Beaugrand zu sprechen: „Grenzprobleme der Gesellschaft wurden aufgearbeitet.“ Boström zur Vorgehensweise: „Wir haben damals mit den Studenten auf Augenhöhe gearbeitet. Ich habe denen nicht erzählt, wie’s gehen muss, sondern ich habe sie selbst fotografiert lassen und dann haben wir darüber geredet.“ Denn, so der Fotograf und Maler Boström, „in der Gestaltung ist es anders als in anderen Fächern und der Professor ist nicht von vornherein der bessere Künstler als die Studenten.“

„Wahre Helden“ ist die 11. Ausstellung der seit 2003 laufenden Reihe ‘Wissen und Kunst‘, die vom Fachbereich Gestaltung gemeinsam mit der Hochschulbibliothek durchgeführt wird. Bibliotheksleiterin Dr. Karin Ilg hielt anlässlich der Eröffnung fest, dass die Bibliothek ein besonderes Augenmerk auf die Arbeitsergebnisse aus dem Fachbereich Gestaltung lege. Die aktuelle Ausstellung lobte sie ob der „atmosphärischen Dichte und der dokumentarischen Präsenz“. Aufgewertet wurde die Eröffnungsveranstaltung durch musikalische Einwürfe des Saxophonisten Thomas Schweitzer.      

“Wahre Helden“ ist eine Ausstellung, die zeitgleich bis zum 5. Januar 2012 an zwei Orten zu sehen ist: in der Bibliothek im Fachbereich Gestal­tung, Lampingstraße 3, und auch in der FH-Hochschulgalerie, Kurt-Schuma­cher-Straße 6. Interessierten ist dringend empfohlen, hier wie dort die anschauliche Reise in eine vergangene Epoche anzutreten.