POTENZIAL
POTENZIAL – Evaluation gemeinwesenorientierter Ergotherapie im lebensweltbezogenen Schulkontext am Beispiel des PFIFF-Projekts: Eine multiperspektivische Studie
Kurzbeschreibung:
Das Forschungsprojekt POTENZIAL untersucht, wie ergotherapeutische Unterstützung direkt im schulischen Umfeld wirkt. Im Mittelpunkt steht das PFIFF-Projekt (Pädagogisch Flexible Individuelle Förderung Für Kinder und Eltern) das seit fast zwei Jahrzehnten Grundschulkindern im Essener Norden während der Schuleingangsphase unterstützt, ihr Lernpotenzial zu entfalten. Besonders Kinder aus Familien mit multiplen Belastungen erhalten so niederschwelligen Zugang zu Förderung.
Die Gesundheitsversorgung steht vor der Herausforderung, komplexe gesellschaftliche Prozesse wie demografischen Wandel, die Zunahme chronischer Erkrankungen und soziale Ungleichheiten zu bewältigen. Klassische Therapiesettings stoßen bei Menschen mit multiplen Bedarfen an Grenzen. Aktuell findet in Deutschland Ergotherapie überwiegend in klassisch krankenkassenfinanzierten Settings, wie z.B. in ambulanten Praxen statt. Doch diese Strukturen schaffen für viele Menschen hohe Zugangsbarrieren und erschweren den Transfer therapeutischer Ansätze in den Lebensalltag. Gemeinwesenorientierte Ergotherapie geht einen anderen Weg: Therapeut*innen arbeiten gesundheitsfördernd direkt im Lebensumfeld der Menschen.
Dieses Vorgehen wird exemplarisch anhand des PFIFF-Projekts evaluiert, mit dem Ziel Erkenntnisse darüber zu erlangen, welche Auswirkungen gemeinwesenorientierte, schulbasierte Ergotherapie mit dem Fokus auf sozialer und schulischer Teilhabe der Grundschulkinder aus Perspektive verschiedener Akteur:innen hat. In der multiperspektivischen Evaluationsstudie werden jeweils Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte zu zweit Zeitpunkten systematisch befragt, um die Auswirkungen auf schulische und soziale Teilhabe zu erfassen. Welche Ziele erreichen die Kinder? Welche Veränderungen nehmen Eltern wahr? Wie bewerten Lehrkräfte die Entwicklung? Diese Fragen werden mittels qualitativer, partizipativer Methoden – von kindgerechten Zielabfragen über Erzählcafés mit Eltern bis zu Expert*inneninterviews – beantwortet.
Das Projekt schließt eine zentrale Forschungslücke, da systematische Evaluationsstudien zu gemeinwesenorientierter Ergotherapie im schulischen Kontext der Einschulungsphase in Deutschland bisher nicht existieren. Die gewonnenen Erkenntnisse, d.h. die multiperspektivisch erhobenen Potenziale und Wirkungen gemeinwesenorientierter, schulbasierter ergotherapeutischer Angebote sollen als Grundlage für den Übertrag auf weitere ergotherapeutische Angebote in anderen Regionen in Deutschland dienen.
Projektbeteiligung: Ergotherapiepraxis ZEITRAUM, Essen
Laufzeit: 01.09.26 bis zum 30.04.2028
Projektförderung: Hochschulinterner Forschungsfonds für neuberufene Professor:innen