Produktkategorien und zugehörige Kreisläufe

Um die Prinzipien der Circular Economy inklusive der R-Prinzipien in der Praxis zielführend umzusetzen, muss bewertet werden, an welcher Stelle der Wertschöpfungskette der größte Impact vorliegt. Für eine erste Einordnung ist es in diesem Kontext sinnvoll, in Produktkategorien zu denken. Die nachfolgend dargestellten Kategorien sind in dem hier vorliegenden Umfang eine neue Unterteilungsweise, die durch das ITES der HSBI erstellt wurde und die den Fokus auf die Nutzungsphase und den damit verbundenen Ressourcenverbrauch legt.

Dieser Sichtweise folgend wird zwischen kurzlebigen Produkten und langlebigen Produkten unterschieden. Des Weiteren findet eine Unterscheidung bei der Höhe und Art des Impacts in der Nutzungsphase statt. Ziel ist es, dass die Produkte einen neutralen bzw. positiven Impact auf die Umgebung haben. Die nachfolgende Abbildung gibt einen Überblick über die Charakteristiken der Produktkategorien und erste Beispielprodukte.

Eigene Darstellung der Eigenschaften und Beispiele von Produkten unterschiedlicher Produktkategorien.
Eigene Darstellung der Eigenschaften und Beispiele von Produkten unterschiedlicher Produktkategorien.

Woraus leiten sich die Produktkategorien ab?

Eigene Darstellung zu zentralen R-Prinzipien für Produkte unterschiedlicher Produktkategorien.
Eigene Darstellung zu zentralen R-Prinzipien für Produkte unterschiedlicher Produktkategorien.

Mit der EU-Ökodesign-Richtlinie aus 2009 [1] wurden für energieverbrauchsrelevante Produkte erste Schritte bezüglich der Betrachtung des Ressourcenverbrauchs in der Nutzungsphase realisiert. Diese beinhalten u. a. Vorgaben zur Minimierung des spezifischen Verbrauchs in der Nutzungsphase. Dieser Aspekt wird sich auch in den noch zu definierenden Kennzahlen der Ökodesign-Verordnung von 2024 [2] wiederfinden.  Außerdem werden der Ressourcenverbrauch bei Herstellung und Nutzung sowie der Impact z. B. durch Mikroplastik einbezogen.

Hier wird deutlich, dass die Produkte nicht nur wie bei Bakker et al. [3] in die Kategorien „products that flow“ (Produkte mit einer kurzen Nutzungszeit) und „products that last“ (Produkte mit einer langen Nutzungszeit) eingeteilt werden können, sondern auch die Einflüsse der Nutzungsphase mitgedacht werden müssen. In der Normungsroadmap Circular Economy des Deutschen Institut für Normung [4] wird auf die Definition der Vereinten Nationen Bezug genommen, welche die Produkte in folgende Kategorien einteilt:

  • Produktgruppe 1: Einwegprodukte mit sehr kurzer Lebensdauer,
  • Produktgruppe 2: Produkte, die während ihrer Gebrauchsphase keinen oder nur einen geringen Verbrauch von Wasser, Strom oder anderen Ressourcen erfordern und
  • Produktgruppe 3: Produkte, die während ihrer Gebrauchsphase einen hohen Ressourcenverbrauch aufweisen.

Die Einordnung der Produkte in diese drei Kategorien ist für eine Analyse der Zirkularität eines Produkts jedoch ebenfalls nicht umfassend genug. Die Denkschule „Cradle to Cradle“ hat das Ziel formuliert, Produkte zu entwickeln, die nicht weniger negativ sind, sondern umgekehrt sogar einen positiven Impact haben (vgl. Öko-Effektivität) [5]. Hierzu zählt nicht nur der Ressourcenverbrauch in der Nutzungsphase, sondern auch weitere Möglichkeiten der negativen Interaktion mit der Umwelt. Hier sind zum Beispiel Mikroplastik und weitere in der Umwelt verbleibende Schadstoffe zu nennen.

Quellen

[1] Europäisches Parlament und der Rat der Europäischen Union. RICHTLINIE 2009/125/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 21. Oktober 2009 zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchsrelevanter Produkte. Amtsblatt der Europäischen Union, 2009.

[2] Europäisches Parlament und der Rat der Europäischen Union. VERORDNUNG (EU) 2024/1781 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 13. Juni 2024 zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte, zur Änderung der Richtlinie (EU) 2020/1828 und der Verordnung (EU) 2023/1542 und zur Aufhebung der Richtlinie 2009/125/EG: 2024/1781. Amtsblatt der Europäischen Union, 2024.

[3] Bakker, C.; van Hinte, E.; den Hollander, M. Products that last; BIS Publishers BV, 2019.

[4] DIN e. V.; DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik; VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V. DEUTSCHE NORMUNGSROADMAP CIRCULAR ECONOMY. https://​www.din.de​/​resource/​blob/​892606/​06b0b608640aaddd63e5dae105ca77d8/​normungsroadmap-​circular-​economy-​data.pdf (zuletzt geprüft am 27.11.24).

[5] Michael Braungart. Cradle to Cradle. https://​michaelbraungart.com​/​cradle-​to-​cradle/​ (zuletzt geprüft am 01.03.24).

Kontakt
Bei Fragen kontaktieren Sie gerne das Team Zirkuläre Wertschöpfung:
Prof. Dr.-Ing. Eva Schwenzfeier-Hellkamp
+49.521.106-7237