„Der beste Moment in meinem Job? Wenn ich meinen Studierenden etwas für ihre Zukunft mitgeben kann“
Mein Weg zur HAW-Professur: Prof. Dr. Kathrin Papmeyer im Interview
Foto: Patrick Pollmeier
Prof. Dr. Kathrin Papmeyer ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Personalmanagement und Organisation am Fachbereich Wirtschaft der HSBI. Bevor sie Professorin wurde, hat sie viele Jahre in der Wirtschaft gearbeitet – und doch nie den Gedanken losgelassen, junge Menschen an der Schnittstelle zwischen Praxis und Wissenschaft zu fördern. Im Interview berichtet sie von ihrem Weg.
Sie waren elf Jahre bei dem Technologiekonzern 3M beschäftigt, den wir hier in Deutschland vor allem wegen seiner Marken „Post-it“ und „Scotch“ kennen. Professorin sind Sie im Jahr 2019 geworden. War eine HAW-Professur schon immer Ihr Ziel?
Ich hatte bereits in meinem Studium ein Rollenvorbild, das mein Interesse an diesem Berufsbild sehr befördert hat. Was mir immer Freude gemacht hat, war – und ist – die Lehre. Deshalb konnte ich mir die HAW-Professur ab einem gewissen Punkt in meiner Karriere gut vorstellen.
Wie sah denn Ihr Karriereweg aus, bevor Sie Professorin wurden?
Ich habe Betriebswirtschaft in Einrichtungen des Gesundheitswesens in Osnabrück und Wirtschaftswissenschaften und Berufs- und Wirtschaftspädagogik in Oldenburg studiert. Das Thema Lehre war also präsent in meinem Werdegang und ebenso das Thema Personal, das ich bereits im Studium als Schwerpunkt gewählt habe. Während meiner Auslandsaufenthalte in der Schweiz und in Kanada und nach meinem Einstieg ins Berufsleben habe ich gemerkt, wie viel Freude mir der Personalbereich macht. Bei 3M habe ich verschiedene Rollen innegehabt: Erst war ich als Assistentin der Geschäftsführung tätig, später als kaufmännische Leiterin einer Tochtergesellschaft und als HR Business Partner an verschiedenen Produktionsstandorten.
Was war das Thema Ihrer Doktorarbeit?
In meiner Dissertation habe ich mich mit dem Thema Work-Life-Balance beschäftigt. Es ging um die Frage, wie bestimmte betriebliche Unterstützungsangebote die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben unterstützen können. Das ist ein Bereich, der mich auch heute noch umtreibt. Toll war, dass ich mich auch hier schon mit dem Thema Transfer beschäftigen konnte, da ich eine große Fallstudie in einem Unternehmen durchgeführt habe. Mir ist genau in dieser Zeit auch klargeworden, dass eine HAW-Professur für mich sehr gut passen könnte. Denn es geht immer wieder darum, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu bringen und gleichzeitig auch von Praxispartner:innen zu lernen. Und natürlich darum, dieses Wissen den Studierenden zu vermitteln. Deshalb habe ich während meiner Zeit bei 3M auch immer wieder Lehraufträge an Hochschulen angenommen.
Foto: Patrick Pollmeier
2019 sind Sie dann Professorin an der Fachhochschule Dortmund geworden. Wie lief Ihre erste Zeit?
Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, das war ein toller Einstieg. Durch mein Studium und meine Lehraufträge hatte ich eine didaktische Basis, durch meinen Job war ich fachlich gut aufgestellt. Für mich ging es am Anfang vor allem darum, beides zusammenzubekommen. Ich bin sehr dankbar, dass ich einige Weiterbildungen in Hochschuldidaktik beim hdw nrw machen konnte. Gemeinsam mit anderen Neuberufenen konnte ich mir so nach und nach Kompetenzen erarbeiten, die für mich in meiner Arbeit wichtig sind. Die Gruppe und der Austausch waren sehr bereichernd. Und natürlich musste ich mich an den neuen Tagesablauf erst gewöhnen. Es ist nicht so wie im Unternehmen, sondern viel freieres Arbeiten.
Wie kam es, dass Sie 2022 an die HSBI gewechselt sind?
Die Stelle mit den Schwerpunkten Personalmanagement und Organisation hat perfekt zu dem gepasst, was ich machen wollte. Als Pluspunkt kam dazu, dass ich aus dem Osnabrücker Land komme und die Region OWL gut kannte und schätze. Es war ein bisschen, als würde ich „nach Hause kommen“. In meiner Fachgruppe und an der HSBI generell fühle ich mich sehr wohl. Ich erlebe die HSBI als sehr innovative Hochschule mit einer guten Kultur, was mir sehr wichtig ist.
Wie würden Sie Ihren Job eigentlich einem Grundschulkind erklären?
Ich bin Lehrerin und Forscherin. Ich erkläre jungen Menschen, die an der Hochschule studieren, wie Firmen gute Arbeitsplätze schaffen. Das heißt, ich überlege, wie Menschen gut zusammenarbeiten, wie sie Aufgaben sinnvoll verteilen, fair bezahlt werden und sich weiterentwickeln können. So wird aus vielen Menschen ein starkes Team, das gemeinsam Ziele erreicht. Eine einfache Analogie: Wir bauen eine Sportmannschaft – wir finden passende Spieler und Spielerinnen, üben zusammen und sorgen für gute Regeln, damit alle gut arbeiten können.
Was würden Sie anderen empfehlen, die den Karriereweg HAW-Professur einschlagen möchten?
Mein erster Tipp ist, viel Praxiserfahrung zu sammeln. Ich glaube, es ist gut, wenn man wirklich für sein Thema brennt. Und dann würde ich empfehlen, sich früh in der Lehre auszuprobieren. Die ehrliche Frage ist: „Macht es mir Spaß, für junge Menschen Lehre zu gestalten?“ Ich glaube, wenn diese Freude nicht da ist, ist es nicht der richtige Job.
Foto: Patrick Pollmeier
Wenn Sie auf Ihre aktuellen Forschungsthemen und Lehrveranstaltungen schauen: Wofür brennen Sie?
Mich interessiert die gesamte „Employee Journey“, also die „Reise“ von Mitarbeitenden durch das Unternehmen. Wie werden passende Talente angesprochen? Wie holt man sie ins Boot? Wie bindet man sie an Unternehmen? Das sind klassische Fragen, die ich sehr spannend finde. Ein weiteres Thema, das mich sehr beschäftigt, ist Führung. Hier versuche ich auch, meinen Studierenden ganz viel mitzugeben. Wissen veraltet heute schneller denn je, deshalb überlege ich mir bei der Konzeption meiner Veranstaltungen immer, welche dauerhaften Kompetenzen ich ihnen vermitteln möchte.
Sie haben Ihre Dissertation ja über das Thema Work-Life-Balance geschrieben. Wie sieht es denn bei Ihnen mit der Balance aus?
Berechtigte Frage (lacht). Es gibt immer mal wieder Phasen, wo meine Work-Life-Balance zugunsten der Arbeit in Schieflage gerät. Ich bin sehr gerne Professorin und setze mich entsprechend ein. Mir hilft eine gute Struktur, um trotzdem für Ausgleich zu sorgen. Ich kann mich gut selbst organisieren und baue mir immer wieder „Life-Phasen“ ein. Ich bin gerne in der Natur, mache Sport und bin mit meiner Familie zusammen. Insgesamt würde ich sagen: Mein Job bietet mir genügend Flexibilität, um alles gut unter einen Hut zu bekommen.
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