10.09.2026

Ägyptischer Mechatronik-Student findet an der HSBI nicht nur sein Studienfach, sondern auch den Weg in einen Bielefelder Reitstall

Mohamed Nassar auf seinem Pferd White Moscow
Das Springreiten fehlte Mohamed Nassar sehr. Durch Bemühungen des International Office konnte er einen Reitstall finden und damit einen weiteren Ort zum Wohlfühlen in Bielefeld. © Mohamed Hamdy Photography
Porträt Mohamed Nassar
Der Bachelorstudent Mohamed Nassar studiert seit drei Semestern im englischsprachigen Studiengang Mechatronics and Automation und berichtet von seinem Studium an der HSBI und seinem Ankommen in der Stadt. © S. Jonek/HSBI
Mohamed Nassar kam für ein Ingenieurstudium an den Campus Gütersloh der Hochschule Bielefeld. Dass er eine Möglichkeit gefunden hat, seiner Leidenschaft Springreiten nachzugehen, hilft ihm, in OWL richtig anzukommen. Mohamed Nassar erzählt, wie ihn das deutsche Lehrsystem fordert und warum der Reitsport ein wichtiger Ausgleich für ihn ist.

Bielefeld (hsbi). Mohamed Nassar zieht sein Smartphone aus der Tasche und zeigt ein Foto: Es zeigt ihn auf seinem Pferd White Moscow über einem Oxer. Zweimal wurde er nationaler Meister im Springreiten, zertifiziert vom Ägyptischen Reitsportverband. Heute sitzt der junge Ägypter nicht im Sattel, sondern im Hörsaal am Campus Gütersloh der Hochschule Bielefeld (HSBI). Hier studiert er im dritten Semester im englischsprachigen Bachelor Mechatronics and Automation. „Mathematik hat mich schon immer fasziniert“, sagt er. Deutschland lockte ihn mit seinem guten Ruf als Ingenieurnation – und einer starken Reitsportkultur.

Studium verbindet Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik

Der Umzug fiel Nassar nicht leicht. Er kannte niemanden, sprach kaum Deutsch, lebte zum ersten Mal ohne seine Familie, als er 2024 nach Deutschland kam. Auch das Studiensystem verlangte Umdenken. In der Schule in Ägypten bekam er Lösungswege vorgegeben, an der HSBI muss er sie sich selbst erschließen. „Anfangs war das schwer“, erinnert er sich. „Heute bin ich dankbar dafür. Ich denke und handle selbstständiger.“

Mohamed Nassar springt mit seinem Pferd über ein Hinderniss
Mit seinem Pferd in Ägypten nahm Mohamed Nassar schon an zahlreichen Springturnieren teil.

Mechatronics and Automation, oder zu Deutsch Mechatronik und Automatisierungstechnik, verbindet Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik. Besonders die mathematischen und ingenieurwissenschaftlichen Module reizen Nassar: „Ich löse gerne Probleme und verstehe, wie Systeme zusammenspielen.“ Und wie an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften üblich, sitzt er nicht nur in Vorlesungen, denn hier wird viel in Kleingruppen gearbeitet. Er fragt nach, sucht Lösungen, diskutiert mit Kommiliton:innen und Lehrenden. Genau dieses eigenständige Arbeiten unterscheidet sein Studium in Bielefeld von seiner Schulzeit in Ägypten.

Unterstützung fand er neben den Lehrenden und seinen Kommilitonen auch beim International Office der Hochschule, das ihn von Anfang an begleitete: bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche, bei den ersten Kontakten in einer fremden Stadt. Diese Unterstützung, sagt Nassar, habe ihm die Anpassung an das Leben in Deutschland erheblich erleichtert.

Der Ausgleich zum Studium

Doch Nassar vermisste etwas, das für ihn mehr als ein Hobby ist: das Reiten. In Ägypten ist sein Reitstall sein Safe Space, sein sicherer Ort. Also machte er sich auf die Suche nach einer Reitmöglichkeit. Über zwanzig Reitställe in der Region schrieb er an, bewusst auf Deutsch, in der Hoffnung auf eine höhere Antwortquote. Fast alle blieben stumm. „Ich dachte schon, das wird hier nichts mehr“, sagt er.

Ein Freund brachte ihn auf die Idee, beim International Office nachzufragen. Nassar zögerte, sein Anliegen fühlte sich zu privat an. Er schrieb dann trotzdem. Anika Steppacher, Mitarbeiterin im International Office, nahm sich seiner Anfrage an. Mit Erfolg: Mohamed ist inzwischen bei der Reitsportanlage Sonntag in Bielefeld-Jöllenbeck untergekommen. „Ohne das International Office hätte ich diesen Ort nie gefunden. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Nassar.

Im Stall wartet mehr als das Reiten auf ihn. Betreiberin Christine Wecke und ihre Stieftochter Kim Bergmeyer bezogen Nassar in die Stallarbeit ein, die für alle Reiter:innen dazugehört: Ausmisten, Füttern, Ordnung halten. Aufgaben, die in Ägypten meist Pfleger übernehmen. „Dadurch bin ich ein kompletterer Reiter geworden“, sagt er. Das Reiten, die Stallgemeinschaft und der Kontakt zu den Tieren sind für ihn der perfekte Ausgleich zum anspruchsvollen Studienalltag, ein Ort zum Abschalten.

Zweieinhalb Jahre bis zum Abschluss

Porträt von Mohamed Nassar am Lernen
Das eigenständige und praxisorientierte Ingenieurstudium gefällt Nassar richtig gut. Unterstützt wurde er anfangs noch durch das International Office, Lehrende und Kommilitonen.

Sein Bachelorstudium läuft noch etwa zweieinhalb Jahre. Ob danach ein Master folgt oder der Einstieg ins Berufsleben, hat Nassar noch nicht entschieden. Im Moment will er vor allem so viel wie möglich lernen und praktische Erfahrung sammeln. Und er will, sobald Lizenz und Zeit es erlauben, auch in Deutschland an Turnieren teilnehmen.

Sein Fazit nach anderthalb Jahren in Bielefeld und Gütersloh fällt eindeutig aus: „Die Hochschule kümmert sich nicht nur um unseren akademischen Erfolg, sondern auch um unser persönliches Wohl.“ Sein Rat an künftige internationale Studierende: „Fragen kostet nichts. Ich bin dem International Office sehr dankbar für die Unterstützung.“ (yda)

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